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verſchlucktes Geld(Piso, 90) oder eine Rede(Phil. V, 20) aus ihrem ungewaſchenen Munde ausgeſpieen hätten, oder ſelbſt von der Stadt ausgeſpieen worden ſeien, ſo befremdet uns in dieſem Zuſammenhang die Kraft des Ausdrucks weniger. Eigen⸗ thümlicher muthet es uns an, daß Plinius das Wort von der Mündung des ruhig fließenden Nil, Columella vom Boden braucht, der die Kräuter hervortreibt.
Auch das simplex Vomere bezieht Vergil Aen. IX. 349 unſchön auf die Seele, ähnlich Lukrez VI, 829 auf das Leben.
Das ſynonyme
. Eructare wendet Cicero(Catil. II, 10) tropiſch in den Worten an: Eructant caedem sermo- nibus, eine Stelle, die wir ihrer polemiſchen Tendenz wegen allenfalls wörtlich wie⸗ dergeben können: Sie ſpeien in ihren Reden Mord und Todtſchlag. Dagegen läßt ſich die genaue Uebertragung des Wortes
Exulcerare
in ſeinem tropiſchen Gebrauch, wo es mit den verſchiedenſten abſtrakten Objekten ver⸗ bunden erſcheint wie animus, dolor, gratia, res dem zarteren Gefühl des deutſchen Ohr's ſchlechterdings nicht zumuthen.
Ebenſo verſtößt Cicero nach unſeren heikleren Begriffen gegen den guten Ton
durch die Anwendung des Wortes
Nauscare im Zuſammenhang der Stelle: Quam bellum erat, Velleji, confiteri potius nes- cire, quod nescires, quam ista effutientem nauseare.(De nat. d. I, 84).
Schwarze Zähne(atri dentes) als Tropus boshafter Klatſchſucht, gereinigte Ohren(purgatae aures) als Perſonifikation geläuterten Geſchmacks erwecken in etwas geringerem, aber immer noch merkbarem Maaße den dégodùt unſeres empfindlicheren äſthetiſchen Gefühls. Auch das Einziehn des Weihrauchs durch die Naſenlöcher, wie es Horaz von der Venus beſchreibt, iſt zwar nicht geradezu unappetitlich, würde aber doch wohl ſchwerlich die Cenſur eines modernen Kunſtrichters paſſiren.
So werden auch die Verba odorari, olere, redolere, sapere viel ungenirter als unſere entſprechenden Ausdrücke zur Bezeichnung intellektueller Wahrnehmung ge⸗ braucht. Die Worte Ciceros: Odorer, quid sentiant werden wir ſchwerlich überſetzen können: Ich möchte wohl ausſchnüffeln, was ſie meinen. Dagegen folgende Phraſe deſſelben Autors: Mihi ex illius orationibus Athenae redolere videntur läßt ſich mit Beibehaltung des Bildes und blos grammatiſcher Umformung wiedergeben: Der klaſſiſche Duft Athens weht uns aus ſeinen Reden entgegen.
Dieſelbe Ungenirtheit des lateiniſchen Geſchmacks zeigt ſich auch darin, daß an unzähligen Stellen, wo die Innerlichkeit einer Empfindung ausgedrückt werden ſoll, ſtatt unſeres Herzens oder der Bruſt Eingeweide, Bauch und Knochen gebraucht werden z. B. S†Xsheöcuara tua mihi haerent in visceribus(Cic. ad XIV, 17). Traxit ex intimo ventre suspiria(Plant. Truc. II., 7, 41). Incendat reginam at-


