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Düdinghauſen und Eppe, ſetzte katholiſche Prieſter hinein, führte die evangeliſchen Paſtoren Joh. Borne⸗ mann und Juſtin Nelle gefangen nach Arnsberg, warf ſie bei großer Winterkälte 17 Wochen lang in einen Turm und ließ ſie nicht eher los als bis ſie ihr Predigtamt abgeſchworen hatten. Die Einwohner aber wurden mit Haft, Strafe und Pfändung zum übertritt zur katholiſchen Lehre gezwungen. Doch die Kölniſchen Gewaltthätigkeiten gingen noch weiter. Auch in den bisher unbeſtrittenen Waldeckiſchen Dörfern Deefeld und Niederſchleidern wurde die katholiſche Lehre unter dem Vorwand, daß dieſelben Teile der Herrſchaft Düdinghauſen ſeien, mit Gewalt eingeführt. Alle Bemühungen der Waldeckiſchen Grafen beim Kammergericht hierin ÄAnderung zu ſchaffen, waren vergebens.
So lagen die Sachen, als die Friedensverhandlungen in Münſter und Osnabrück gepflogen wurden. Hier nun trat Graf Georg Friedrich mit aller Energie ein, um ſein Recht und zugleich die Wiederher⸗ ſtellung des evangeliſchen Glaubens in der angefochtenen Herrſchaft zu erlangen. Er war unermüdllich im brieflichen und perſönlichen Verkehr, er reiſte mehrmals nach Osnabrück zu den Unterhandlungen und ſuchte dort perſönlich zu wirken. Handelte es ſich doch damals faſt um die Exiſtenz des Waldeckiſchen Gebietes überhaupt. Denn außer Kur⸗Köln bedrohten auch Heſſen⸗Caſſel und der Biſchof von Paderborn den Waldeckiſchen Beſitz, dieſer wegen der Grafſchaft Pyrmont, jenes wegen ſeiner Anſprüche auf die Oberlehnshoheit über die Grafſchaft Waldeck. Sehr zu ſtatten kam Georg Friedrich bei dieſen Bemühun⸗ gen ſeine vertraute Freundſchaft mit dem Schwediſchen Generaliſſimus Pfalzgraf Karl Guſtav von Zwei⸗ brücken, dem ſpäteren König Guſtav X. von Schweden, die er mit demſelben während ſeines Aufent⸗ haltes in Paris im Jahre 1640 geſchloſſen hatte. Seine Bemühungen waren denn auch von Erfolg begleitet und ſo leuchtete endlich nach dem Abſchluß des Weſtfäliſchen Friedens die längſt erſehnte Hoff⸗ nung, wenigſtens in Bezug auf den Streit mit dem Erzbiſchof von Köln zum erwünſchten Ziele zu kommen. In den Art. IV,§. 38 des Friedensvertrags von Münſter und Osnabrück wurde folgender Satz ausdrücklich aufgenommen:
„Restituatur Domus Waldeck in possessionem vel quasi omnium jurium, in Dynastia Düdinghausen et pagis Noerdernau, Liechtenscheid, Defeld et Niederschleidern, prout illis anno 1624 gavisa est.“(Das Haus Waldeck ſoll in den Beſitz wie auch in alle Rechte in der Herrſchaft Düdinghauſen und in den Dörfern Nördernau, Liechtenſcheid, Defeld und Niederſchleidern wieder eingeſetzt werden, wie es ſich derſelben im Jahre 1624 erfreut hat.)
Freilich war das zunächſt nur eine Hoffnung, und noch dazu ſchließlich eine getäuſchte, der wirkliche Beſitz war damit noch nicht gegeben. Denn der Erzbiſchof, der ſich, wie erwähnt, mit Gewalt in den Beſitz des ſtreitigen Gebietes geſetzt hatte, gab daſſelbe nicht gutwillig heraus. So mußte der Kampf von Neuem beginnen. Graf Georg Friedrich reiſte zuſammen mit ſeinem erſt 13 Jahre alten Vetter Joſias von der Wildunger Linie 1649 nach Nürnberg, wo die Bevollmächtigten des Kaiſers, Schwedens und der Reichsſtände verſammelt waren und erwirkte auch glücklich ein kaiſerliches Dekret, durch welches zwei kaiſerliche Kommiſſare ernannt wurden, die die Sache zu Ende führen ſollten. Es waren dies der Kurfürſt Johann Philipp von Mainz und der Landgraf Georg von Heſſen⸗Darmſtadt. Die Subcdelegier⸗ ten derſelben, Heinrich Chriſtoph von Grießheim und Dr. Tulſner, kamen Anfang des Jahres 1650 nach Corbach. Dort wurde feſtgeſtellt, daß die Grafen von Waldeck am 1. Januar 1624, dem im Weſt⸗ fäliſchen Friedenstraktat feſtgeſtellten Normaljahr, in unbeſtrittenem Beſitz ſowohl der kirchlichen als der weltlichen Gerichtsbarkeit ſich befunden hatten, damit alſo ihnen die Herrſchaft Düdinghauſen unbedingt zuzuſprechen ſei, auch die Wiedereinführung des lutheriſchen Glaubens nicht zu hindern ſei. Demgemäß wurde der angefangene Bau einer katholiſchen Kirche in Eppe eingeſtellt, die vertriebenen lutheriſchen Geiſtlichen wieder eingeſetzt, die Unterthanen ihres dem Kurfürſten geleiſteten Eides entbunden
1¹) Prasser, chronicon waldeccense, in vita G. Fr.


