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Allein nicht nur dafür sorgte Joannes, dals der Orden in seinem gegenwärtigen Bestande und in seiner bisherigen Thätigkeit erhalten würde, er war sich vielmehr dessen wohl bewulst, dals gerade dem italienischen Zweige der Kongregation die Aufgabe gestellt war, den Orden auf der ganzen Erde auszubreiten. Daher hielt er es, besonders als er das Amt des Praepositus Generalis verwaltete, für eine seiner Hauptpflichten, möglichst viel zur Gründung neuer Konvente beizutragen.
Schon vor der Zeit seines Generalates, als er noch Procurator Generalis war, hatte er eifrig die Errichtung eines Klosters in Paris betrieben. Es gelang ihm auch, den Papst Paul V. für seinen Plan zu gewinnen, und er erreichte es, dals dieser ein Empfehlungsschreiben in Gestalt eines Breve vom 20. April 1610 an Heinrich IV., König von Frankreich, schrieb, durch das dieser aufgefordert wurde, der Einführung des Ordens der unbeschuhten Karmeliter in Frankreich nichts in den Weg zu legen. In diesem Schreiben spricht sich der Papst im höchsten Grade anerkennend über die Kongregation aus. Er sagt unter anderem, es sei wunderbar, einen wie groſsen Einfluls sie auf die Gemüter der Menschen auszuüben vermöchten, um dieselben für die Frömmigkeit zu gewinnen; dabei sei ihr ganzes Streben einzig und allein darauf gerichtet, der Ehre Gottes zu dienen und die Menschen dem ewigen Heile zuzuführen. Dies hätten sie in ihrer ganzen reichgesegneten Wirksamkeit in Rom sowohl selbst, wie auch im übrigen Italien bewiesen.
Heinrich IV. konnte freilich kaum mehr etwas zur Gründung des Pariser Konventes thun, denn nur wenige Tage, nachdem das päpstliche Breve in seine Hände gelangt war, wurde er von Ravaillac ermordet, und so kam die Gründung des Klosters erst im folgenden Jahre, 1611, am 22. Mai, zu Stande, also ganz kurz, nachdem Joannes zum Ordensgeneral gewählt worden war. Der Konvent erhielt seinen Namen nach dem h. Joseph.
Da Maria von Medici, die Witwe Heinrichs IV., welche für ihren noch minder- jährigen Sohn, König Ludwig XIII., die vormundschaftliche Regierung führte, sich um die Gründung des Konventes S. Joseph groſse Verdienste erworben, wahrscheinlich auch die Geld- mittel dazu geliefert hatte, so fühlte sich JToannes a Jesu Maria als Oberhaupt der ganzen Kongregation der Königin zu grolsem Danke verpflichtet, und er gab diesem Gefühle dadurch Ausdruck, dals er derselben seine Schrift:„Stimulus II. ad compunctionem excitans“ zueignete.*) Die Königin nahm die Dedikation an, und um wiederum ihrerseits den unbeschuhten Karmelitern ein neues Zeugnis ihres Wohlwollens und ihrer Hochachtung zu geben, vollzog sie selbst, als im Jahre 1613 die Klosterkirche erbaut werden sollte, dabei die Grundsteinlegung, am 20. Juli des genannten Jahres, wie sie auch im Verein mit vielen vornehmen Bewohnern der französischen Hauptstadt den Bau durch reichliche Geldspenden förderte.
Unter dem Generalate des Joannes wurde auch in Brüssel eine Novizenschule und in Löwen ein Ordenskonvent gegründet, beides schon 1611. In Kö1n erfolgte die Stiftung einer Niederlassung der unbeschuhten Karmeliterkongregation S. Eliae im folgenden Jahre 1612. In Lemberg wurde ebenfalls zu derselben Zeit die Errichtung eines Ordenshauses begonnen.
*) Joannes spricht sich darüber in der Epistola dedicatoria aus, indem er sagt:„Tria me argumenta „moverunt, ut Majestati Vestrae librum hunc dedicarem. Primum......... Tertium in gratitudinis „debito fundatur, quo erga Majestatem Vestram obstringor ob gratiam congregationi nostrae prae- „stitam in erectione conventus nostri Parisiensis cum devota demonstratione animi Regii ad similium „deinceps gratiarum liberalem concessionem.“


