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Gehen wir nun zum Treiben der Erwachſenen über, ſo entrollt ſich vor unſerem Auge eine reiche Füllee ernſter und heiterer Bilder. Hier ſehen wir den Hirten, der ſeine Scharen ordnet und die Wider⸗ ſpenſtigen mit weithingeſchleudertem Stecken zur Vernunft bringt, oder die Wolle der geſchorenen Schafe befriedigt in der Hand wiegt; ein Anderer ſieht mit Schrecken das drohende Unwetter heranziehn und eilt ſich und die Seinen in ſchützender Höhle zu bergen; oft auch ſtört ihn in ſeiner friedlichen Beſchäftigung inmitten ſeiner Pflegebefohlenen der Angriff eines Löwen, der das hinterſte Rind der Herde packt, ihm den Nacken zerbricht und das Blut ſchlürft; oder der Räuber ſetzt in mächtigem Sprung über die Mauer des Gehege's, und wehe dem Hirten, wenn ſein Geſchoß jenen traf ohne ihn toödlich zu verletzen, ängſtlich drängt ſich das Kleinvieh an einander, und auch der Wächter ſucht Deckung vor der Rache des verwundeten Wildes; ſelbſt in Verbindung mit ſeinen Genoſſen und den treuen Hunden gelingt es dem Hüter der Herde nur ſelten, durch Speerwürfe und entgegengehaltene Fackeln den kühnen Angreifer zu langſam widerwilligem Rückzug zu bewegen. Am Strande des Meeres ſenkt der Fiſcher die Schnur mit dem Horn in das Waſſer, ſchnellt die Gefangenen empor und füllt das Ufer mit den zappelnden Opfern ſeiner angelnden Thätigkeit; mit Gefahr ſeines Leben's ſucht der Taucher die Auſtern aus der Tiefe, um mit ihnen ſein kümmerliches Leben zu friſten; denn der homeriſche Menſch war noch zu naiv, als daß er jene Lieblinge eines civiliſirten Magens als Leckerbiſſen hätte betrachten können.
Einträchtig ziehn zwei Stiere den Pflug durch das Ackerfeld und freuen ſich mit ihrem Führer bei Sonnenuntergang auf das Abendbrot, die verdiente Belohnung des ſauren Tagewerk'; iſt die Zeit der Ernte gekommen, ſo ſinken die Halme reihenweis unter der Sichel der fleißigen Schnitter, und die dreſchen⸗ den Rinder werden über die Tenne getrieben. Vom Wald her tönt das Geräuſch der Holzhacker; Maul⸗ tiere ziehn die Balken aus dem Gebirge herab, damit ſie der Zimmermann mit Richtſchnur, Beil und Bohrer zurichte zum beweglichen Wohnhaus des unternehmenden Seefahrer’s; der Eiſenarbeiter kühlt das glühende Metall in ziſchendem Waſſer; ſorgfältig wägt die arme Taglöhnerin ihren Kunden die Wolle zu; der Gerber verarbeitet mit ſeinen Geſellen die harten Felle; die vor den Angriffen gieriger Fliegen glücklich gerettete Milch wird durch Feigenlab ſchneller zum Gerinnen gebracht; Feuer und Waſſer müſſen den Zwecken des Herrn der Schöpfung dienen; nach vollendetem Tagewerk erhält der einſam Wohnende, dem die Hülfe der Nachbarn fehlt, den belebenden Funken in der ſchützenden Umgebung des Aſchenhaufens; ſchlecht bewacht aber bricht er aus und findet im nahen Walde nur zu reichliche Nahrung; ſo entzieht ſich auch das zur Tränkung der Wieſen in Gräben abgeleitete Waſſer zuweilen der leitenden Hand des Menſchen und begräbt ihn in ſeinen rebelliſchen Fluten.
In der Werkſtatt der Künſtler werden ſilberne Gefäße mit goldener Verzierung verſehn oder pur⸗ purne Arabesken in elfenbeinerne Spangen gezogen zum Schmuck für den Pferdezaum des königlichen Gebieters.
Auch für die Erholung nach der Arbeit iſt geſorgt; an die Stelle des Kreiſels, den die Kinder trieben, iſt der Diskus getreten, an dem die Kraft des Jüngling's ſpielend ſich ſtählt; Andere ergötzen ſich am Anblick der Virtuoſität des Bereiters. Allen übrigen Künſten aber läuft den Rang ab die Kunſt des Sängers, der den Freuden des Mahls ihre geiſtige Weihe giebt, und für die Erzählung des von weiter Reiſe heimkehrenden Hausvaters oder des fremden Gaſtfreundes kennt man kein höheres Lob, als daß dieſelbe an Reiz vergleichbar ſei dem Liede des Dichters.
Aber auch im Frieden geht es nicht immer friedlich zu; das beweiſen die an der Grenze ihrer Beſitzungen den Maßſtab in der Hand hadernden Männer; ja zuweilen artet der Zank zu blutigen Thaten aus; doch ſelbſt der von Blutſchuld befleckte Mörder findet trotz des Grauen's, das ſein Anblick erregt,


