Aufsatz 
Ueber den relativen Wert der homerischen Gleichnisse / von H. Frommann
Entstehung
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Schutz an dem gaſtlichen Herde, an den er ſich vertrauensvoll geflüchtet. Unter den Geſchäften des Frieden s nimmt bei Homer wie noch in unſerer Zeit die Jagd als Bild des Krieges eine bevorzugte Stellung ein; auch die Menſchen des homeriſchen Zeitalters hetzen ihre Hunde auf Haſen, Hirſche und Rehe und ſtellen Netze für die Droſſeln; öfter aber üben ſie die durch den heroiſchen Reiz der Gefahr geadelte Hochjagd auf Löwen, Eber und Panther; ſowie dem Percy, dem ritterlichen Gegner des engliſchen Königsſohnes wallte auch den Volksgenoſſen des Achilles und Hektor das Blut höher beim Löwenjagen als beim Haſenhetzen. Da Krieg der Inhalt der Haupthandlung des Heldenlieds iſt, ſo giebt er für Gleichniſſe ſelten den Stoff; nur die Feuerzeichen, welche eine bedrängte Inſelſtadt den Bundesgenaſſen an der Küſte aufſteigen läßt, der verwüſtende Brand der endlich eroberten Feſte, die im Schmerz über den Verluſt des Gatten kaum ge⸗ fühlte Mißhandlung der Wittwe, die dem Tod nur entgeht, um dem ſchlimmeren Los der Gefangenſchaft zu verfallen, dieſe wenigen, aber levendigen Bilder vervollſtändigen das große Schlachtgemälde des um Troja's Mauern brandenden Krieges.

Den teils kriegeriſchen, teils friedlichen Secenen des Menſchenleben's entſprechen in manchmal über⸗ raſchender Analogie zahlreiche Tierbilder. Wie dort die Mutter von ihrem Kinde die Fliegen ſcheucht, ſo verteidigt hier die Löwin mit zornig herabgezogener Stirnhaut ihre Jungen gegen zudringling nahende Menſchen, ſo umwandelt die Kuh mit zärtlicher Sorgfalt ihr erſtgebornes Kalb; ſo ſorgt unter eigner Entbehrung der Vogel für die Nahrung der Jungen; die von der Weide heimkehrenden Rinder werden von der wieder⸗ käuenden Jugend mit freudigen Sprüngen empfangen; mit fliegender Mähne und leicht ausgreifendem Schritt eilt das mutwillige Fohlen, nach dem es die Halfter zerriſſen, zum kühlenden Bade; majeſtätiſchen Gangs ſchreitet der Widder ſeinen weißwolligen Unterthanen zur Weide voran; damit auch dem Tierreich das Element der Kunſt nicht fehle, läßt aus dem Gebüſche die Nachtigall in bewegter Modulation ihre klagenden Weiſen ertönen. Häufiger als das Familienleben der Tiere wird uns ihr Kampf um's Daſein geſchildert; wie im Waſſer der Delphin das Recht des Stärkern gegen kleinere Fiſche geltend macht, ſo ſtoßen aus der Luft Adler und Falken auf Tauben, Gänſe oder Haſen herab, während im Waldesdunkel der Löwe das in ſein Lager verirrte Hirſchkalb würgt oder die erbeutete Ziege hochaufgerichteten Hauptes im Rachen davonträgt; rudelweiſe fallen gefräßige Schakale über den vom Jäger verwundeten Hirſch her; da erſcheint der Herrſcher der Tierwelt und jagt den feigen Räubern ihre Beute wieder ab; in gleicherem Kampfe ſtreitet der Löwe mit dem Eber, ſeinem ebenbürtigen Gegner um den Beſitz einer Quelle, indeß über ihnen zwei ſich umkreiſende Geier laut kreiſchend ihre Kräfte im Zweikampf meſſen.

Ein Bild unerſchütterlicher Feſtigkeit ſtreckt die königliche Eiche ihre Krone in den Aether, bis der zündende Blitz des Zeus herabzuckt, die Luft mit Schwefeldampf erfüllt, und zerknickt liegt zum Entſetzen des ſcheu vorübereilenden Wanderer's der ſtolze Baum mit kläglich aufgerichteten Wurzeln am Boden.

Auch der niedere Standort ſchützt nicht vor der Gewalt der Elemente; das muß der ſchmucke Oelbaum erfahren, deſſen blüthenbedeckte Zweige eben noch vom ſchmeichelnden Hauche ſanfter Winde ge⸗ ſchaukelt wurden; ein plötzlich ausbrechender Sturm wirft ihn nieder und reißt ihn heraus aus der Grube, in die ihn die ſorgſame Hand des Gärtner's eingelaſſen hatte. Und nicht nur einzelne Bäume oder Ge⸗ ſchöpfe werden von der Gewalt der Elemente vernichtet; wenn im Herbſt vom niederſtrömenden Regen die Gießbäche ſchwellen, ſtürzt das Waſſer unter betäubendem Getöſe über die Ebene; hie und da noch wird es von dem bewaldeten Hügel, der in das niedere Land ſich ſchützend vorſtreckt, gehemmt und abgelenkt; anderwärts aber bricht es mit unwiderſtehlicher Gewalt, die ſtärkſten Bäume mit ſich reißend, Dämme und Zäune zerſtörend, bis zum Meeresſtrande vor und ſchüttet den aufgewühlten Schlamm in die Salzflut. In unheimlicher Wallung wogt das den herannahenden Sturm ahnende Meer, ehe der losbrechende Windſtoß