Aufsatz 
Die Sorge des Fürsten Georg Friedrich zu Waldeck und Pyrmont um die Sicherung des territorialen Bestandes der Waldeckischen Besitzungen / vom Rud. Flade
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Die letzteren forderten den Wald, als ſie ſich 1548 mit Kölniſcher Hülfe in Beſitz der Herrſchaft Düding⸗ hauſen geſetzt hatten, unter der Behauptung, daß derſelbe von dem Kloſter Glindfeld an die Herrſchaft Düdinghauſen verpfändet ſei, wogegen Graf Wolrad einwendete, daß derſelbe zu ſeinem Amte Eiſenberg gehöre. In der darüber entſtandenen Fehde plünderten die Herren von Büren am 16. Aug. 1549 das Waldeckiſche Dorf Uſſeln und führten das ſämtliche Vieh der Bewohner als Pfand weg. Auf die Klage darüber beim Reichs⸗Kammergericht wurden die Herren von Büren zu einer Geldſtrafe von 40 Mark löthigen Goldes verurteilt. Der Wald blieb in ungeſtörtem Waldecliſchen Beſitz, bis die Mönche von Glindfeld, auf ihr altes Beſitzrecht fußend, im Jahre 1629 unter dem Schutze des Erzbiſchofs Ferdinand von Köln ſich des Waldes wieder bemächtigten. Das Reichs⸗Kammergericht entſchied zwar gegen das Kloſter auf Herausgabe des Waldes, aber die Mönche thaten es nicht. Die ſchon oben erwähnte kaiſer⸗ liche Commiſſion in Sachen der Herrſchaft Düdinghauſen, welche auf dem Convent in Nürnberg 1650 gewählt war, beſtehend aus den Delegierten von Kur⸗Mainz und Heſſen⸗Darmſtadt, Heinrich von Grieß⸗ heim und Dr. Tulſner, ſprach ebenfalls den Wald den Grafen von Waldeck zu. Auch dieſem Schiedsſpruch wurde keine Folge geleiſtet, bis endlich der Vertrag von 1663 den alten Hagen den Grafen von Waldeck gegen Zahlung von 600 Rthlr. an das Kloſter Glindfeld zuſchrieb. Der betreffende Artikel lautet: Es iſt verabſcheidet, daß der alte Hagen, was deſſen in Waldeckiſcher Hoheit, mit allen ſeinen pertinentien ſich befindet, Waldeckiſch verbleiben, hingegen den Conventualen zu Glindfeld, was über den jetzigen Grentzen in Cöllniſcher Hoheit von den Gaugrebiſchen Grentzen an, in allem ſich befindet, auch eigenthümlich ſein, ſo wenig

aber des Kloſters Glindfeldiſche als Waldeckiſche über die Grentz⸗Steine mit der Hude kommen ſollen, und haben bierüber die Herren Grafen den Conventualen Sechs Hundert Rthl. zu geben verſprochen.

Endlich war noch in Betreff des Watterberges, welcher zwiſchen Giershagen und Adorf liegt, und wo Eiſengruben in Betrieb waren, Beſtimmung zu treffen. Derſelbe wurde gleichfalls von beiden Seiten in Anſpruch genommen. Es wurde ausgemacht, daß derſelbeüber zwerch geteilt werden und die Grenze in der Mitte über ihn hinweg geführt werden ſollte, daß alſo die eine Hälfte Kölniſch, die andere Waldeckiſch ſein ſollte. Ferner wurden alle Hude⸗, Jagd⸗ und Fiſchereigerechtigkeiten an der Grenzlinie genau feſtgeſetzt und die Grenzlinie ſelbſt durch geſetzte Steine, wie ſie heute noch ſtehen, feſt⸗ gelegt. Der Vertrag ſchließt mit den Worten:

Und ſeynd hiermit einmal für alle, die bisherige Irrſalen zwiſchen dem Churfürſtenthum Cölln und Graffſchafft

Waldeck, ſie mögen einen Namen haben, wie ſie wollen, ohne Unterſcheid, ewig und unwiderruflich abgethan und

getödtet, auch alle vorige Vergleich und Receſſen aufgehebt und vernichtigt: Hingegen dieſer gegenwärtiger in

allen Begebenheiten für die einzige Richtſchnur der Entſcheidung ſeyn, darauf auch von allen Gerichten, wohin es gelangen kann, erkannt, geurtheilt, und veſt gehalten werden ſoll.

So war endlich ein Streit, der über 100 Jahre auf das hartnäckigſte geführt war, beigelegÄt. Wenn wir den Verlauf desſelben überſchauen, ſo ſehen wir, ſoweit Kur⸗Köln dabei beteiligt war, wie in dem⸗ ſelben der Religionseifer des katholiſchen Köln gegen das proteſtantiſche Waldeck eine große Rolle ſpielt, wie offenbar das Beſtreben der übermächtigen Erzbiſchöfe, Adolfs, während des Abſchluſſes der deutſchen Reformationsbewegung, und Ferdinands, während und kurz nach dem 30jährigen Krieg, bei ihrem rück⸗ ſichtsloſen Vorgehen gegen die an äußeren Machtmitteln ihnen weit nachſtehenden Grafen von Waldeck weniger dahin ging, das weltliche Gebiet ihres Erzbistums zu vergrößern, als dahin, dem evangeliſchen Glauben, wo ſie nur konnten, Abbruch zu thun, denn alle drei Herrſchaften Düdinghauſen, Aſtinghauſen und Canſtein waren gut proteſtantiſch geworden. Wir haben hier ein belehrendes Beiſpiel von der Methode und dem Erfolge der katholiſchen Gegenreformation. Die Waldeckiſchen Grafen mußten um ihres Glaubens willen auf immerhin nicht unbedeutende Beſitzteile verzichten. Unſtreitig aber war es das Verdienſt der Standhaftigkeit Georg Friedrichs, daß dieſer Vertrag überhaupt zu Stande kam, denn die Wildunger Vettern ſcheinen nach einzelnen Andeutungen in den Briefen Georg Friedrichs an Vietor