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Brüder. Diesen bekämpft Joannes, indem er darauf hinweist, wie grofsen Schaden Ignatius von Loyola und Franz Xavier der katholischen Kirche zugefügt haben würden, wenn sie sich etwa durch den Grund, dals Dominikus und Franziskus, die berühmten Ordensstifter, würdigere Männer als sie gewesen, von dem Missionswerk hätten zurückhalten lassen. Auch lehre ja die Geschichte, wie Gott solche Leute, die sich dem Werke der Heidenbekehrung unterzogen hätten, wenn sie gleich keine Heiligen gewesen seien, doch zu diesem Berufe gestärkt habe.
In dieser Weise trat also Joannes gegen die missionsfeindlichen Bestrebungen, welche innerhalb des Ordens selbst erwachsen waren, auf, und er hatte auch den Erfolg, daſs nicht nur die vorhandenen Skrupel zerstreut, sondern vielmehr bei den Brüdern ein lebhafter Eifer für das Werk der Mission erregt wurde. Dies zeigte sich in evidenter Weise bei dem Generalkapitel, welches in den ersten Tagen des Mai 1605 zu Rom in S. Maria della Scala abgehalten wurde, dem ersten Generalkapitel der neugegründeten italienischen Kongregation der unbeschuhten Kar- meliter. Als nämlich in einer Sitzung die Frage wegen der Aussendung von Missionen in Er- wägung gezogen und der Beschluſs gefalst wurde, so schnell als möglich solche Aussendungen nach den verschiedenen Teilen des Erdkreises vorzunehmen, erklärte eine ansehnliche Zahl von Ordensmitgliedern sich zur Teilnahme an dem Missionswerk bereit.
War es nun schon erfreulich für Joannes, dals seine Bemühungen in der Missions- angelegenheit einen so günstigen Erfolg hatten, so wurde ihm auf demselben Generalkapitel auch noch eine grolse Auszeichnung zu teil.
Am 1. Mai nämlich wurden die Neuwahlen für die Hauptämter in der Kongregation vor- genommen, und damit war den Ordensvätern Gelegenheit gegeben, ihrem Vertrauen zu Joannes Ausdruck zu verleihen. Sie thaten dies auch, indem sie ihm das Amt des zweiten Defini- tors*) oder Diffinitors auf die nächsten drei Jahre übertrugen, während Petrus a Matre Dei die Stelle des ersten Definitors erhielt und Ferdinandus a Jesu Maria zum Ordens- general gewählt wurde.
Endlich wurde ihm auch noch der ehrenvolle Auftrag von dem Kapitel zu teil, eine Instruktion der Novizen und des Novizenmeisters auszuarbeiten, damit die gesamte Novizen- erziehung in der ganzen Kongregation danach geregelt werde. In Ausführung dieses Auftrags schrieb er die beiden schon früher**) erwähnten Schriften, welchen denn auch in den Ordens- konstitutionen normative Bedeutung zugesprochen wurde.***)
Das Amt des zweiten Definitors verwaltete Joannes mit der grölsten Gewissenhaftigkeit, soweit er nicht durch körperliche Leiden daran gehindert wurde. Prüfungen dieser Art hatte er
*) Nach einer Bulle des Papst Clemens VIII. vom 20. Dez. 1593 waren dem Praepositus Generalis der unbeschuhten Karmeliter sechs Diffinitoren oder Definitoren als Assistenten oder Räte beigeordnet, welche mit ihm gemeinsam über die Ordensangelegenheiten zu beschlielsen und an der Ordensverwaltung teilzunehmen hatten. Starb der Praepositus Generalis vor Ablauf der Zeit, für welche er gewählt war, oder wurde er sonst dienstunfähig, so hatten die Definitoren aus ihrer Mitte einen Generalvikar zu wählen.— Vgl. hierzu: Magnum Bullarium Romanum a Leone M. usque ad S. D. N. Benedictum XIII.(v. Cherubini etc. Luxemburg 1727.) Tom. III, pag. 36.
*r) 8. 10.
***) Dort heilst es part. 2. cap. 6. num. 1.:„Plurimum refert, fratres novitios perfecte instrui et uniformiter „in universa congregatione; propterea ordinamus, ut educatio, quoad fieri possit, novitiorum fiat juxta in- „Structionem tam magistri quam novitiorum a R. admod. P. Joanne a Jesu Maria, congregationis „nostrae olim Praeposito Generali, viro sanctitate et doctrina insigni, editam.“


