Aufsatz 
Joannes a Jesu Maria : ein Mystiker der katholischen Kirche / von Krebs
Entstehung
Einzelbild herunterladen

Sein Vater war Didacus a S. Petro, Dr. artium et medicinae, ein Mann, der sowohl wegen seiner tüchtigen philosophischen Bildung als auch wegen seiner Frömmigkeit gerühmt wird. Des Joannes Mutter war Donna Anna Uztarroz, aus altem vornehmem Geschlechte stammend, das in dem Königreiche Navarra in den Bergen von Roncesvalles ansässig war. Nach dortiger Sitte wurde der Name des Sohnes aus den Familiennamen seines Vaters und seiner Mutter zusammengesetzt: er hiels Joannes a S. Petro et Uztarroz.

Einige Zeit vor der Geburt des Sohnes hatte Donna Anna das Miſsgeschick einen schweren und gefährlichen Fall zu thun, durch welchen sie sich eine Wunde zuzog, deren Heilung mit den heftigsten Schmerzen verbunden war. Die Arzte sahen es damals als ein Wunder an, dals nicht in Folge davon ihr Kind zu frühe zur Welt kam. Nichtsdestoweniger erfolgte doch die Geburt des Joannes zu einer Zeit, in der man nicht darauf gefalst war, und so erblickte er das Licht der Welt, ohne dals seiner Mutter von anderen Frauen dabei wäre Hülfe geleistet worden, aber auch, ohne dals dieselbe besonders starke Qualen dabei hätte zu erdulden gehabt. Alle diese merkwürdigen Ereignisse wurden als Hinweise auf die zukünftige Bedeutung des Joannes als eines auserwählten Rüstzeuges Gottes angesehen. In einer noch weit wunderbareren und zu- gleich weit deutlicheren Weise soll aber auf die Zukunft des Joannes bei einer wenige Jahre späteren Gelegenheit hingewiesen worden sein.

In Calahorra wohnte nämlich so wird erzählt eine um ihrer Frömmigkeit und ihrer Tugend willen hochangesehene Frau, eine Tante unseres Joannes, eine Schwester seiner Mutter, Theresia Espanola mit Namen. Als diese im Jahre 1569 auf dem Sterbebette lag, Joannes hatte damals also das fünfte Lebensjahr noch nicht überschritten verfiel sie durch einen heftigen Krankheitsanfall in einen todesähnlichen Zustand. Nachdem sie aus diesem wie- der zum Bewulstsein zurückgekehrt war, sagte sie mit fröhlichem Gesichte zu der an ihrem Bette stehenden Mutter des Joannes:Freue dich, Anna, denn ich habe deinen Sohn zu Rom unter den unbeschuhten Karmelitern gesehen, mit ihrem Gewande bekleidet und im Glanze der Heiligkeit strahlend.*)

Seine Jugendzeit verlebte der Knabe im elterlichen Hause, und schon im frühen Knaben- alter trat bei ihm eine entschiedene Neigung zur Prömmigkeit hervor, die sich in Bescheidenheit, Gottergebenheit, Gehorsam gegen Eltern und Lehrer, Ehrerbietigkeit gegen Bejahrtere, Mildher- zigkeit gegen Arme und Kranke äuſserte. So entzog er sich oft dasjenige, was zu seinem Ver- gnügen und zu seiner Bequemlichkeit dienen sollte, um solchen, die in Not und Elend sich be- fanden, damit zu helfen. Besonders häufig waren die Krankenhäuser der Schauplatz seiner Wohl-

sei mit demjenigen des Dominicus, des Stifters des Dominikanerordens. Allein diese Annahme beruht auf einer Verwechselung zweier Städtenamen. Dominicus ist nämlich in Calaruega, ehemals Calaroga, einer kleinen Stadt Altkastiliens, zum Bistume Osma gcehörig, geboren, während als Geburtsort des Joannes stets das alte Calagurris oder Calagurium, jetzt Calahorra, angeführt wird. Diese Stadt ist selbst Bischofs- sitz und steht unter dem Erzbischofe von Burgos. Die Bewohner der Stadt heilsen Calaguritani, wie ja auch Joannes stets Calaguritanus genannt wird. Die Verwechslung hat ohne Zweifel ihren Grund in der freilich nur unbedeutenden Khnlichkeit beider Namen.

*) Diesem Vorfalle wird eine um so gröſsere Bedeutung beigemessen, als 1) im Jahre 1569 in Italien weder schon eine Karmeliterkongregation Theresianischer Reform existierte, noch Hoffnung auf Gründung einer solchen vorhanden war; 2) Joannes nach einem von seiner Mutter abgelegten Gelübde damals noch Franzis- kaner werden sollte; und 3) wirklich Joannes später gerade in Rom hauptsächlich wirkte. Vergl. übrigens dazu das§ 6. über derartige Vorfälle Gesagte.