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nachgiebigerer Natur geweſen zu ſein, und daß Waldeck wenigſtens etwas aus dieſem Anſturm gegen ſein wohlbegründetes Recht rettete, da Alles gegen das übermächtige Köln mit ſeiner Rückſichtsloſigkeit zu behaupten nicht möglich war.
Erfreulicher war das Ergebnis der Unterhandlungen mit dem Bistum Paderborn wegen der Grafſchaft Pyrmont. ¹)
Alte Familienerinnerungen wieſen die waldeckiſchen Grafen auf dieſe Gegenden hin. Denn Volkwin, der älteſte Sohn Witekinds, des erſten, welcher ſich Graf von Schwalenberg nannte und in deſſen Gebiet auch Pyrmont lag, hatte das Schloß Waldeck an der Eder erworben und wurde der Stammvater der Waldeckiſchen Linie aus dem Schwalenbergiſchen Hauſe. Er ſtarb 1178.²) Sein älteſter Sohn Widekind führte zuerſt den Namen Waldeck, weil er in dem Schloſſe Waldeck an der Eder ſeinen Wohnſitz ge⸗ nommen hatte.
Die Geſchichte der Grafſchaft Pyrmont war, ehe ſie für immer an das Haus Waldeck kam, ſehr wechſelreich. Der zweite Sohn des erſten Grafen von Schwalenberg, gleichfalls Witekind geheißen, ſetzte die Linien der Grafen von Pyrmont und Schwalenberg⸗Sternberg fort. Dieſer Zweig ſtarb mit Graf Heinrich von Schwalenberg um die Mitte des 14. Jahrh. aus und die Grafſchaft Schwalenberg fiel zum größeren Teil an die Herren von der Lippe, zum kleineren an den Biſchof von Paderborn.²) In Pyr⸗ mont hielt ſich noch eine Linie, welche aber auch mit Graf Moritz im Jahre 1494 im Mannesſtamm ausſtarb. Der Graf Moritz hatte jedoch noch zwei Schweſtern, von denen die eine Äbtiſſin des Kloſters Herſe war, die andere, Urſula mit Namen, auch ſchon verſtorben war, aber von ihrem ebenfalls ver⸗ ſtorbenen Gemahl, Graf Johann von Spiegelberg, zwei Söhne, Friedrich und Moritz, hinterließ. Für dieſe noch minderjährigen Knaben ergriff ihr Oheim, Graf Gebhard zu Mannsfeld, von der Grafſchaft Pyrmont als einer allodialen Reichsgrafſchaft Beſitz. Nur einige Stücke, das alte Schloß Schellen⸗ Pyrmont, Oſtorf, Löwenhauſen und das Amt Lüde ſtand unter Kur⸗Kölniſchem, ſpäter unter Pader⸗ borniſchem Lehn. Trotzdem machte Biſchof Simon III. von Paderborn, ein geborner Graf zur Lippe, da er die Grafſchaft Pyrmont gern ſeinem Hauſe zuwenden wollte, Anſpruch auf die Lehnshoheit über die ganze Grafſchaft, konnte aber damit nicht durchkommen, da die Brüder von dem Erzbiſchof von Köln kräftig unterſtützt wurden. Als aber nach dem im Jahre 1525 erfolgten Tode des jüngeren Bruders Moritz der Biſchof von Paderborn von neuem Anſprüche erhob, kam es zu Höxter 1525 zu einem Vergleich, nach welchem Graf Friedrich von Spiegelberg die ganze Grafſchaft Pyrmont dem Biſchof von Paderborn zum Lehen auftragen und ſogleich wieder empfangen ſollte, jedoch mit dem Vorbehalt von Pyrmontiſcher Seite, daß, wenn kein männlicher Erbe des Geſchlechts mehr da wäre, das Erbe auf die Töchter und deren Erben übergehen ſollte. Graf Friedrich ſtarb 1539 und hinterließ 4 Kinder, drei Töchter Maria, Urſula und Walpurgis, und einen Sohn Philipp. Philipp wurde gemäß dem Hörter⸗ ſchen Vertrag, nachdem er mündig geworden war, 1548 vom Biſchof von Paderborn mit Pyrmont belehnt und verglich ſich mit ſeinen Schweſtern, nach demſelben Vertrag und in Uebereinſtimmung mit dem Biſchof dahin, daß ihnen, wenn er ohne Leibeserben ſtürbe, die Grafſchaft zufallen ſolle. Unglück⸗ licher Weiſe fiel Graf Philipp am 10. Auguſt 1557 in der Schlacht bei St. Quentin, und ſo ging die Grafſchaft Pyrmont auf die drei Schweſtern über. Von dieſen war die älteſte, Maria, Übtiſſin zu Eſſen. Sie verzichtete auf ihr Teil zu Gunſten ihrer Schweſtern, von denen Walpurgis mit dem Grafen Georg von Gleichen und Tonna, Urſula mit Graf Hermann Simon zur Lippe vermählt war. Dieſe verglichen ſich nun wieder untereinander dahin, daß, weil der älteſten die Grafſchaft Pyrmont zu abgelegen war,
¹) v. Klettenberg, Waldeckiſcher Helden⸗ und Regenten⸗Saal. Kap. X. ²) Varnhagen, Grundlage der Waldeckiſchen Landes⸗ und Regentengeſchichte. I. S. 249. 3) Varnhagen I, S. 470.


