Aufsatz 
Festschrift zu der am 7. Januar 1897 stattfindenden Einweihung des Goethe-Gymnasiums in Frankfurt/M., hrsg. v. Lehrerkollegium
Entstehung
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Gymnasium versucht wird.¹) Die hauptsächlichen Grundsätze, die er in jenem pädagogischen Hauptwerke für den Gang der Unterweisung im allgemeinen, für die Aufeinanderfolge der Lehrgegenstände und für die Methode des Sprachunterrichts aufgestellt hat, lassen sich etwa folgendermaßen zusammenfassen:

Es ist unrichtig mit dem lateinischen Unterricht vor dem zwölften oder dreizehnten Lebensjahre anzufangen. Der Schüler muß erst in seiner Muttersprache eine gründliche sprachliche Durchbildung erhalten haben, ehe man ihn mit jener schwierigen Sprache des Altertums bekannt macht. Die Kräfte und Neigungen des Geistes müssen erst in

einer bestimmten Richtung hervorgetreten sein, ehe sich be-

urteilen läßt, ob ein Knabe dem Gymnasium, das für die wissen- schaftlichen Berufsarten vorbereitet, anvertraut werden kann. Wird eine neuere fremde Sprache gelehrt, so soll der Beginn damit vor dem Lateinischen gemacht werden, denn die Umgangs- sprachen sind den gelehrten vorauszuschicken. Alle Schüler sind soweit als irgend möglich gemeinsam zu führen.

In der Zeit vom sechsten bis zum zwölften oder dreizehnten Lebensjahre soll die Jugend in den Dingen unterrichtet werden, deren Anwendung sich auf das ganze Leben erstreckt. Hier soll vornehmlich, dem Alter entsprechend, der innere Sinn, die Einbildungskraft und das Gedächtnis geübt werden. Das eigent- liche Gymnasium, in dem die alten Sprachen, Lateinisch und Griechisch, gelehrt werden, umfaßt sechs Jahreskurse und sechs Klassen. Es führt die Schüler vom zwölften oder dreizehnten Lebensjahre bis zum achtzehnten oder neunzehnten, bis zur Entlassung auf die Hochschule. Im Gymnasium soll vor allem auf das begriffliche Verständnis und die Beurteilung Wert gelegt werden. Es wird überall nach demweshalb? gefragt und hierdurch die Fähigkeit für wissenschaftliche Arbeit und wissen- schaftliches Eindringen in die Gegenstände vorbereitet.

Man soll nicht die Anfangsgründe mehrerer fremder Sprachen nebeneinander lehren, sondern

¹) Des Näheren ist dies begründet in einem Aufsatz des Verfassers im

2. Lehrgang(1894) der Vorträge und Aufsätze der Comenius-Gesellschaft:Die Schulordnung in Comenius Unterrichtslehre und die Frankfurter Lehrpläne.

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