Aufsatz 
Joannes a Jesu Maria : ein Mystiker der katholischen Kirche / von Krebs
Entstehung
Einzelbild herunterladen

7

Von den Scholastikern war es Thomas von Aquino, der ihn am meisten fesselte. Aulserdem beschäftigte er sich aber auch mit der heiligen Schrift, für die er eine hohe Ehr- furcht empfand. Es wird erzählt, dals er nur mit gebeugten Knieen und entblölstem Haupte in derselben gelesen habe. Khnliche Ehre soll er übrigens auch den Schriften des Thomas er- wiesen haben.

Wann Joannes Priester geworden ist, lässt sich nicht mehr mit voller Bestimmtheit fest- stellen. Doch scheint es im Februar des Jahres 1590 gewesen zu sein, denn von diesem Zeit- punkte an wird seinem früheren Namen der Titel Pater vorgesetzt, eine Bezeichnung, die nur bei Priestern üblich ist. Von da an heiſst er in den Akten des Konventes immer Pater Frater Joannes a Jesu Maria. In demselben Monat und Jahre wurde er auch noch einmütig zum Discretus des Konventes erwählt, obgleich noch mehr andere verdienstvolle Väter von höherem Alter als er vorhanden waren, denen dieses Amt auch hätte übertragen werden können. Als Discretus hatte er den Vorsteher seines Konvents zu dem Generalkapitel zu begleiten und an dessen Verhandlungen teilzunehmen, wie es denn auch drei Jahre später geschah.

Nachdem ihm nämlich noch im Jahre 1591 ein neuer Beweis des groſsen Vertrauens, welches der Konvent in ihn setzte, zu teil geworden war, indem man ihm die Stelle des ersten Clavarius oder Schlüsselbewahrers übertragen hatte, während die Stelle des zweiten Clavarius ein älterer Bruder einnahm, kam im Jahre 1593 Nicolaus a Jesu Maria, der gerade das Amt des Generalvikars der unbeschuhten Karmeliter bekleidete, mit groſsem Gefolge aus Spanien nach Genua, um von da nach Cremona zu reisen, wo in diesem Jahre das Kapitel des ganzen Karmeliterordens, sowohl des unbeschuhten, als auch desjenigen Teils, der die Theresianische Reform nicht angenommen hatte, abgehalten wurde. Nicolaus nahm nun von Genua aus den Joannes a Jesu Maria und aulser ihm nur noch einen der dortigen Konventsgenossen, den Petrus a Matre Dei), einen Mann, der dem Joannes nahe stand und ebenfalls groſses Ansehen im Orden genoſs, mit nach Cremona.

Nun waren bei denjenigen Karmelitern, welche sich der Theresianischen Reform nicht an- geschlossen hatten, die unbeschuhten wegen ihrer Einfachheit, die sich vornehmlich in ihrem ärmlichen Auftreten zeigte, gering geachtet. Und wenn daher bei den feierlichen Handlungen des Kapitels alle nach ihrem Range aufgerufen und jeder, der auf den TitelPater Anspruch hatte,Reverendus pater magister genannt wurde, so pflegte man die unbeschuhten mit Aus- lassung des Magistertitels einfach alsFratres zu bezeichnen. Dabei kam es dann wohl auch zuweilen vor, daſs der Pedell scherzweise rief:accedant fratres nostri simplices. Diese ge- horchten dann schweigend und nahmen oft unter dem schallenden Gelächter der übrigen die ihnen angewiesenen, Plätze ein. Eine Folge davon war, dass die unbeschuhten Karmeliter zum Spott von Klosterleuten und Weltlichen diefratres simplices odermagistri simplices genannt wurden.

Als aber bei diesem Kapitel Joannes a Jesu Maria sich an den Debatten beteilig te, als die Lebhaftigkeit seines Geistes, die Reife seines Urteils dabei hervorleuchtete, als es ihun gelang, durch schlagende Gründe die Gegner zu überzeugen: da staunten alle, Prälaten, Kanonik er und die vielen anderen hervorragenden Väter, die aus den verschiedensten Ländern hier zusammer-

*) Unter den Werken des Joannes a Jesu Maria befindet sich auch eine Biographie des Petrus

a Matre Dei, welche unter dem TitelBreve compendium vitae ac virtutum Venerabilis Patris Petri a Matre Dei etc. in einem Anhang zum Tom. IV. abgedruckt ist.