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Adlers ſcheint uns jetzt zu klein zu ſein; daher wir Uns denn den eines Condors des Hains bei⸗ gelegt.“ Dazu bemerkt Voß:„Den Uebermut dieſes und des vorigen Briefes ſtrafte der Hainbund in einem ſtrengen Erlaß. Dagegen trotzte der Condor mit einer Verfügung, die ſo anfing:„Wir von und durch Uns ſelbſt Condor und Selbſtherrſcher aller Haine und alles Gefieders auf Erden u. ſ. w. entbieten denen Eulen, Rohrdommeln, Wiedehopfen und Rohrſperlingen des alten Gemäuers und Dorn⸗ und Schilfgeſträuchs zu Göttingen Unſere Condorliche Ungnade.“*)— Am 6. September bittet Bürger Boie nochmals um Geduld:„Ums Himmels willen, teurer Boie, warten Sie mit der Lenore noch bis auf den Donnerstag. Sie wird und wird gewiß fertig. Und ich hänge mich auf, wenn ſie nicht dießmal mitgedruckt wird. Nehmen Sie doch lieber einen Bogen mehr.“ Am 9. September iſt der Dichter ſo glücklich, die Vollendung ſeiner Ballade ankündigen zu können: „Hier iſt endlich Lenore!“ Doch behält er ſich noch Aenderungen im Dialoge vor, der ihm, wie er ſchreibt, ſehr ſchwer geworden und deſſen wegen er ſich freund⸗ ſchaftlichen Rat und Beurteilung erbittet. In einem ferneren Briefe vom 16. September beſpricht Bürger ſehr ausführlich einige Veränderungen und Vorſchläge dazu in ſeiner Lenore. Dieſe Beſprechungen, auf die wir ſelbſtredend hier nicht näher eingehen können, werden in dem folgenden Briefe vom 20. September fortgeſetzt, da Boie in einem Schreiben vom 18. d. M. das Reſultat der freundſchaftlichen Recenſion mitgeteilt und zugleich einige Vorſchläge zu Verbeſſerungen gemacht hatte. Sehr beruhigt ſchreibt Bürger vom 27. September:„Nun fange ich nach und nach an, für Lenorens Schickſal ruhig zu werden. Denn Griechen und Ungriechen bewundern ſie. Sie ſchweift jetzt ſchon auf dem Eichsfelde bei dem eichsfeldiſchen Adel umher. Ich recitirte ſie vorige Woche in Sennickerode und hatte das Vergnügen, daß jede Stelle, die ich bewundert haben wollte, ſchon beim Herſagen mit Verzuckung und applaudirendem Ausruf bemerkt wurde.— Mein Dichterruhm hat das ganze Eichsfeld bereits durchdrungen, und die dortigen Beamten, z. E. Herr von Z.,
fangen auch an, aus Eiferſucht Verſe zu machen, die aber kein Menſch bewundern will. Seht, Herr Boie, wie berühmt wir werden! Bürger.“
Althof ſchreibt mit Bezug auf die erſte nachhaltige Wirkung der Recitation der Lenore: „Dieſes ſo berühmt gewordene Gedicht äußerte ſeine volle Wirtung zuerſt in dem poetiſchen Zirkel zu Göttingen, dem nichts davon verraten worden war. Als es vorgeleſen wurde, und Bürger bei der Stelle:
„Raſch auf ein eiſern Gittertor,
2 Ging's mit verhängtem Zügel, Mit ſchwanker Gert' ein Schlag davor Zerſprengte Schloß und Riegel“
mit ſeiner Reitgerte an die Tür des Zimmers ſchlug, ſprang Friedrich Stolberg in vollem Schrecken auf.“
*) Vgl. dazu Adolf Strodtmann a. a. O. I. S. 136 und 137. Wenn der Hain an Bürger ſchrieb:„Ferner und zum 3. haſt Du deinen Gafſenhauer Eleonore nicht allein unſterblich geprieſen, ſondern denſelben ſogar über unſere göttlichen Geſänge zu erheben Dich türſtiglich vermeſſen“, ſo iſt es nicht zu verwundern, daß Bürger auf dieſes Compliment eben nicht höflich antwortet, ſondern das hochverräteriſche Schreiben durch des Büttels Hand an den „Schandpfahl nageln und verbrennen laſſen will.“


