thätigkeit. Ja, durch einschmeichelnde Rede wufste er seine Mutter und seine Schwestern zu reichlichen Spenden zu bestimmen, welche er dann selbst an die einzelnen Kranken verteilte. Von seiner groſsen Gewissenhaftigkeit giebt ein Vorfall Zeugnis, der uns aus seiner frühen Jugend überliefert ist. Als er nämlich einmal in dem Garten eines Nachbarn einige Blumen ohne spezielle Erlaubnis des Besitzers gepflückt hatte, empfand er nachher solche Gewissensbisse darüber, daſs er seiner Mutter den Kummer mitteilte, der sein Herz bedrückte, und sie bat, den Schaden, den er damit dem Eigentümer des Gartens zugefügt zu haben glaubte, zu vergüten.
Doch nicht allein durch seine Gewissenhaftigkeit und Mildherzigkeit, sondern auch durch seine Leistungen in der Schule zeichnete er sich vor seinen Altersgenossen aus, so dals er schon in seinem fünfzehnten oder sechzehnten Lebensjahre die Universität Salamanka beziehen konnte, auf welcher er sich mehrere Jahre hindurch mit eben so groſsem Eifer wie Erfolge wissenschaft- lichen Studien widmete.
Soviel er aber auch hier leistete, so vermochte er doch auf diesen Gebieten seine volle Be- friedigung nicht zu finden. Sein Inneres wies ihn vielmehr auf einen anderen Weg: die Verach- tung der Welt und alles Irdischen, wie sie das Klosterleben forderte, schien ihm das rechte Mittel zu sein, um zu der höchsten christlichen Vollkommenkeit zu gelangen. Daher trat er 1582, also in einem Alter von achtzehn Jahren, in die Kongregation der unbeschuhten Karmeliter ein. Und zwar war es besonders die Sage von dem schrecklichen Tode des Erz- bischof Udo von Magdeburg-), die ihn dazu trieb, den Gefahren, die das Leben in der Welt mit sich brachte, zu entfliehen.
§ 2. Aufenthalt im Kloster zu Pastrana.
Schon zwei Jahre vorher, also 1580, hatte Papst Gregor XIII. den unbeschuhten Karmelitern die Erlaubnis gegeben, sich als eigne Ordensprovinz zu konstituieren und einen eignen Provinzial zu wählen, welcher aber doch unter dem General des ganzen Ordens stehen
*) Nach einer alten Legende soll nämlich im 10. Jahrhundert zur Regierungszeit des Kaisers Otto III. ein gewisser Udo Erzbischof von Magdeburg gewesen sein, der schon in seiner Jugend durch grofse Trägheit seinen Lehrern Last und Kummer bereitete. Da er deshalb auch viele und schwere Strafen zu erleiden hatte, bat er in der Kirche S. Mauricii in Magdeburg die Maria und den Patron der Kirche Mauricius um Prleuch- tung seines Geistes und erhielt die Verheilsung, dals er nicht nur mit allem möglichen Wissen ausgerüstet Wwerden sollte, sondern daſs er auch dazu bestimmt sei, der Nachfolger des damaligen Erzbischofs von Magde- burg zu werden. Wenn er nun sein Amt gut verwalten werde, solle er grofsen Lohn von Gott erlangen, wenn er aber schlecht regieren werde, solle er in seiner Verstocktheit zu grunde gehen. Zwei Jahre später starb der Erzbischof, und Udo wurde auch wirklich an seine Stelle gewählt. Kurze Zeit versah er sein Amt gut. Dann aber verfiel er in ein entsetzlich gottloses und unsittliches Leben. Dreimal wurde er durch göttliche Zurufe zur Umkehr aufgefordert, aber er verlachte diese Mahnungen. Da prach ein schreckliches Strafgericht über ihn herein. Einstmals nämlich betete ein Kanonikus namens Fredericus in der Kirche S. Mauricii in- brünstig zu Gott, dals er das sündige Haupt der dortigen Gemeinde entfernen oder zum besseren bekehren möchte. Und sein Gebet fand unmittelbar Erhörung. Denn sofort erschienen Christus, Maria und Mauricius mit groſsem Gefolge in der Kirche, einige, die bei ihm waren, brachten den verbrecherischen Prälaten mitten aus seiner Sündhaftigkeit und Unsittlichkeit heraus dorthin, und Christus befahl, daſs derselbe enthauptet werde, nachdem er zuvor alle Hostien, die er zu sich genommen hatte, wieder hatte von sich geben müssen. Die von Christus angesetzte Todesstrafe wurde dann auch sofort durch einen aus seinem Gefolge vollzogen. Alles das geschah im Beisein des Kanonikus Fredericus, der die Leiche bis zum folgenden Tage in der Kirche liegen lieſs, wo sie von Geistlichen und Laien geschen wurde.
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