Aufsatz 
Joannes a Jesu Maria : ein Mystiker der katholischen Kirche / von Krebs
Entstehung
Einzelbild herunterladen

8 gekommen waren, und fragten:Sind das die magistri simplices?« Auf diese Weise verschaffte Joannes der Theresianischen Reform und der ganzen Kongregation der unbeschuhten Karmeliter Ansehen und Wertschätzung bei dem gesammten Orden. Und wenn damals die totale Lostrennung der Theresianischen Kongregation von dem übrigen Orden mit grölſserem Eifer betrieben und auch in demselben Jahre 1593 noch erreicht wurde, so war das ohne Zweifel zum grolsen Teil sein Verdienst.

Als Joannes nun nach Beendiguns des Kapitels zu Cremona wieder nach Genua zurück- gekehrt war, begann für ihn eine Wirksamkeit, für die er in ganz besonderer Weise geeignet erschien, und in der er darum auch groſse Erfolge erzielte. Er wurde nämlich als magister novitiorum mit der Novizenerziehung beauftragt und nach dem bald darauf erfolgten Tode des Nicolaus a Jesu Maria von dem 1594 neugewählten Ordensgeneral Elias a S. Martino in seinem Amte bestätigt.

Den Pflichten eines Novizenmeisters unterzog sich Joannes mit dem gröfsten Eifer und Fleiſse, und aus der Schar derer, die in Genua zuerst seiner Fürsorge anvertraut waren, sind mehrere bedeutende Ordensmitglieder hervorgegangen, Leute, die sich später grolses Ansehen er- worben und die höchsten Amter in der Kongregation bekleidet haben.*)

§ 4. Ubersiedelung nach Rom und Wirksamkeit daselbst.

Aber die Thätigkeit des Joannes in Genua sollte nicht mehr lange dauern. Wichtige Veränderungen, die in der Organisation des Ordens sich vollzogen, gaben die Veranlassung, daſs er diesen Ort, wo er eine geraume Zeit so segensreich gewirkt hatte, verlassen mufste.

Papst Clemens VIII. nämlich wollte in Rom in dem Kloster S. Maria della Scala einen Konvent der unbeschuhten Karmeliter errichten, und da die spanischen Väter dringend

*) Hierher gehört z. B. Angelus a Jesu Maria, Sohn eines Marchese di Socino aus dem Mai- ländischen. Derselbe gründete um das Jahr 1612 im Auftrage des Joannes a Jesu Maria, der in diesem Jahre General der italienischen Kongregation war, einen Konvent in Mailand. Später war Angelus Vorsteher des Konvents in Genua. Er starb 1625 als Procurator Generalis in Rom. Wie hochangesehen er war, beweist die legendenhafte Ausschmückung seiner Todesgeschichte. Als nämlich so wird berichtet Dominicus a Jesu Maria, ein ebenfalls bekannter Karmeliter und sehr vertrauter Freund des Joannes a Jesu Maria, am 26. Januar 1625 so zu kränkeln anfing, daſs man nach Aussage der Arzte den baldigen Eintritt seines Todes erwarten muſste, schrieb Angelus mit eigner Hand einen Zettel, auf welchem er Gott sein Leben als Ersatz für dasjenige des Dominicus darbot, indem er darauf hinwies, wie wichtig es für die ganze Kirche sei, daſs das Leben dieses Mannes erhalten bleibe. Diesen Zettel legte er, datiert vom 31. Januar, auf dem Altare nieder, während er die Messe celebrierte. Und in der That wurde Dominicus, der schon das Viaticum er- halten hatte, wieder gesund und lebte noch längere Zeit; Angelus aber verfiel, nachdem jener genesen war, selbst in eine Krankheit und starb am 16. April desselben Jahres. Weitere Schüler des Jo annes a Jesu Maria aus der Zeit, wo er in Genua Novizenmeister war, sind A gathangelus a Jesu Maria, der später mehrfach die höchsten Amter im Orden pekleidete( 1641); ferner Paulus a Jesu Maxia aus dem vornehmen Genuesischen Geschlechte Rivarola, der sich der Mission widmete und wegen seiner hervorragenden Wirk- samkeit unter den Persern von Papst Clemens VIII. nach Simon, dem Apostel der Perser, den Ehrennamen Paulus Simon erhielt. Derselbe war auch noch in anderen Ländern Asiens und in England für die Mission

thätig( 1643). Endlich ist noch zu nennen Elisaeus a S. Joseph, ein Mann, der sich durch religiöse Tugenden auszeichnete, und dessen Leiche wie die Legende erzählt noch drei Jahre nach seinem Tode

unversehrt gewesen sein soll(†⁵ 1629).