Aufsatz 
Festschrift zu der am 7. Januar 1897 stattfindenden Einweihung des Goethe-Gymnasiums in Frankfurt/M., hrsg. v. Lehrerkollegium
Entstehung
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immer eine Sprache nach der anderen, sonst ver- wirrt eine die andere. Die ersten Übungen in einer neuen Sprache müssen an einem bereits bekannten Stoffe vorgenommen werden. Jede Sprache muß mehr durch den Gebrauch, als durch Regeln gelernt werden, also durch Hören, Lesen, Wieder- lesen und durch möglichst häufige mündliche und schriftliche Nachahmungsversuche. Doch sollen die Regeln den Gebrauch stützen und befestigen. Das gilt besonders von den gelehrten, aber auch von den Umgangssprachen. Die Sprachregeln sollen einfach darlegen, was vorkommt und wie es vorkommt, und sich nicht auf allzu scharfsinnige und spitzfindige Begründung einlassen.

Die bereits gelernte Sprache muß die Richt- schnur bilden für die Festsetzung der Regeln einer neuen Sprache, so daß die Unterscheidung zwischen dieser und jener aufgezeigt wird. Durch vergleichende Grammatiken sind die verschiedenen Sprachen zueinander in Beziehung zu setzen. Bei allen Sprachen muß derselbe Lehr- gang eingehalten werden.

Die vorstehenden Sätze sind fast wörtlich aus verschiedenen Stellen der Magna didactica des Comenius übersetzt: sie bilden zugleich den wesentlichsten Bestandteil der Grundsätze, nach denen der Frankfurter Lehrplan entworfen ist. Nach diesem Plane beginnt der lateinische Unterricht erst nach vollendetem zwölften Lebensjahre in Untertertia. In den drei ersten Jahren, Sexta bis Quarta, steht der gründliche Unterricht in der Mutter- sprache und die Unterweisung in den sogenannten Realien im Vordergrunde. Es wird nur eine neuere fremde Sprache gelehrt, das Französische; der Gang des Unterrichts, wie er in den besonders ausgearbeiteten Lehrbüchern vorgebildet ist, entspricht den Forderungen des Comenius: Die Sprache wird zunächst als Umgangssprache behandelt, indem man vom Bekannten und Naheliegenden ausgeht; sie dient andererseits als Vorschule zum mateinischen, indem die Unterweisung zu systematischer Be- handlung übergeht und durch feste Regeln den gewonnenen Sprachschatz sichert. Die Einführung in das Lateinische nimmt

zwei Jahre, die Klassen Unter- und Obertertia, in Anspruch; 2