„Doch ſoll Ihro Churfürſtl. Drchl. freiſtehen, des Gräfflichen Hauſes Waldeck des Orts habende und zuſtehende Renthen, Dienſt⸗Geld und andere Gefälle, auch darunter den Landzoll zu Ober⸗Schleydorn, und zwar was jährlich vier eintragt, mit Hundert; die Jagt⸗Gerechtigkeit aber, ſamt denen zweien Tagen Jagt⸗Dienſten mit Tauſend Rthlr. an ſich zu löſen.“
Die Grafen von Waldeck erhielten demnach von dem umſtrittenen Gebiet nur die Dörfer Eppe und Hillershauſen und räumten den Katholiſchen die Mitbenutzung der den Evangeliſchen verbleibenden Kirche zu Eppe ein, während ihnen doch im Weſtfäliſchen Frieden der Beſitz der ganzen Herrſchaft Düding⸗ hauſen gewährleiſtet war. Kur⸗Köln war eben der Stärkere, dem der Schwächere nachgeben mußte. An Köln fielen die Dörfer Oberſchleidern, Düdinghauſen, Referinghauſen, Dietmaringhauſen, Defeld und Wiſſinghauſen. Sie ſind jetzt preußiſch.
Eben ſo galt ſchließlich das Recht des Stärkeren in Bezug auf die Herrſchaft Aſtinghauſen, gewöhnlich die Aſtinghäuſer Grund genannt. ¹) Es iſt ein ziemlich bedeutender Diſtrikt, der, von der oberen Ruhr durchfloſſen, von der heutigen Waldeckiſchen Weſtgrenze bis zur Walme, einen Nebenfluß der Ruhr, ſich erſtreckt, nach Norden bis Olsberg und Bigge an der Ruhr, nach Süden bis an den Aſtenberg reicht. Die Grafen von Waldeck gründeten ihre Anſprüche auf dieſes Gebiet auf einen Tei⸗ lungsvertrag des Grafen Heinrich VI. von Waldeck mit ſeinem Vetter, dem Grafen Wilhelm von Arns⸗ berg, vom Jahre 1315. Nach dieſem Vertrag teilten dieſelben, indem ſie ſich eines Schiedsgerichtes von 13 freien geſchworenen Männern aus der Grafſchaft bedienten, die Grafſchaft Rudensberg ſo, daß die Grenze ihres beiderſeitigen Beſitzes der Lauf des Walmefluſſes ſein ſollte in der Weiſe, daß alles, was jenſeits nach dem Schloß Ebersberg zu gelegen, dem Grafen Wilhelm von Arnsberg, dagegen alles, was dieſſeits, dem Grafen Heinrich von Waldeck gehören ſollte.
Der Vertrag lautet in ſeinem Hauptteil folgendermaßen: Noverint universi tam posteri quam praesentes,
quod nos Henricus, Comes de Waldeck, et nos Wilhelmus,(omes de Arnsberge, de consensu omnium haeredum nostrorum, Comitiam de Rudensberg, tam in bonis quam in hominibus, juribus, juris dictionibus, servitiis, honoribus et omnibus suis pertinentiis, in pascuis et nemoribus, agris, cultis et colendis, prout aequalius potuimus, secundum informationem et discretionem tredecim liberorum hominum de Comitia, qui ad hoc sua praestabant juramenta, divisimus per aquae Valme decursum, et pars Comitiae, quae est ex ista parte Valmae versus villam Bigge, Nobis videlicet Henrico,(omiti de Waldeck praedicto, et nostris haeredibus, pars vero Comitiae praedictae ultra aquam Valme versus castrum Ebersberg dicto Comiti de
Arnsberge et suis haeredibus cecidit missa sorte. Iidem quoque tredecim viri jurati in parte nostra Nobis
videlicet Comiti de Waldeck praedicto, pro jure nominabant in superiore parte villae Valmede tres man-
sos liberos pertinere; Villas autem, videlicet Nuttlar, Gevelinghausen, Wiggeringhausen, Siringhausen,
Weremboldinghausen, Vesteringhausen, Dalhausen, Amelgodinghausen, Langenbeck et Valme, cum omni-
bus earundem juribus et honoribus, proventibus et servitiis juxta consuetudinem hactenus observatam, ad partem nostram Comitiae nostrae pertinere nominabant. ²)
Wie ſchon vorher, ſo übten ſie auch in der Folge die volle Lehnshoheit in dieſem Gebiete aus. So hatten ſie unter anderen ſchon lange vor dem erwähnten Vertrage die Grafen zu Witgenſtein mit der Freigrafſchaft Züſchenau und den dazu gehörigen Dörfern und Wäldern Züſchen, Medelon, Heſporn ꝛc. belehnt. Im Jahre 1322 inveſtierte Heinrich VI. die Herren von Graſchaft mit der Freigrafſchaft Bigge und Rudenberg. Ebenſo räumte Graf Heinrich VIII. der Eiſerne, 1370 das Schloß Nördernau, Olsberg, Bigge und Rudenberg, welche beiden letzteren die Herren von Graſchaft wieder hatten zurückgeben müſſen, dem Geſchlecht Gaugreben ein, wie die waldeckiſchen Grafen auch ſpäter mehrmals in den Jahren 1394, 1405, 1428, 1500, 1534 dort eingeſeſſenen Leuten, dem Thiele Wolf von Gudenberg, Johann von Scharffenberg, denen von Hanxleden, denen von Beringhauſen und anderen ihren freien Grund Aſting⸗ hauſen eingethan und wieder gelöſt haben.
„In welchem Bezirk, Grund und Dörffern die Herren Graffen zu Waldeck entweder ſelbſt, oder zu zeiten in deren
nahmen, die Pfands⸗innhabern, substituten oder vasalli, hohe und niedrige Obrigkeit, Herrſchaft, Straffen, über
¹) Vietor, op. decisionum, decis. XVI.
2) Vietor, op. decis. pag. 244.


