er selbst in zwei Schriften niedergelegt, in der„Instructio novitiorum“,*) verfaſst um das Jahr 1605, und in der„Instructio magistri novitiorum“,**) verfaſst gegen 1608.
Das Ziel, zu dem er seine Schüler führen will, ist die christliche Vollkommenheit, die ungetrübte Gemeinschaft des Menschen mit Gott. Die Mittel zur Erreichung dieses Zieles sind Gebet, Mortifikation und Tugendübung. Unter Mortifikation versteht er die Ertötung aller irdischen Neigungen als Quellen der Sünde und Gottentfremdung, ein Mittel zur Erlangung christlicher Vollkommenheit, welches oft in den unnatürlichsten und übertriebensten Selbstquälereien besteht. Abgesehen aber davon, daſs Joannes in seinen Vor- schriften über die Ausübung der Mortifikation das richtige Maſs weit überschritten hat, was noch dazu durch die überaus harten Ordensvorschriften der Theresianischen Karmeliterkongregation bedingt ist, so übte er dennoch auf seine Schüler sicherlich einen sehr heilsamen Einfluſs aus, zumal da er einesteils in seinem eignen Leben ein gutes Vorbild inniger Frömmigkeit gab und andernteils mit Energie darauf drang, dals die Novizen alles, was er sie lehrte, sofort praktisch bethätigten. Auch war er ängstlich darauf bedacht, dafs von keiner Seite her irgend ein schäd- licher Einfluls auf die seiner Fürsorge anvertrauten Zöglinge sich geltend machte, dals kein Wolf in Schafskleidern seiner Herde auflauerte und ihr Seelenheil gefährdete.
Von 1598 bis 1605 blieb die Novizenerziehung in Rom fast ausschlieſslich in der Hand des Joannes. Freilich trat er einmal auf kurze Zeit dieses Amt an einen anderen, Franciscus a Sanctissimo Sacramento, ab, aber er selbst unterstützte diesen doch dabei, und als Franciscus 1601 zum Prior des Konventes in Genua gewählt wurde und deshalb Rom ver- lassen muſste, fiel wieder die ganze Arbeit dem Joannes zu. Später mulste er aber aus mehreren Gründen sich selbst noch Unterstützung bei der Ausübung dieses schweren Amtes suchen, und er fand zuerst einen Gehülfen in der Person des Albertus a Sanctissimo Sacramento und nach diesem in Dominicus a Jesu Maria, welch letzterer ihm bis 1605 in der Erziehung der angehenden Klosterbrüder half.
Eine solche Erleichterung der Arbeit, welche die Verwaltung des Amtes eines Novizen- meisters mit sich brachte, war für Joannes um so mehr notwendig, als er einesteils körperlich recht leidend war, andernteils aber auch noch neben seiner Lehr- und Erziehungsthätigkeit durch eine weit ausgedehnte Seelsorge sehr in Anspruch genommen wurde. Nicht nur, daſs aus aller Herren Ländern Schüler nach S. Maria della Scala zusammenströmten, um seinen Unterricht zu genieſlsen: von allen Seiten her wurde er auch um Rat gefragt, wenn jemand Gewissensbedenken hatte oder sonst einen Zweifel in irgend einer Angelegenheit, welche die Religion betraf, beseitigen wollte. Und zwar wendeten sich nicht allein Ordensbrüder an ihn, sondern auch solche, die auſserhalb der Kongregation standen, Geistliche wie Laien. Er war der Gewissensrat von Kar- dinälen und anderen hochgestellten Prälaten. Auch Petrus a Matre Dei, der schon oben als Freund und Ordensgenosse des Joannes erwähnt ist, und den Papst Clemens VIII. bei der Lostrennung der italienischen Kongregation von der spanischen als apostolischen Kommissar der ersteren vorgesetzt hatte, vertraute sich in allen Angelegenheiten, die sein eignes Seelenheil betrafen, ganz und gar der Leitung des Joannes an, und allabendlich unterwarf er das, was er im Laufe des Tages gethan hatte, der Prüfung dieses seines Seelsorgers, damit derselbe ihn wegen jeder Schuld, die er etwa auf sich geladen haben könnte, zurechtweise und ihm zeige, wie
) Tom. II, pag. 212— 310. . 162
**) Tom. II, pag. 162— 211.


