Aufsatz 
Die Sorge des Fürsten Georg Friedrich zu Waldeck und Pyrmont um die Sicherung des territorialen Bestandes der Waldeckischen Besitzungen / vom Rud. Flade
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ſeinen Lebzeiten 1625 Pyrmont an die Waldeckiſchen Grafen. Philipp Ernſt ſtarb im Jahre 1631 als der Letzte ſeines Stammes.

Aber von nun an beginnt eine wahre Leidensgeſchichte für Pyrmont, denn der 30jährige Krieg war ſchon hereingebrochen. 1) Im Jahre 1629, nachdem der Kaiſer Ferdinand II. das berüchtigte Reſti⸗ tutionsedikt erlaſſen hatte, brach derſelbe Erzbiſchof Ferdinand von Köln, der auch die Herrſchaft Düding⸗ hauſen und die Grund Aſtinghauſen überfiel, und der zu gleicher Zeit Biſchof von Paderborn war, mit übermacht in die Grafſchaft ein, indem er auch hier Pyrmont für ein an Paderborn heimgefallenes Lehen erklärte im Widerſpruch mit allen früheren Verträgen und Abmachungen. Auch hier wurden die evangeliſchen Prediger verjagt, das Volk zum üÜbertritt zur katholiſchen Lehre gezwungen, das ganze Land ſchrecklich verwüſtet und Schloß Pyrmont ſo hart 10 Monate lang belagert, daß der Kommandant es am 20. Auguſt 1630 übergeben mußte. Die Waldeckiſchen Grafen hatten, da ſie zu erfolgreichem Wider⸗ ſtande zu ſchwach waren, alles Mögliche gethan, den drohenden Verluſt der ganzen Grafſchaft abzuwen⸗ den. Sie hatten beim Reichskammergericht geklagt und hatten auch ein Mandat erlangt, das dem Erz⸗ biſchof Ferdinand anbefahl, aus Pyrmont zu weichen, doch dieſer kümmerte ſich nicht darum. Graf Wolrad reiſte im Sommer 1630 zum König Guſtav Adolf von Schweden nach Stralſund und erhielt von demſelben die Zuſage, daß er ihm in ſeiner gerechten Sache gern zu Hülfe kommen wolle, und nach Guſtav Adolfs Tode wiederholte der ſchwediſche Kanzler Oxenſtierna das Verſprechen. Dieſer gab denn auch dem Herzog Georg zu Braunſchweig⸗Lüneburg, welcher in ſchwediſchen Dienſten ſtand, als Kreisoberſten des niederſächſiſchen Kreiſes den Befehl, die Grafſchaft Pyrmont, ſobald ſie aus des Fein⸗ des Händen geriſſen wäre, dem Haus Waldeck wieder zu überliefern. Dies geſchah im Jahre 1633. Aber die Paderborner ruhten nicht. Sie ſteckten ſich hinter den in der Nähe ſtehenden kaiſerlichen General Graf Göz, der den Herzog von Braunſchweig 1636 überredete, ihm die Beſetzung des Schloſſes zu über⸗ laſſen. Die Waldecker Grafen waren damit einverſtanden geweſen in der Hoffnung, daß ihnen ihre Rechte ungekränkt gelaſſen und die Ausübung des evangeliſchen Glaubens ungeſtört bleiben werde. Doch kaum waren die Kaiſerlichen in Pyrmont eingezogen, als das alte Spiel von neuem begann. Alle evangeliſchen Geiſtlichen und alle Waldeckiſchen Beamten wurden verjagt und Paderborniſche Leute ein⸗ geſtellt; ja ſogar der junge Graf Johann, welchen ſein Vater Graf Chriſtian nach Pyrmont geſchickt hatte, da in Waldeck die Peſt herrſchte, wurde aus der Grafſchaft entfernt. Klagen der Grafen von Waldeck bei dem Kaiſer und bei dem Collegialtag in Regensburg waren vergebens. Dieſer Zuſtand dauerte bis 1646. In dieſem Jahr aber nahm der ſchwediſche General Graf Königsmark das Schloß Pyrmont ein und die Grafſchaft wurde von dieſem an Waldeck zurückgegeben, doch blieb ſchwediſche Beſatzung im Schloſſe liegen. Bald wurden auch die Friedensverhandlungen in Münſter und Osnabrück ernſtlicher betrieben und nun begannen die Sorgen und Mühen Georg Friedrichs, um bei denſelben neben den übrigen angefochtenen Gebietsteilen auch Pyrmont für Waldeck zu behaupten, denn Paderborn, unterſtützt von den katholiſchen Ständen, machte alle möglichen Anſtrengungen, ſich Pyrmont anzueignen. In der That wurden auch die Waldeckiſchen Anſprüche in den Friedensvertrag nicht mit aufgenommen, Georg Friedrich erreichte aber wenigſtens ſo viel, daß dieſelben anerkannt, und ihm am 8. Oktober 1648 eine Beſcheinigung darüber vom Reichsdirektorium ausgeſtellt wurde. Dieſe lautet in ihrem Hauptteile:

Demnach bey Abhandlung des puncti Amnestiae unter denen Oßnabrüggiſchen Friedens⸗Tractaten ſich die Herren Grafen zu Waldeck wegen des Hauſes und Herrſchaft Pyrmont angemeldet und begehret haben, ſinte⸗ mahlen Sie derſelbigen im Jahr 1630 mit gewehrter Hand entſetzet worden, ſie in Kraft der bewilligten Uni- versal-Amnestiae in den Stand, darin ſie ante destitutionem geweſen, zu restituiren und deswegen in in⸗

strumento pacis namentliche Verſehung thun. Weilen aber gemelte Herren Grafen unter währenden Tractaten zum Beſitz wieder gelanget, und jetzo darinnen befindlich ſeynd; ſo iſt unnöthig gehalten, derentwegen im in-

1) Prasser, Chronicon waldecc. in vita Wolradi IV. v. Rauchbar S. 13.