Aufsatz 
Die Sorge des Fürsten Georg Friedrich zu Waldeck und Pyrmont um die Sicherung des territorialen Bestandes der Waldeckischen Besitzungen / vom Rud. Flade
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strumento Meldung zu thun, da weniger nicht ſollen ſie unter der gemeinen Regul der Amnestiae mit begriffen ſein, und in Beſitz(jedoch der Churfürſtl. Durchlauchtigkeit zu Cölln, als Biſchofen zu Paderborn und dero Stift, an ibren Rechten, ſolches an Ort und Enden, wo ſichs gehöret, anzuführen, unnachtheilig) bis zu rechtlicher Er⸗ örterung des possessorii gelaſſen, und darin de facto nicht angefochten werden, inmaßen ſolches alles in denen Königlichen Schwediſchen und Reichsprotocollis alſo verwahrt und aus denſelben beeden Theilen zu beßerer ihrer Nachricht mitgetheilet worden.

Schloß Pyrmont blieb indeſſen noch von den Schweden beſetzt. Da erfuhr Georg Friedrich, daß die Paderborner in heimlichen Unterhandlungen dahin ſtrebten, daß Pyrmont zunächſt ihnen von den Schweden übergeben werden ſollte, da die Schweden es ihnen zuletzt 1646 abgenommen hätten. Wäre das geſchehen, ſo wäre Pyrmont ſicher nie wieder in Waldeckiſche Hände gekommen. Georg Friedrich reiſte daher im Spätherbſt 1649durch die wegen der graſſirenden peſt und wegen der Räuber unſiche⸗ ren päſſe im größeſten Schnee und Kälte nach Prag, wo er denn auch von dem ſchwediſchen Gene⸗ raliſſimus, ſeinem Freunde, dem Pfalzgrafen Karl Guſtav, den Befehl an Graf Königsmark auswirkte, den Grafen von Waldeck das Haus Pyrmont einzuräumen und ſie bei der Beſitznahme in allen Dingen zu unterſtützen.¹) In demſelben Jahre war er ſchon wegen der Düdinghäuſer Sache in Nürnberg ge⸗ weſen, 1650 reiſte er nach Würzburg, um mit Kurmainz, und nochmals nach Nürnberg, um abermals mit dem Pfalzgraf Karl Guſtav zu verhandeln, bis das Ziel endlich ſoweit erreicht war, daß Pyrmont in thatſächlichen Waldeckiſchen Beſitz kam.

Nun erſt konnten die ſpeziellen Unterhandlungen mit Paderborn zur endlichen Entſcheidung des ſeit 1584 ſchwebenden Streites um Pyrmont beginnen. In dieſer Zeit ſcheinen im Schooße der Familie mancherlei Pläne und Vorſchläge in Betreff der Grafſchaft gemacht worden zu ſein. In den Briefen Georg Friedrichs an Vietor iſt von einem Verkauf der Grafſchaft die Rede. So ſchreibt er am 6. Dezb. 1649:

Pyrmondt betreffendt, ſo werde dahin ſehen, daß die expedition der Cittation durch die Waldeckiſchen geſchehe;

ſonſten den Kauff betreffendt, ſo begehr ich euren Bericht, ob etwas davon zu hoffen oder ob die Gefahr größer

als die Hoffnung, auch wenn mit 30000 Rthlr. die Graffſchafft an uns bringen könnte, ob ſolches rahtſam. Dagegen den 31. Jan. 1650:Mitt Pyrmontiſchen Verkauf iſt es windt. Die Verhandlungen wurden in Lüde begonnen, die Hofräte Dr. Speirmann und Waldſchmidt führten ſie auf Waldeckiſcher Seite. Aber ſie wurden von Paderborniſcher Seite immer weiter hinausgezogen, während Georg Friedrich drängte. Sogar von Paris aus, wohin er im Oktober 1663 gereiſt war und wo er mit ſo großer Auszeichnung aufgenommen wurde, daß er ſelbſt ſchreibt: Mir geſchieht allhier ſo große Ehre vom König und allen vornehmbſten des Hoffes, das ich uicht genug rüh⸗ men kann, ſogar von dort aus ſchreibt er an Vietor nach ſeiner Ankunft daſelbſt am 8. Oktober: Ich bin Gottlob hier angelangt, werde midt nächſten, wie ſich anlaſſen wird, berichten. Unterdes vigiliret in unſern Sachen. Midt Paderborn ſehet in conferentz zu kommen, denn es iſt nöthig ꝛc.

Endlich im Jahre 1668 war man zum Ende gekommen, am 14. März dieſes Jahres wurde der Vergleich endgültig abgeſchloſſen. Man ſieht dieſem weitläufigten und in faſt unverſtändlichem Curialſtil geſchriebenen Vertrag an, daß ihm langwierige und umſtändliche Verhandlungen voraus gegangen ſein

müſſen. Seine Hauptbeſtimmungen lauten: Erſtlich, nachdem wegen des Amt Lügde Territorial-Hoch⸗ und Bottmäſſigkeit, ob die für Paderborniſch oder aber Pyrmontiſch zu halten, ungleiche Meinung entſtanden; daß dann vor Hochgemelte Herren Graffen zu Waldeck ſämtliches ſolches Amt nunmehro Hochgedachten Ihrer Hochfürſtl. Gnaden zu Paderborn, und dero Kirchen mit aller dero Territorial-Landes⸗Herrlichen Superiorität, Hoch⸗ und Botmäſſigkeit, Gericht und Gogericht, Civil- und Crimiminal-Geiſt⸗ und Weltlicher Jurisdiction in und auſſer Lügde.... ewig und unwiederruflich alſo und der geſtalt hiemit gelaſſen und abgeſtanden haben, daß ſolches alles hinkünftig ohne weiteres movirenden Zweiffel oder Streit, Paderborniſch ſein und bleiben ſoll.Was nun zum Vierten dieſſeits jetzt verabredeter Gräntze nacher Lügde zu liegt, und wohin die Seite der Gräntz⸗Steine mit dem Paderborniſchen Kreutz weiſet, das alles

) v. Rauchbar S. 14.