Aufsatz 
Staats-, Wirtschafts- und Sozialpolitik auf höheren Lehranstalten : ein Entwurf / von Karl Fischer
Entstehung
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sei da am Platze, wo sie den thatsächlichen Verhältnissen ent- spreche. Erwägt man, dals alle diese Männer nur den kleinen Stadtstaat, keinen nationalen oder gar repräsentativen Staat in unserem Sinne kannten, so bietet die Wissenschaft hier nur ein Er- gebnis, welches dem angeblichen in keiner Weise entspricht. Xhn- lich ist es im Mittelalter, in dem es in unserem Sinne eine Wissen- schaft nicht geben konnte, denn der Wissenschaftsbetrieb war in Trägern und Ziel kirchlich gebunden, und das herrschende Volk des Mittelalters, die Germanen, steckten zu tief in ihrem Individualismus, sowie in ihren genossenschaftlichen Anschauungen, als dass man im Mittelalter hätte zu einem klaren und selbständigen Staatsbewulst- sein und dem entsprechend zu einer Staatswissenschaft gelangen können. Am deutlichsten tritt das Staatsgefühl, angelehnt an die ererbten Vorstellungen vom römischen Kaisertum, als kaiserliches gegen das Papsttum in Dante, Occam, Marsilius v. Padua, Jandun u. A. hervor; von der Republik ist überall nicht die Rede.

Erst Machiavelli hat ein energisches und scharf ausge- prägtes nationales Staatsbewulstsein: Nationale Einigung Italiens erfüllt ihm Kopf und Herz so, daſs alles andere dahinter zurück- steht. Dieser heilse Patriotismus hat ihn zu einem so vielfach miſsdeuteten wie miſsverstandenen Buch wieder Fürst ist, ver- anlalst; seine florentinische Heimatsrepublik und die milſstrauische Engherzigkeit des ersten Medizeers gegen ihn lielsen ihm allerdings die republikanische Staatsform als Ideal erscheinen, wenn sie die aristokratische Färbung der altrömischen Republik annimmt, von der Niemand weniger wissen will wie die Sozialdemokratie. In der Theorie steht er etwa auf dem Standpunkt des Aristoteles: Jede der drei guten Regierungsformen desselben können leider nur kurzen Bestand haben,weil kein irdisches Mittel verhindern kann, daſs sie nicht wegen der Ahnlichkeit, die in diesem Falle die Tugend und das Laster haben, in die ihr entgegengesetzte-ausartet. (Discorsi I, 1. Kap.) Daselbst, Kap. 3, lehrt er ebenfalls im schärfsten Gegensatz gegen die Sozialdemokratie, welche die Menschen

nach Rousseau für gut von Natur und Hunger und Armut für Schandflecke desreaktionären Staats- halten,die Menschen

thun niemals etwas Gutes, wenn sie nicht dazu gezwungen sind; Alles gerät in Verwirrung und Unordnung, sobald ihnen freie Wahl bleibt und sie sich gehen lassen können. Man sagt daher, Hunger und Armut machen die Menschen betriebsam, die Gesetze machen.