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Küchenabfälle) charakteriſirt. Das ſind Hügel, welche theils auf den Inſeln Dänemark's, theils auf dem däniſchen Feſtlande und in Holſtein vorkommen und wunderbarer Weiſe vorherrſchend aus Auſterſchalen und Schalen von anderen eßbaren Muſcheln(Cardium edule, Mytilus edulis, Litorina litorea) beſtanden. Glauben Sie nicht etwa, daß dieſe Hügel ſo unbedeutend ſind. Es kommen unter ihnen Hügel in der Höhe von 10 Fuß, in der Tiefe von 20, in der Länge von 100, 200, ſelbſt bis zu 1000 Fuß vor. Sie mögen daraus erkennen, welche Unmaſſe von Auſterſchalen dazu gehört, um ſolche Berge aufzuführen. Aber außer den Schalen eßbarer Muſcheln fand Steenſtrup, dem wir die Kennt⸗ niß der näheren Umſtände dieſer geologiſchen Bildungen verdanken, auch noch Ueberreſte von Krabben, ſehr viele vom Häringe, vom Stockfiſch, von der Scholle (Pleuronectes limanda) und auch vom Aale, ferner Aſche vom Seetang, welche ihres Reichthums an Mangan zu Folge von dem gewöhnlichen Gürteltang(Zos- tera marina) herzurühren ſcheint, als Beweis, daß man dazumal ſchon Soda gewann; denn Sie wiſſen ja, verehrte Anweſende, der Seetang iſt außerordentlich reich an kohlenſaurem Natron. Ferner fand man außer den Knochen des Auerhahns, auf den ich ſpäter zurückkommen werde, Knochen von wilden Enten und Gänſen, vom wilden Schwan und von dem großen Taucher(Alca impennis), welcher ſeit dem Jahre 1842 auf Island, ſeinem letzten Zufluchtsorte, ausgeſtorben iſt, Angelhaken der verſchiedenſten Art, Steinwaffen, zum Theil ſchon bedeutend vollkommener als die aus den älteſten Schwemmgebilden, und daneben, worauf Carl Vogt beſon⸗ deren Werth legt, Knochen eines Hundes und einen ziemlich wohlerhaltenen Schädel eines ſolchen, woraus zu ſchließen geweſen wäre, daß es ein ziemlich kleines Thier geweſen ſein müſſe, ohngefähr unſerem Wachtelhund gleichend, dem einſt dieſer Schädel angehörte. Vogt, als er Lappland und Finnland bereiſte, traf dort einen Rennthierhund von ähnlicher Größe und meinte, daß es mög⸗ licherweiſe ganz dieſelbe Race ſei, die durch die Knochen in jenen Abfällen vertreten iſt. Er konnte nicht genug rühmen, wie ein einziger Hund der Lappen im Stande ſei, eine Rennthierheerde von Tauſenden im Zaume zu halten. Trotzdem, daß man in den Küchenabfällen die Knochen des Rennthiers noch nicht fand, wohl aber die anderen Wiederkäuer, folgert hieraus C. Vogt, die Menſchen, von denen jene Küchen⸗ abfälle herrüͤhrten, wären nomadiſirende Rennthierzüchter geweſen, welche ihre, nur mit Hülfe des Rennthierhundes regierten Rennthierheerden zur Sommerzeit an die Küſte trieben, um ſich dort mit Fiſch⸗ und Auſterfang zu befaſſen.
Was nun die Knochen des Auerhahns betrifft, ſo ſind ſie namentlich von Steenſtrup benutzt worden, um das Alter der Kjökken⸗möddinger(Kü⸗ chenabfälle) nachzuweiſen. Der Auerhahn, der im Frühling balzt, genießt vor⸗ ſiglich um dieſe Zeit die Fichtenſproſſen, die, weil reich an ätheriſchem Oele, eine Zeugungsthätigkeit ganz beſonders anregen. Aber, geehrte Anweſende, die Fehrenfat und Eichenzeit iſt für Dänemark längſt vorüber, denn die herrlichen
olzbeſtände des alten Dänemark beſtehen ja faſt ausſchließlich aus Rothbuche, und wenn Sie bedenken, wie außerordentlich langſam ſich die Fauna und Flora einer Gegend, irgend eines Erddiſtriktes umändert, und daß die Römer, als ſie nach Dänemark kamen, bereits Buchenwälder fanden, ſo können Sie wohl an⸗ nährend ein Maaß gewinnen für jene Zeit, die verſtrichen, ſeitdem dieſe ſanitäts⸗ polizeiliche Vorſchrift von den Leuten nicht mehr befolgt wurde, alle ihre Küchen⸗ abfälle auf einen Haufen zu werfen. Denn daß es ſich um eine ſanitätspolizei⸗ liche Vorſchrift handelt, geht aus der Regelmäßigkeit dieſer Abfallhaufen hervor.


