Aufsatz 
Staats-, Wirtschafts- und Sozialpolitik auf höheren Lehranstalten : ein Entwurf / von Karl Fischer
Entstehung
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2. KEapitel. Die Methode der Unterweisung.

Für einen Lehrer, welcher nicht ploſs christlich getauft, sondern auch christlich gesinnt ist, liegt die Frage der Methode sehr ein- fach. Da er weils, dals die Liebe das Lebensprimiip ist, so weils er auch aus Erfahrung, dals sie das Erkenntnisprinzip ist: die Liebe bedeutet Hingabe, die Hingabe Verständnis, Verständnis das rechte Verfahren, das rechte Verfahren Erfolg; so ist es in dem Unterricht, so ist es in der Erziehung, wie ich anderwärts weiter ausgeführt habe. Wer den Heiland kennt und in sich trägt, der kennt auch seine Methode und hat in sich die Kraft seines Geistes; er ist überall seines Erfolges sicherer als irgend ein Anderer, man mülste denn nur an äulseren Erfolg denken.

Die Verdienste Herbart's um die Bildung der Methode sind nicht zu bestreiten, nur muls man seine metaphysische Grundlage und seine spezifischen Forderungen nicht dahin rechnen. Was jeder vernünftige Lehrer vor ihm gethan hat, ist von ihm in ein System gebracht worden, was in diesem über jenes hinausgeht, wird immer nur von Einzelnen angenommen werden. Es ist ja auch schon ander- wärts ausgesprochen worden wenn ich mich recht erinnere von Heinzelmann-Erfurt, dals jener gemeinsame pädagogische Besitz sich in 6 Punkte formulieren läſst:

1. Erziehen und Unterrichten ist eine Kunst; 2. ihre höchste Aufgabe ist die Charakterbildung; 3. Hauptmittel ist die Einwirkung auf den Intellekt(hierbei ist das Hauptmittel des Beispiels über- sehen, sowie das Gesetz, dals Gleiches nur von Gleichem erzeugt werden kann: Liebe nur von Liebe, Charakter nur von Charakter, Glauben nur von Glauben; wer Wasser, fahren will, bedarf des Wassers, wer die Sonne sehen will, der Sonne; wer Gutes hervor- rufen will, bedarf des Guten, denn wie es in den Wald schallt, so schallt es heraus, und Trauben kann man nicht von Disteln lesen).

4. Hauptmittel jener Einwirkung auf den Intellekt im Unter- richt ist die unausgesetzte Erregung der Selbstthätigkeit, des Inte- resses der Schüler. 5. Hauptmittel zur Erweckung dieses Interesses ist die Anknüpfung des neuen Unbekannten mit altem Bekannten, sowie die Verknüpfung gleichartiger Vorstellungen verwandter Ge- dankenkreise. 6. Der erziehende Unterricht ist ein Ganzes, welches