11 er sich bessern solle. Bei dem Papste Clemens VIII. selbst genols Joannes ebenfalls groſses Ansehen, und dieser zog ihn öfters zu Rat nicht nur in Angelegenheiten der Kongregation, sondern auch in solchen, welche die ganze Kirche betrafen. So ist es seinem Einflusse zuzuschreiben, dals die italienische Kongregation der unbeschuhten Karmeliter trotz des Widerspruchs, welcher mehrfach von Mitgliedern des Ordens dagegen erhoben wurde, sich mit groſsem Eifer des Missions- werks annahm.
Es war nämlich schon sogleich bei dem Entstehen dieser Kongregation die Frage aufgeworfen worden, ob der Orden sich an der Bekehrung der Ungläubigen durch Aussendung von Missionären beteiligen solle. Und obgleich zahlreiche Beispiele aus der pisherigen Geschichte des Ordens dafür sprachen, so gab es doch einige, welche sich dagegen erklärten und dadurch auch bei den übrigen Kongregationsgenossen Bedenken erregten, indem sie teils auf die geringe Zahl der Ordensbrüder hinwiesen, teils den Umstand geltend machten, daſs die Karmeliter sich doch haupt- sächlich mit der Kontemplation beschäftigen sollten. Allein Papst Clemens VIII. wünschte trotz dieser Einwürfe, dals auch von den Mitgliedern der Kongregation des h. Elias Mission ge- trieben würde, und Petrus a Matre Dei wurde damit beauftragt, diese Angelegenheit zu regeln. Derselbe legte nun dem Joannes a Jesu Maria diese schwierige Frage zur gutacht- lichen Kuſserung vor, da man von ihm ein unparteiisches, rein sachgemäſses Urteil erwarten qurfte.
In seiner Beantwortung der an ihn gerichteten Fragen geht nun Joannes davon aus, daſs noch ein grosser Teil des Erdkreises sich in der Finsternis des Unglaubens befinde. Dabei darf nicht übersehen werden, daſs er unter Ungläubigen nicht etwa plols Heiden, Muhamedaner und Juden, sondern ebenso auch Protestanten und Griechen versteht, sodaſs auch auf diese sich die Missionsthätigkeit des Ordens erstrecken sollte. Je ausgedehnter ihm aber das Missionsfeld, das zu bearbeiten ist, erscheint, desto grölser muls nach seiner Meinung auch der Eifer sein, der von Seiten der Kirche zur Bekämpfung dessen, was er für Unglauben hält, angewendet werden muls. Daher erklärt er die Gründe, welche von den Missionsgegnern in der Kongregation vorgebracht worden waren, samt und sonders für nicht stichhaltig. 5
Der Umstand, daſs das Ordensprinzip den unbeschuhten Karmelitern die Kontemplation zur Pflicht mache und darum ihnen ein zurückgezogenes Leben auferlege, könne hier— so meint er — nicht in die Wagschale geworfen werden. Denn es seien ja doch auch genug heilige Männer aus der Zurückgezogenheit hervorgetreten, um Klöster zu gründen, wie z. B. Bernhard von Clairvaux, und gerade die italienische Kongregation habe ja das Recht, überall aulser in Spanien Ordensniederlassungen ins Dasein zu rufen. Nun sei es aber doch gewils keine gröſsere Störung der Zurückgezogenheit, wenn Mitglieder der Kongregation z. B. nach Persien gingen, um dort den christlichen Glauben auszubreiten, als wenn sie in irgend ein anderes Land reisten, um dort neue Klöster zu gründen.— Auch die geringe Zahl der Brüder, welche kaum für Italien ausreiche, will Joannes nicht als Grund gegen die Missionsthätigkeit gelten lassen. Denn auch das Christentum hätte sich ja doch von ganz kleinen Anfängen aus verbreitet, und es sei gewils rühmlicher vor Gott und heilsamer für den Nächsten, wenn der Orden für die Aus- breitung der Religion in vielen Ländern der Welt sorge, indem er in jedes derselben nur zwei Missionäre sende, als wenn er alle seine Mitglieder in dem einen Italien zurückhalte und dort alt werden lasse, die Ausbreitung des Christentums aber auf eine ferne, spätere Zeit verschiebe, also für die Gegenwart gewissermalsen daran verzweifele.— Der dritte Grund endlich, den man gegen das Aussenden von Missionen angeführt hatte, war die Unwü rdigkeit der zu schickenden
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