Aufsatz 
Die Sorge des Fürsten Georg Friedrich zu Waldeck und Pyrmont um die Sicherung des territorialen Bestandes der Waldeckischen Besitzungen / vom Rud. Flade
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Was zunächſt die Herrſchaft Düdinghauſen betrifft, ſo beſtand dieſelbe aus den Dörfern Düding⸗ hauſen, Ober⸗Schleidern, Refferinghauſen, Dittmarkhauſen, Wiſſinghauſen, Eppe, Hillershauſen. Dieſe Herrſchaft wurde in alten Zeiten von den Freiherren v. Büren dem Hauſe Waldeck zu Lehen aufgetragen. Im Jahre 1334 verſetzte hiervon zwei Teile Wolram v. Büren und deſſen Ehefrau Eliſabeth an Graf Heinrich IV. zu Waldeck und deſſen Sohn Otto II. für 300 Mark Corbacher Pfennige, doch behielt er ſich und ſeinen Erben die Wiederlöſe auf alle Zeit vor.

Quandocunque etiam idem Wolramus et Elisabeth, uxor ejus legitima, aut Wolramus, filius eorum, et eorum veri heredes praedictas trecentas marcas Denariorum in Corbeck judici et proconsuli veteris oppidi, qui pro tempore fuerint, exhibuerint, evidenter tunc praedicta redemptio non debet ipsis diutius denegari. ¹5

Sechs Jahre darauf, 1340, überließ eben dieſer Wolram v. Büren an Hermann v. Rhena den übrigen dritten Theil dieſer Herrſchaft für 170 Mark Pfennige Corbacher Währung gleichfalls wiederkäuflich. Zweihundert Jahr ſpäter, 1538, thaten Johannes und Wolrad v. Büren die Wiederlöſe und hinterlegten das Geld bei dem Richter zu Medebach. Doch Graf Philipp III. ſowohl wie nach ſeinem Tode deſſen Sohn Graf Wolrad II. erkannten die Zuſtändigkeit des Richters von Medebach in dieſer Sache nicht an, indem ſie ihre eigene Stellung als unmittelbare Reichsſtände und die Zugehörigkeit des fraglichen Terri⸗ toriums zum Waldeckiſchen Amt Eiſenberg vorſchützten. Die Herren von Büren gingen an den Kaiſer Karl V., welcher auf dem Reichstag zu Regensburg 1548 den Spruch des Medebacher Richters beſtätigte und dem Erzbiſchof Adolf III. von Köln die Ausführung deſſelben auftrug. Dieſer ließ denn auch die Herren v. Büren mit bewaffneter Hand in den Beſitz des ſtreitigen Beſitzes ſetzen. Es erfolgte nun ein erbitterter Kampf zwiſchen beiden Parteien Graf Wolrad erlangte noch in demſelben Jahre beim kaiſer⸗ lichen Kammergericht ein Mandat zur Wiederherſtellung ſeiner Gewalt in dem ſtreitigen Gebiet, doch wurde daſſelbe auf Betrieb der Gegner Meinolf und Johann v. Büren 1549 wieder caſſiert. Hierauf wurde auf Anhalten des Hauſes Waldeck zur Entſcheidung der Sache eine kaiſerliche Kommiſſion einge⸗ ſetzt, welche aus dem Abt Wolfgang von Fulda und dem Grafen Philipp v. Solms beſtehen ſollte. Doch auch dies hintertrieben die Herren v. Büren, indem ſie die Rechtsgültigkeit der Kommiſſion anfoch⸗ ten, da der Graf v. Solms mit dem Hauſe Waldeck verwandt ſei. Auch ein zweites Schiedsgericht wurde von den Herren v. Büren verworfen. So zog ſich der Streit in die Länge und die Herren v. Büren blieben im Beſitz der umſtrittenen Herrſchaft. Graf Wolrad hatte ſchon im Jahre 1530 in derſelben die Reformation eingeführt und die Herren v. Büren hatten die übung des lutheriſchen Glau⸗ bens ungeſtört gelaſſen. Dieſer Zuſtand dauerte bis zum Jahre 1609. Die Herrſchaft Düdinghauſen war unterdeſſen durch Heirat und Kauf in die Hände der Herren Gottſchalk v. d. Malsburg und Wilh. Joſt Weſtphalen gekommen. Mit dieſen unterhandelte Graf Wolrad IV. und es kam am 5. April 1609 ein Vertrag zu Stande, nach welchem die bisherigen Inhaber der Herrſchaft dieſelbe für 10250 Reichs⸗ thaler an Graf Wolrad IV. von Waldeck verkauften.

Soweit hätten die Grafen von Waldeck in ungeſtörtem Beſitz der Herrſchaft bleiben können. Aber im Verlauf des Proceſſes mit den Herren v. Büren war ein Umſtand eingetreten, der für die weiteren Schickſale der Herrſchaft verhängnisvoll werden ſollte. Der Erzbiſchof von Köln machte im Jahre 1549 Anſpruch auf die territoriale Oberhoheit über die Herrſchaft Düdinghauſen, und es entſpann ſich daraus ein Proceß des Hauſes Waldeck mit Kur⸗Köln am Reichskammergericht, der nach dem gewöhnlichen ſchleppenden Geſchäftsgang deſſelben nicht zum Austrag gebracht werden konnte.²) Bis in die erſten Jahre des 30 jährigen Krieges blieben die Waldeckiſchen Grafen in der That ungeſtört. Aber im Jahre 1627 fiel der Erzbiſchof Ferdinand von Köln mit Gewalt in die Herrſchaft ein, erbrach die Kirchen zu

¹) Vietor, op. decis. pag. 110.

2) ob augustam actorum prolixitatem ne minima occurrebant finiendae hujus litis vestigia. Viet. op. decis. VIII, pag. 213.