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den Reden des Reiters: alles ſpringt*) mit der Entſchiedenheit des friſchen Lebens zwiſchen die Ohnmacht der Schattenwelt hinein, deren endlicher Sieg um ſo mächtiger erſchüttert.“
Wenn Schlegel aber weiter unten ſagt:„Daß er die Geſchichte in ſo neue Zeit geſetzt hat, an das Ende des ſiebenjährigen Krieges,**) iſt wol nicht zu tadeln: denn, wenn fabelhafte Be⸗ gebenheiten gern in der Ferne der Zeiten und Oerter geſchehen, ſo nimmt man dagegen ein warnendes Beiſpiel am liebſten aus der Nähe; und es liegt in dem Sinne der Dichtung, daß ſie dieß ſein ſoll“, ſo möchte ich ihm hierin nicht völlig beiſtimmen. Als die Ballade erſchien, war eben erſt nur ein Decennium ſeit dem Friedensſchluſſe vergangen. Bürger würde aber die Wirkung ſeines Gedichts vielleicht noch geſteigert haben, wenn er, wie dieß ja auch Leſſing auf ſeinem berühmten Bilde tut, das die den Heerzug auf⸗ und abfragende Lenore darſtellt, die Begebenheit an den Aus⸗ gang des 30jährigen Krieges verſetzt hätte, was mit richtigem Tact Fr. Kind in ſeinem Texte zu Webers„Freiſchütz“ auch getan hat, obgleich nicht in Abrede zu ſtellen iſt, daß auch noch vor hundert Jahren der Glaube an Geiſtererſcheinungen und Geſpenſter tief genug im Volke Wurzel gefaßt hatte. Jetzt tritt natürlich dieſes Bedenken immer mehr in den Hintergrund. Anſtoß er⸗ regen würde es aber ſofort, wenn in unſern Tagen ein Dichter ein ähnliches Thema an den Aus⸗ gang der Freiheitskriege oder gar des letzten deutſch⸗franzöſiſchen Krieges verlegen wollte. Für Bürger freilich lag, von der Sage abgeſehen, der ſiebenjährige Krieg näher, zumal er noch in friſcher Erinnerung im Volke lebte.— Dagegen hat Schlegel unbedingt recht, wenn er unmittelbar darauf folgende Bemerkung macht:„Weniger ſchicklich iſt der Umſtand, daß Lenorens Geliebter zu einem preußiſchen Krieger gemacht wird; dieß führt auf ein proteſtantiſches Land als Scene, worin man durch die Aeußerung der Mutter, er könne wol in Ungarn ſeinen Glauben abgeſchworen haben, beſtärkt wird. Nach dem ganzen Geſpräch zwiſchen ihr und der Tochter hingegen fällt man eher darauf, ſie für katholiſch erzogen zu halten, was auch unſtreitig beſſer paßt. So viel ich weiß, iſt dieſe Mishelligkeit noch nicht bemerkt worden, ſie muß daher wol nicht ſehr auffallend ſein.“— Holtei iſt Bürgern hierin gefolgt und hat Lenore ſogar zur Tochter eines proteſtantiſchen Geiſtlichen gemacht.—
Wie großen Effect Bürger in der Lenore durch die Onomatopöie, d. i. die Anwendung ſolcher Wörter und Zuſammenſtellungen, die durch den bloßen Ton und Schall ſchon an ſich eine
4*)„Springt“ iſt gewiß die richtige Lesart für„ſpricht“, was allerdings bei Schlegel ſelbſt und in dem Abdruck in Bürgers ſämmtlichen Werken von 1844, IV. S. 417 teeht. jedoch als Sagfehler anzuſehen iſt, wie ſchon Pröhle richtig bemerkt hat.
**)„Die geſchichtlichen Angaben: „Er war mit König Friedrichs Macht Gezogen in die Prager Schlacht“; und dann: 35, „Der König und die Kaiſerin, Des langen Haders müde, Erweichten ihren harten Sinn 33 3 Und machten endlich Friede;“ könnten unbeſtimmt ſcheinen. Da Friedrich der Große im ſiebenjährigen Kriege mehrere mächtige Gegner hatte, und hier nur die Kaiſerin erwähnt wird, ſo möchte man an ſeine früheren Feldzüge gegen Maria Thereſia denken, wo auch Kriegsvorfälle bei Prag ſtattgefunden haben. Aber darauf paßt„der lange Hader“ nicht, auch war der Friede mit Rußland ſchon früher geſchloſſen, und mit der Prager Schlacht iſt ohne Zweifel die vom 6. Mai 1757 gemeint.“
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