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eigentümliche ſinnliche Wirkung hervorbringen, erreicht hat, iſt männiglich bekannt. Man vergleiche beſonders Strophe 13 und 26. Wir hören den Reiter wirklich nahen und abſteigen, und durch die Stille der Nacht den geiſterhaften Glockenzug ſchrillend verhallen: „ und außen, horch! ging's trapp, trapp, trapp,
Als wie von Roſſeshufen;
Und klirrend ſtieg ein Reiter ab
An des Geländers Stufen;
Und horch, und horch! den Pfortenring
Ganz loſe, leiſe, klinglingling!
Dann kamen durch die Pforte
Vernehmlich dieſe Worte.“
Nicht mit Unrecht hat man Bürgern den Vorwurf gemacht, ſpäter zu Misbrauch und Ueber⸗ treibung in dieſer Form ausgeartet zu ſein.
In der Lenore ſteht Bürger auf der Höhe ſeines dichteriſchen Schaffens, einen ſo tiefen und großartigen Stoff hat er nicht noch einmal zu bemeiſtern vermocht. Seine frühzeitige erſte Verhei⸗ ratung, die im September 1774 ſtattfand, lähmte auch ſeine geiſtige Tätigkeit: Sorgen und Un⸗ glücksfälle brachen herein; der Verluſt ſeiner zweiten Gattin, ſeiner geliebten Molly, ſchlug dem Dichter die tiefſte Wunde, die ihn treffen konnte. Schillers ungünſtige Recenſion ſeiner Gedichte, endlich ſein leichtſinnig geſchloſſenes Ehebündnis mit dem„Schwabenmädchen“(Eliſe Hahn aus Stuttgart) wurde der Nagel zu Bürgers Sarge. Und ſo ſehen wir voll Mitleid Goethes Wort über Günther ſich auch an ihm erfüllen:„Er wußte ſich nicht zu zähmen, und darum zerrann ihm ſein Leben wie ſein Dichten.“ Bemerkenswert erſcheint die Tatſache, daß Bürger, als er im Jahre 1789 ſich eine Zeit lang in Weimar aufhielt, mit Schiller noch im beſten Einvernehmen ſtand. Am 30. April 1789 ſchrieb Schiller an Charlotte von Lengefeld:„Bürger war vor einigen Wochen hier und ich habe die wenige Zeit, die er da war, in ſeiner Geſellſchaft zugebracht. Er hat gar nichts ausgezeichnetes in ſeinem Aeußern und in ſeinem Umgange; aber ein gerader, guter Menſch ſcheint er zu ſein. Der Charakter von Popularität, der in ſeinen Gedichten herrſcht, verleugnet ſich auch nicht in ſeinem perſönlichen Umgange, und hier wie dort verliert er ſich zuweilen in das Platte. Das Feuer der Begeiſterung ſcheint in ihm zu einer ruhigen Arbeitsflamme herabgekommen zu ſein. Der Frühling ſeines Geiſtes iſt vorüber, und es iſt leider bekannt genug, daß Dichter am früheſten verblühen.“ Und doch ſchrieb Schiller kaum zwei Jahre ſpäter ſeine vernichtende Kritik über Bürgers Gedichte! Freilich hatte Schiller jenen ſittlichen Läuterungsprozeß, den er eben bei Bürger vermißt, an ſich ſelbſt damals zum Teil ſchon durchgemacht. Von den„Räubern“ bis zum„Don Carlos“ und vollends bis zum„Wallenſtein“ iſt ein gewaltiger Schritt. Die Not des Daſeins hatte ſich auch an ſeine Ferſen geheftet— aber er raffte ſich empor, er kämpfte und rang mit den Widerwärtigkeiten und Erbärmlichkeiten des Lebens, bis er ſiegreich zum höchſten Ideal hindurchgedrungen war. Und von dieſem idealiſtiſchen Standpunkte aus verurteilte er die materielle Richtung Bürgers und wies nach, daß der Dichter, welcher nach Volkstümlichkeit ſtrebe, ſich öfters nur mit dem Volke vermiſche, ſtatt ſich zu ihm bloß herabzulaſſen oder es ſpielend zu ſich hinaufzuziehen. Die Wahrheit aber, daß die Gedichte Bürgers der letzten Feile und Vollendung entbehrten, weil er ſelbſt der höheren ſittlich⸗ wiſſenſchaftlichen Durchbildung ermangele, mußte um ſo verletzender und niederſchmetternder auf Bürger einwirken, da ſie Fehler betraf, die nicht mehr zu verbeſſern waren. Und von dieſem Ge⸗ ſichtspunkte aus verdient der gedemütigte Dichter allerdings unſere vollſte Teilnahme.— Uebrigens


