Aufsatz 
Die Sorge des Fürsten Georg Friedrich zu Waldeck und Pyrmont um die Sicherung des territorialen Bestandes der Waldeckischen Besitzungen / vom Rud. Flade
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Von dieſem kaufte das Kloſter Aroldeſſen den halben Zehnten zu Thorlere und Graf Adolf von Waldeck beſtätigte dies am Pfingſtmontag 1244.

Notum sit omnibus, quibus hunc tenorem videre contigerit, quod, interventu precum praepositi Bertoldi totiusque conventus, dimidietatem decimae in thorlere collocate, quam dietus Bertoldus pro XXVI marcis emens comparavit a domino Lothewico cum uxoris suae, filiorum filiarumque consensu, Aroldensi ecclesiae summa benignitati perpetuo ac inconcusse possidendum protestamur porrexisse etc. ¹)

Zwei Jahre darauf giebt derſelbe Graf Adolf dem Kloſter Aroldeſſen Verſicherung über die von Herrn Lud⸗

wig von Friedehardeſſen erkauften halben Zehnten zu Dorlere, den Herr Albert von Luterſen eingelöſt hatte: .... ergo notum facimus vobis, quod aroldensis ecclesia comparavit medietatem decimae in durlera domino lodewico de friedehardessen, cum consensu filiorum et filiarum ipsius pro triginta marcis et una, quam redemerat dominus albertus de lutersen etc. ²)

Auch ſpäter noch übten die Grafen von Waldeck mehrfach ihre Lehnshoheit aus. Im Jahre 1347 be⸗ lehnte Graf Otto IV. Raban den Alten, Herbold und Raban den Jüngeren von Papenheim mit dem halben Teil des Hauſes zum Canſtein und dieſe gelobten der Grafen von Waldeck Erb⸗Mannen zu ſein, und 1454 empfing wieder ein Raban von Canſtein die Herrſchaft zum Lehn. Ebenſo wurden die Herren von Canſtein ſtets zum Waldeckiſchen Adel gerechnet und beſuchten die Waldeckiſchen Landtage mit anderen Landſaſſen, wie auch Waldeck die kaiſerlichen Reichs⸗ und Kreisſteuern in der Herrſchaft erhob. Um allerlei entſtandene Streitigkeiten beizulegen, wurde im Jahre 1590 zwiſchen Graf Franz zu Waldeck und Mordians von Canſtein nachgelaſſenen Söhnen ein Vergleich abgeſchloſſen, daß Waldeck ſie und ihre Manns⸗Leibeserben mit dem Hof Dorla, dem Dorfe Leitmar und der Mark Dedinghauſen inveſtieren wolle. Mittlerweile hatte aber auch hier wieder der Erzbiſchof Adolf von Köln Anſprüche auf die Ober⸗ lehnshoheit erhoben und ſich der Herrſchaft bemächtigt. Langwierige Proceſſe beim Reichskammergericht kamen nicht zum Ziele und ſo zog ſich der Streit unentſchieden hin. Endlich wurde dieſe Sache in Verbindung mit den anderen Streitfragen zwiſchen Waldeck und Kur⸗Köln in dem Hauptvertrag von 1663 verglichen, indem die Waldeckiſchen Grafen auf ihre Anſprüche auf die Herrſchaft Canſtein verzich⸗ teten gegen Nachlaß der Anſprüche Kur⸗Kölns auf Goddelsheim, Münden und Neukirchen.

Auch auf die Dörfer Goddelsheim,) Münden und Neukirchen machte nämlich Kurfürſt Adolf von Köln im Jahre 1547 Anſpruch unter dem Vorgeben, daß ſie zu der Kur⸗Kölniſchen Obervogtei Medebach gehörten, und forderte die Einwohner vor das Medebacher Gericht, verlangte auch Steuern von ihnen. Graf Wolrad II. verbot denſelben beides zu thun, worauf die Kur⸗Kölniſchen am 16. December 1548 einige Hundert Mann ſtark mit gewaffneter Hand zu Roß und zu Fuß in Goddelsheim einfielen, das Dorf ausplünderten und vier Mann als Geiſeln nach Medebach führten. Graf Wolrad klagte beim Reichs⸗Kammergericht und erhielt auch ein günſtiges Mandat gegen Kur⸗Köln. Trotzdem gaben die Kölniſchen Erzbiſchöfe ihre Anſprüche nicht auf. Im Jahre 1627 drang ſogar Erzbiſchof Ferdinand nochmals mit Gewalt in Goddelsheim ein, ließ das Waldeckiſche Wappen an der Kirche daſelbſt aus⸗ hauen und nahm den Kirchenſchlüſſel weg. Der Streit wurde, wie ſchon erwähnt, in dem Vertrag von 1663 im Austauſch gegen die Waldeckiſchen Anſprüche auf Canſtein beigelegt. Der betreffende Artikel des Vertrags lautet:

Als dann auch gegen Schwindung der Gräffl. Waldeckiſchen Anſprüche auf die Herrſchaft Canſtein Ihro Chur⸗ fürſtl. Durchl. Ihro und des Ertz⸗Stiffts praetension auf Goddelsheim, Münden und Neukirchen fallen laſſen ꝛc.

Eine Differenz, welche mit dem Kloſter Glindfeld beſtand, blieb noch zu beſeitigen übrig. Es han⸗ delte ſich hier um ein Stück Wald, der alte Hagen genannt und bei dem Dorfe Oberſchleidern ge⸗ legen.¹) Um denſelben hatten die Grafen von Waldeck ſchon früher mit den Herren v. Büren Streit gehabt.

¹1) Varnhagen, Grundlage der Waldeckiſchen Landes⸗ und Regentengeſchichte. Urkundenbuch S. 85. 2) Varnbagen, l. c. S. 90.

3) v. Klettenberg, Kap. IX,§. 12, not. c.

4) Vietor op. decisionum, decis XV.