Aufsatz 
Bemerkungen zu einigen Reden des Isaios
Entstehung
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iſt es ſehr erklärlich, warum Iſaios davon nicht ſpricht. Dann iſt aber auch der ganze ausführliche Adoptionsbeweis von Anfang bis zu Ende eine Unwahrheit: ein Wageſtück, das man doch kaum einem Redner zutrauen dürfte; und in dieſem Falle hätten Phano⸗ ſtratos und ſeine Freunde den Rechtstitel der Adoption nur deshalb erſonnen, um ihre nächſten Verwandten, Chaireas Wittwe und ihre Kinder, des Erbtheils zu berauben.

Darnach müßten wir als Endreſultat dieſer Auseinanderſetzung auſſtellen: Da es gleich unwahrſcheinlich iſt, daß Chaireſtratos oder die Schweſtern und deren Söhne oder der Vater die Güter des Sohnes geerbt hat, ſo ſcheint bis jetzt immer noch die Annahme Schömanns am empfehlenswertheſten zu ſein: Philoktemon und Ergamenes haben gar keine eigenen Güter beſeſſen, ſondern jener hat zuſammen mit dem Vater das ungetheilte Haus⸗ vermögen verwaltet,²) ein Fall, der nach der Anſicht Schömann's**) durchaus nicht ſelten war. Wenn dann hier von Gütern und Erbſchaft des Philoktemon, dort beſonders aus⸗ führlich von ſolchen des Euktemon geſprochen wird, ſo richtet ſich dieſe Ausdrucksweiſe eben nach dem Standpunkt des Redners. Spricht er nämlich von dem Rechtsanſpruche des Chaireſtratos, wie im Eingange, oder will er den Androkles und Conſorten als ganz außerhalb der Familie ſtehend betrachtet wiſſen, ſo ſind es die Güter des Philoktemon in dem Sinne, daß dieſer das ganze Vermögen des Euktemon geerbt haben würde, durch ſeinen Tod aber der Rechtsanſpruch auf ſeinen Adoptivſohn übergegangen iſt. Erzählt er von Euktemon, von Alke und deren Kindern, von Androkles und deſſen Schlichen, ſo heißt es Euktemons Vermögen. Somit wären jene Ausdrücke nur verſchiedene Bezeichnungen für dieſelbe Sache und die Anſicht von Gans*) und Schömann vorzuziehen, daß es ſich hier trotz der Ueberſchrift und der oben erwähnten Stellen nur um das Vermögen des Euktemon handle.*) Wie ſich Platner den Unterſchied zwiſchen Euktemons und Philok temons Vermögen denkt und meint, der fragliche Proceß gelte nur dem Nachlaß des Philoktemon, iſt mir leider unklar, da der ſcharfſinnige und gründliche Kenner des attiſchen Rechts ſeine Anſicht nicht näher motivirt hat. Handelte es ſich um das Ver⸗ mögen des Philoktemon, ſo müßte dasſelbe doch in der Zeit zwiſchen Philottemons und Euktemons Tode oder unſerem Proceſſe irgend jemand beſeſſen oder gerichtlich beanſprucht haben. Wer die Rede vorurtheilsfrei lieſt und die zahlreichen, ſchon oben citirten§§., in denen das Vermögen des Euktemon bis in die Einzelheiten aufgezählt wird: was ver⸗ kauft wird, was nicht, welche Einkünfte der Alte hatte, was nach ſeinem Tode noch übrig war, und wie die Gegner auch dieſen Reſt noch unverſchämter Weiſe erhaſchen wollen, mit einander vergleicht, wird ſchwerlich zu dem Urtheil Platners gelangen. Und ſchließ⸗ lich könnte man noch fragen: Wer hat das Vermögen des Euktemon oder ſoll es haben, wenn Chaireſtratos und Androkles nur um das Philoktemoniſche ſtreiten?

²2²)§. 38. odrα ναυ oνοεαeνϑεᷣeο Erriuuer usrd rou véoe doriuoros, dots äua ze 1 utyiora uur Lrougyetr dνςortονs uνν τe deoxater undty æαενᷣ☛ τνν τε ττοσοι⁶ςσιων ενι n0ενν ff.

²³) Vgl. prooem. p. 322.

²⁴) Vgl. Gans, Erbrecht I. B. p. 368. Schömann, prooem. p. 320.

²⁵) Vgl. Platner, Proceß u. d. Klagen b. d. Att. Bd. II. S. 329 u. 330.