fueßen in ihren primitivſten Gebilden in einander über*). Die Urzelle, der Ur⸗ chleim**) kommen ſo zu ihrem Recht und erfahren in dem entdeckten„Morgen⸗ röthen⸗Thier“***) der Schöpfung ihre Würdigung in Darwin'ſchem Sinne. Aus welchen Prämiſſen will man doch eigentlich die Verurtheilung Dar⸗ win'ſcher Inductionsſchlüſſe und der darauf ſich gründenden Schöpfungstheorie herleiten? Wer iſt im Beſitz der adäquaten Naturerkenntniß und durch dieſelbe befugt, ein apodictiſches, oder auch nur kategoriſches, Urtheil dem problematiſchen entgegenzuſetzen? Denn ein anderes kennt die ächte Naturforſchung nicht, wo es ſich um das Begreifen der Natur⸗Wirkungen handelt, und in dieſer ÜUrtheilsform liegt der lebendige Impuls ihres Fortſchrittes?— Und doch geſchieht es. Im Namen der geoffenbarten chriſtlichen Religion geſchieht es. Und daher entſpringt in nicht wenig Fällen die unverſöhnliche Gegnerſchaft zwiſchen den„Chriſten“ und den „Naturforſchern“. Stehen denn wirklich Chriſtenthum und Darwinismus im Gegen⸗ ſatz zu einander? Hat eine, durch Schöpfers⸗Allmacht fertig hingeſtellte, gleichſam aus der Piſtole geſchoſſene, Welt den Vorzug gegenüber einem, aus unendlichen Keim⸗ kräften der Schöpfungs⸗Saat entwickelten Natur-Organismus? Hat der Moſaiſche Schöpfungs-Bericht oder aber haben die, dem Begriffsvermögen zugänglicheren, Beobachtungsreihen der Naturforſchung eine Wechſelbeziehung zu dem Erkenntniß⸗ trieb des denkenden Geiſtes? Iſt nicht vielmehr die moderne Entwicklungs⸗Theorie allein auch im Einklang mit der dem Lebens-Begriff innewohnenden Entfaltungs⸗ und Differenzirungs⸗Kraft, deren Wirkungen auf materiellem wie geiſtigem Gebiet unausgeſetzt den Inhalt unſerer Erfahrung bereichern?— †) Man darf ſich wohl
*) ef. Perty, Ueber die Grenzen der ſichtbaren Schöpfung(Virchow und Holtzen⸗ dorff, Sammlung ꝛc.)
*) Ueber die Verbreitung deſſelben in den Meerestiefen werden, nach den neueren Unter⸗ ſuchungen des Meergrundes Angaben gemacht von: Möbius, bezüglich der Oſtſee(im Bericht der Naturforſcherverſammlung 1870) und Huxley, bezüglich des Atlantiſchen Oceans(Huxley a. a. O.)
**n)„Wenn meine Theorie richtig“, ſagte Darwin,„ſo mußten unbeſtreitbar ſchon vor der Ablagerung der älteſten Siluriſchen Schichten ebenſo lange oder längere Zeiträume wie nachher verfloſſen und mußte die ganze Erdoberfläche während dieſer ganz unbekannten Zeiträume von lebenden Geſchöpfen bewohnt geweſen ſein.“ Mit dieſen Worten gibt Darwin einem Inductions⸗ Schluß Ausdruck, deſſen Richtigkeit in der fraglichen Entdeckung verſteinerter Vorweſen aus dem Urthier⸗Kreiſe in den bis dahin für verſteinerungsleer gehaltenen„Unter⸗Siluriſchen“ Schichten beſtätigt wird. Das„Eozoon canadense“ iſt in der coloſſalen Form eines Foraminiferen⸗Ge⸗ häuſes bekannt geworden und bildet in maſſenhaftem Vorkommen die Hauptmaſſe der bezeichneten Geſtein⸗Schichten in gewiſſen Gegenden Nord⸗Amerika's. Auch in den correſpondirenden Schichten Bayern's und Böhmen's hat man es aufgefunden.
†) Man darf den Vergleich wagen und in dem, aus elementaren Keimkräften entwickelten, Leben der Cultur⸗Völker das Analogon der Wachsthums⸗ und Entfaltungs⸗Proceſſe der Pflanzen⸗ Embryonalzelle erkennen. Geſchieht es, daß dem Protoplasma⸗Subſtrat der Geſtaltungstrieb bei⸗ wohnt, den Palmbaum„werden“ zu laſſen, ſo beherrſcht in gleichem Maaße ein höheres Bildungs⸗ Princip die materielle Folie der menſchlichen Seele. Das der materiell⸗organiſchen Natur⸗Ent⸗ wicklung erſchloſſene Auge kann nicht zurückſchrecken vor dem„Gedanken“ es„könne“ aus der Kraft⸗ und Geſtaltungsquelle eines Urſchleimes, Pflanze, Thier und Menſch ſich ableiten laſſen, inſofern dieſe Lebeweſen, als entfaltete Urkeime, nach einander, die Idee ihrer Weſenheit materiell verkörperten und darſtellten. Hier verknüpft ſich innigſt die moderne Transmutations⸗Theorie mit den Grund⸗ lagen der Philoſophie des Ariſtoteles, insbeſondere mit deſſen Unterſuchungen über die vier Urſachen, ſowie ſeinem„Entelechie“⸗(Zweck⸗Verwirklichungs⸗) Begriff. Ob nun ein primitivſter Urkeim jener ſecundären Typenkeime der organiſchen Lebewelt autefant wird im Sinne phyſikaliſch⸗chemiſcher Atomiſtik, oder teleologiſcher Naturphiloſophie, oder ob die naive Vorſtellung eines„plötz lich erſcheinenlaſſenden“,„formenden“ und„Geiſt einblaſenden“ Schöpfers das„Wunder“ zur Baſis des Werdens macht, es enthalten gleichwohl alle ſolche Bemühungen einer geiſtigen Erfaſſung dieſer Welt und das Trachten nach einem Verſtändniß derſelben, die gemeinſame Anerkennung der, Grenzen


