Aufsatz 
Festschrift zu der am 7. Januar 1897 stattfindenden Einweihung des Goethe-Gymnasiums in Frankfurt/M., hrsg. v. Lehrerkollegium
Entstehung
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erst in Untersekunda, nach Vollendung des vierzehnten Lebens- jahres, geht man zum Griechischen über. So wird dem Grund- satze des Comenius Rechnung getragen, daß man eine Sprache nach der anderen, nicht mehrere zugleich in Angriff nehmen soll.

In dem eigentlichen Gymnasium, den Klassen Untertertia bis Oberprima, zielt der Unterricht darauf ab, das innere Ver- ständnis der Lehrgegenstände zu erschließen, das begriffliche Denken zu schärfen und zu einem wissenschaftlichen Erfassen der Dinge vorzubereiten, zu welchem Zwecke die Beschäftigung mit den alten Sprachen ein vorzügliches, nach unserer Ansicht das beste Hilfsmittel bieten.

Auch die zuletzt ausgesprochene Forderung, daß die bereits: gelernte Sprache die Richtschnur für die Erlernung einer weiteren bilden müsse, und daß die Grammatiken der verschiedenen Sprachen aufeinander Bezug nehmen sollen, ist bereits zum größeren Teil verwirklicht: Die französische und die lateinische Satzlehre, die für die Klassen nach dem Frankfurter Lehrplane ausgearbeitet sind, stimmen in der Anordnung und Einteilung des Stoffes völlig überein, indem sie sich auf der Grundlage der deutschen Satzlehre aufbauen. Die lateinische Satzlehre nimmt auf die voraufgehende französische steten Bezug, und, soweit als möglich, ist der Wortlaut der Regeln in beiden derselbe. Die später folgende griechische Satzlehre wird sich der Natur der Sache nach noch enger an die lateinische anschließen, als diese an die französische.

Für die Männer, die an der Durchführung dieses neuen Lehrgangs arbeiten, ist es eine erfreuliche Thatsache, daß die Grundsätze, die sie vertreten, nicht von heute und gestern, sondern bereits von dem Begründer der deutschen Erziehungs- lehre ausgesprochen sind. Es ist also nicht Tagesweisheit, der wir folgen, sondern eine alte Weisheit, der wir wieder zu Ehren verhelfen.