Aufsatz 
Joannes a Jesu Maria : ein Mystiker der katholischen Kirche / von Krebs
Entstehung
Einzelbild herunterladen

14

heit ihrer Wunder geprüft. Dann wurde vom 10. Mai 1610 an eine ganze Reihe Zeugen gehört, besonders solche, welche behaupteten, in schwerer Krankheit, als man schon an ihréer Rettung verzweifelte, auf Anrufung der Theresia in wunderbarer Weise geheilt worden zu sein. Auch andere wurden gefragt, von denen es hieſs, dals die Berührung von Reliquien der Theresia bei ihnen wunderbare Wirkungen zur Folge gehabt habe. Endlich vernahm man dann noch und das alles geschah auf Betreiben des Joannes a Jesu Maria die Zeugnisse von einer Reihe von Mitgliedern der italienischen Karmeliterkongregation. Das sehr umständliche Verfahren bei einer solchen Beatifikation erforderte aber noch längere Zeit, und so erntete Joannes erst ein Jahr vor seinem Tode die Frucht seiner Bemühungen und sah in der am 24. April 1614 erfolgten Seligsprechung*) der Theresia a Jesu seinen Herzenswunsch erfüllt.

Als die drei Jahre verstrichen waren, in denen Joannes das Amt eines Procurator Generalis verwaltete, bereitete sich die Kongregation vor, ihm die in dem Orden höchstmögliche Anerkennung zu teil werden zu lassen. Das dritte Generalkapitel, welches diesmal nicht in Rom, sondern in dem nicht sehr weit davon entfernt gelegenen Konvente S. Silvestri bei Frascati im Jahre 1611 tagte, erwählte ihn nämlich zum Oberhaupte des ganzen Ordens, zum Praepositus Generalis oder Ordensgeneral. Dieser Beschluss des Kapitels fand in der ganzen Kon- gregation ungeteilten Beifall. Und in der That war auch Jo annes des Vertrauens, welches ihm hier entgegengebracht wurde, vollkommen würdig. Denn ebenso, wie er es in hervorragendem Malse verstanden hatte, die Novizenerziehung zu leiten, ebenso war er auch vorzüglich dazu ge- eignet, den ganzen Orden zu regieren. Dieselben Grundsätze, die für ihn bei der Erziehung der angehenden Ordensbrüder mafsgebend gewesen waren, wendete er im groſsen und ganzen auch wieder an, wo es galt, die Gesamtheit in richtige Bahnen zu lenken. Auch hier, wie bei der Novizenerziehung zeichnete er sich durch seine milde und demütige Freundlichkeit, durch seine Liebenswürdigkeit aus. Wie überhaupt Liebe und Milde Grundzüge seines Wesens waren, so wirkte er auch fast nur durch sie auf seine Untergebenen ein, und nur in den äuſsersten Fällen, wenn alle anderen Mittel verbraucht waren, liels er sich zu rigoristischer Strenge bestimmen. Der Erfolg dieser Handlungsweise war aber auch der, dals viele sich scheuten, Exzesse zu begehen.

Eine ganz besondere Sorgfalt wendete er während der Zeit seines Generalats auf die Aus- bildung derjenigen, welche durch eine eigentümliche Anlage zum Amte eines Lektoren, eines Predigers oder eines Novizenlehrers berufen erschienen. Er selbst wohnte den Lehrstunden, die sie empfingen, bei, und wo es ihm gut dünkte, griff er selbst in den Unterricht ein. Auch nahm er sie öfters, wenn er im Sommer Rom verliess und sich nach dem Konvente S. Silvestri begab, dorthin mit, oder er liess sie zu sich kommen, um ihre Vorbereitung zum Amte besser überwachen zu können. Wie sehr ihm überhaupt die richtige Ausbildung der jüngeren Ordens- brüder am Herzen lag, beweist der Umstand, daſs er niemals, auch nicht, wenn er noch so stark mit anderen Arbeiten überlastet war, es unterlieſs, den Predigten und ähnlichen Versuchen der- selben beizuwohnen. Zu gelegener Zeit rief er dann die einzelnen zu sich, lobte sie und trieb sie zu fortgesetztem Eifer an, machte sie aber auch auf ihre Fehler aufmerksam und zeigte ihnen die Art, wie sie dieselben vermeiden sollten. So bereitete er sie für den nächsten Versuch vor, dem dann wieder eine ähnliche Besprechung folgte. Auf diese Weise wurden denn auch, wie leicht erklärlich, viele treffliche Arbeiter unter seiner Leitung herangebildet.

*) Die Heiligsprechung der Theresia erfolgte durch Papst Gregor XV. am 12. März 1622.