Aufsatz 
Festschrift zu der am 7. Januar 1897 stattfindenden Einweihung des Goethe-Gymnasiums in Frankfurt/M., hrsg. v. Lehrerkollegium
Entstehung
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Vorkenntnisse sind, Zeit und Aufmerksamkeit abbrach, um sie an sogenannte Realitäten zu wenden, welche mehr zerstreuen als bilden, wenn sie nicht methodisch und vollständig überliefert werden.Wer fremde Sprachen nicht kennt, weiß nichts von seiner eigenen.

Den neueren Sprachen räumt er ihren gebührenden Plat⸗ ein, wie sich unter anderem aus den Anordnungen der päda- gogischen Provinz ergiebt, wo bezeichnender Weise auch das Prinzip des Nacheinanders im Sprachunterricht aufgestellt wird. Die Palme aber erkennt Goethe der Beschäftigung mit den alten Sprachen zu:Möge das Studium der griechi- schen und römischen Litteratur immerfort die Basis der höheren Bildung bleiben!Wenn unser Schulunter- richt auf das Altertum hinweist, das Studium der griechischen und lateinischen Sprache fördert, so können wir uns Glück wünschen, daß diese zu einer höheren Kultur so nötigen Studien niemals rück- gängig werden.Man wird uns nicht widersprechen, wenn wir be- haupten, die Sprache der Griechen und Römer habe uns bis auf diesen Tag köstliche Gaben überliefert, die an Gehalt dem übrigen Besten aus anderen Litteraturen gleich, der Form nach allen anderen vorzuziehen sind.Eine Hauptüberzeugung aber. die sich immer in mir erneuerte, war die Wichtigkeit der alten Sprachen; denn soviel drängte sich mir aus dem litterarischen Wirrwar immer wieder entgegen, daß in ihnen alle Muster der Redekünste und zugleich alles andere Würdige, was die Welt jemals besessen, aufbewahrt sei.Wenn wir uns dem Altertum gegenüberstellen und es ernstlich in der Absicht an- schauen. uns daran zu bilden. so gewinnen wir die Empfindung, als ob wir erst eigentlich zu Menschen würden.Ein Lump pleibt freilich immer ein Lump, und eine kleinliche Natur wird durch einen selbst täglichen Verkehr mit der Großheit antiker Gesinnung um keinen Zoll größer werden. Allein ein edler Mensch, in dessen Seele Gott die Fähigkeit künftiger Charakter- größe und Geisteshoheit gelegt, wird durch die Bekanntschaft und den vertrauten Umgang mit den erhabenen Naturen grie- chischer und römischer Vorzeit sich auf das herrlichste ent- wickeln und mit jedem Tage zusehends zu ähnlicher Größe