Aufsatz 
Joannes a Jesu Maria : ein Mystiker der katholischen Kirche / von Krebs
Entstehung
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baten, daſs man den Orden doch nicht aufserhalb ihres Landes noch weiter ausbreiten möchte, als es seither schon geschehen, da ferner König Philipp II. von Spanien diese Bitte der spanischen Ordensbrüder lebhaft unterstützte: so beschlols der Papst, um einesteils seinen Willen durchzusetzen, andernteils aber auch nicht gerade dem Wunsche jener direkt entgegenzuhandeln, den italienischen Zweig des Ordens von dem spanischen zu trennen, und zwar so, daſs derjenige in Spanien für alle Zukunft auch auf dieses Land beschränkt sein, der italienische Zweig dagegen, der von da an den Namen Kongregation des heiligen Elias führte, sich auf der ganzen Erde ausbreiten sollte. Diese Trennung erfolgte im Jahre 1597.

Die so neugegründete Kongregation stellte er unter die Gerichtsbarkeit des Kardinals Pinelli, des damaligen Protektors des Ordens, und beauftragte denselben, in den Konvent zu S. Maria della Scala Ordensbrüder zu berufen. Dieser versammelte denn in Folge dessen eine kleine, aber auserlesene Schar von Vätern dort, und unter ihnen befand sich auch Joannes a Jesu Maria. Ihnen ward nun zunächst die Aufgabe gestellt, die Konstitution der Theresiani- schen Reform zu revidieren und den neugeschaffenen Verhältnissen anzupassen. Dies geschah denn auch, und bemerkenswert ist dabei, daſs besonders auf Betreiben des Joannes zu den drei gewöhnlichen Mönchsgelübden noch ein viertes hinzugefügt wurde, worin der Aufzunehmende sich verpflichten sollte, weder direkt noch indirekt, weder selbst noch durch einen anderen jemals sich um ein Prälatenamt oder eine sonstige Würde in der Kirche zu bewerben.*) Der kluge Mann wuſste recht wohl, dals gerade in Rom, der Stadt, von welcher aus alle kirchlichen Würden verteilt wurden, der in dem Orden so eifrig gepflegten Demut schwere Versuchungen und Prüfungen drohten, und er wollte daher durch dieses vierte Gelübde dem Ehrgeiz, in dem er den Ruin aller Religiosität sah, einen kräftigen Damm entgegensetzen. Dasselbe wurde zuerst in Rom selbst eingeführt, denn für diese Stadt war es ja so recht eigentlich geschaffen. Dann nahmen es auch die Genueser an, und später fügte man es auch noch in kürzerer Form in die professio solemnis des Ordens ein.

In Rom begann auch Joannes seine später so ausgedehnte schriftstellerische Thätigkeit. In die erste Zeit seines dortigen Aufenthaltes fällt die Abfassung seiner ersten Schrift, einer Erklärung des hohen Liedes Salomonis..

Wenn aber auch aus der Versetzung nach S. Maria della Scala für Joannes neue Pflichten und Arbeiten erwuchsen, so blieb er doch auch dort dem Berufe treu, in dem er in Genua so Groſses schon geleistet hatte. Auch dort beschäftigte er sich eifrig mit der Novizenerziehung,**) und wie in Genua, so hatte er auch in Rom hervorragende Erfolge auf diesem Gebiete. Zeit- genossen, die ihn und seine Thätigkeit kannten, rühmen von ihm, daſs er, so viele Amter er auch verwaltete, doch zu keinem geeigneter gewesen sei, als zu dem des Novizenmeisters. Hierin habe er einzig in seiner Art dagestanden, es habe geschienen, als ob er eigens zu diesem Berufe von Gott erschaffen worden sei. Die Grundsätze, nach welchen er die Novizenerziehung leitete, hat

*) Das Votum de non ambiendo lautet:Promitto Deo omnipotenti, beatissimae virgini de monte Carmelo coram omni curia coelesti me nunduam procuraturum directe vel indirecte, per me neque per alium »aliquam praelationem vel dignitatem aut officium per constitutiones prohibitum. Tom. IV. pag. 412.

**) Aus dem Kreise derjenigen Novizen, die in Rom die Erziehung des Joannes genossen, sind erwähnens- wert Matthias a S. Francisco, der später wiederholt das Amt eines Praepositus Generalis bekleidete, ferner Vincentius a S. Francisco, der sich in der persischen Mission auszeichnete, und Nicolaus a Con- ceptione, der selbst später Magister novitiorum zu Genua wurde.