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aber in reichlichem Maſse zu bestehen. Die äufserst strenge Beobachtung aller Vorschriften des Ordens, dte unausgesetzte und mit schweren Ubungen verbundene Richtung des Geistes auf Gott und die göttlichen Dinge, wie sie sich aus seiner Stellung als Mystiker ergab, die Sorge für die Novizen, dazu schwere Krankheiten hatten seine körperliche Kraft gänzlich gebrochen, obwohl die Last der Jahre— er hatte das vierzigste noch nicht überschritten— ihn noch nicht drücken konnte. Aber auch in diesem Zustande wollte er durchaus nicht anders leben, als es die strenge Ordensregel forderte. Daher sträubte er sich, die ihm dargebotenen Bequemlichkeiten anzunehmen, ja er wies sie zum Teil gänzlich zurück. Und sofort nachdem er von seiner Krankheit sich wieder etwas erholt hatte, schaffte er die Federbetten und alles derartige wieder aus seiner Zelle, um von neuem ganz nach der strengen Ordensvorschrift zu leben, die z. B. gebot, daſs die un- beschuhten Karmeliter auf einfachen Strohsäcken, welche über drei Bretter ausgebreitet waren, schlafen sollten. Auch nahm er, so lange er es irgend durchsetzen konnte, selbst wenn er sich noch so leidend fühlte, an den gemeinsamen UÜbungen und Gottesdiensten teil, und nur der Um- stand, daſs er durch schwere Krankheit an das Bett gefesselt war, zwang ihn zuweilen, sich von demselben fern zu halten. Aber gerade diese Zeit schwerer Leiden brachte ihm auch reichlich Beweise der Liebe und Verehrung, die er selbst in den höchsten kirchlichen Kreisen genols. So wird z. B. erzählt, dals der Kardinal Mellini den Joannes, als derselbe einst das Bett hütete, besuchte. Und als er sah, wie schlecht der Kranke pei der gerade herrschenden Kälte bedeckt war, nahm er sein eignes purpurnes Pallium von den Schultern und deckte es über Joannes. Auch der bekannte Kardinal Bellarmin besuchte den Kranken oft und gab ihm mannigfache Beweise seiner Liebe und Hochachtung.
So leidend aber auch JToannes in dieser Zeit war, er war neben seiner amtlichen Wirk- samkeit als zweiter Definitor doch auch noch fortwährend sowohl schriftstellerisch thätig, wie er sich auch immer wieder von neuem zum Studium des Thomas von Aquino wendete. Zwar verbot ihm sein zerrütteter Gesundheitszustand die weitere Fortsetzung seiner bisherigen Lieblings- beschäftigung, der Novizenerziehung. Allein er wollte doch nicht ganz darauf verzichten, geistig anregend auf die Ordensmitglieder zu wirken. Daher überuahm er noch das Amt eines Lektors und hielt Vorlesungen über Thomas, durch welche er, ebenso wie auch durch die Reden, welche er jedesmal am Jahrestag der Geburt dieses Meisters in der Scholastik hielt, seine Zuhörer immer mehr und mehr für denselben begeisterte.
Im Mai des Jahres 1608 trat das zweite Generalkapitel der Kongregation des h. Elias in Rom zusammen, und Joannes erhielt wiederum ein höheres Amt, nämlich das des Procu- rator Generalis. In dieser Stellung hatte er die auswärtigen Geschäfte des Ordens zu be- sorgen, und man hoffte, daſs gerade diese Thätigkeit auf seine so sehr geschwächte Gesundheit einen günstigen Einfluls ausüben werde.
Als Procurator Generalis betrieb er bei dem Papste Paul V. mit dem grölſsten Eifer die von der ganzen Kongregation schon längst sehnlichst gewünschte Seligsprechung der Theresia a Jesu. Er arbeitete zu diesem Zwecke ihre Biographie aus, welche unter dem Titel:„Compen- dium vitae B. V. Teresiae a Jesu, fundatricis fratrum discalceatorum et monialium beatissimae virginis Mariae de monte Carmelo“ 1609 im Druck er- schien. Joannes erreichte auch in der That seinen Zweck. Denn der Papst beauftragte bald darauf die Congregatio rituum in der Angelegenheit weiter vorzugehen. Am 24. Oktober 1609 wurden die Zeugnisse für die Reinheit und Heiligkeit des Lebens der Theresia und für die Echt-


