— L
sie gut.“ Die Sozialdemokratie fordert die demokratische Republik unter der„Kontrolle des arbeitenden Volks,“ Machiavelli lehrt (1. Kap. 34),„die Menge ohne Haupt ist unnütz.“ Der nächst ihm zeitlich der bedeutendste Staatsrechtslehrer Bodin lehrt, daſs die Familie, wie sie bestehe, das Grundelement des Staats sei, dals man Privatgut so wenig entbehren könne wie Staatsgut; er, der Be- gründer des Souveränitätsbegriffs, lehrt, daſs nur ein König Souverän sein könne, und zwar von Gottes Gnaden. Aach H. Grotius, obgleich als Republikaner geboren und von den Monarchisten seiner Heimat schwer getroffen und des Vaterlandes bis an sein Ende be- raubt, lehrt keineswegs die Republik, sondern nur neben der„Fürsten- souveränität“ die„Staatssouveränität.“ Die ersten, welche die Volkssouveränität— aber im spezifisch christlichen Staate— lehren, sind der Jesuit Bellarmin und der Puritaner Milton; aber auch sie lehren keine Republik, sondern eine peschränkte Monarchie, während Milton's Zeitgenosse, der Freidenker Hobbes, gerade die absolute Monarchie theoretisch zu begründen sucht und prak- tisch zu fordern nicht aufhört. Auch die grofsen deutschen Staats- rechtslehrer des 17. Jahrhunderts, wie Pufendorf und Thomasius sowie Leibnitz ziehen unter allen Staatsformen die Monarchie vor; auch ihre französischen Zeitgenossen sind entschiedene Monarchisten. wie Fénélon und Bossuet, welcher die königliche Autorität als von Gott gesetzt für heilig und absolut erklärt. Der scharfsinnige Locke spricht sich zu Gunsten keiner bestimmten Staatsform aus, meint vielmehr, jede könne verderblich sein. Dagegen macht der tiefsinnige Neapolitaner Vico darauf aufmerksam, dals die Staats- form wesentlich durch die Natur der Völker, ihren Wohnplatz etc. bestimmt sei; einer hohen Kultur entspreche übrigens nur die ge- mälsigte Monarchie, die jedoch nur in der Gottesfurcht ihren Halt habe, denn„der wahre Gott ist der Urgrund wie der wahren Religion so auch des wahren Rechts und der wahren Rechtswissen- schaft.“ Dals Montesquieu und Mirabeau das konstitutionelle Königtum für das einzig haltbare erklärt haben, ist auch allgemein bekannt. Selbst ein Mann wie Rousseau, der Alles auf den Kopf stellt— die Funktionen des Staatsoberhaupts vergleicht er mit der Thätigkeit der Fülse—, trotzdem sein Ideal die Republik seiner Heimat Genf ist, erklärt die Monarchie für grolse Staaten für un- vermeidlich; dafs er dabei der Theoretiker der französischen Revo- lution ist, kann hierbei aulser Betracht pleiben.


