Aufsatz 
Festschrift zu der am 7. Januar 1897 stattfindenden Einweihung des Goethe-Gymnasiums in Frankfurt/M., hrsg. v. Lehrerkollegium
Entstehung
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zu lernen, bei dem ersten so aufmerksam, bei dem zweiten So genau als möglich zu sein, beim dritten vollständig zu werden und beim vierten vielseitig genug zu pleiben: dazu gehört eine Durcharbeitung seines armen Ichs, von deren Möglichkeit ich sonst auch nicht eine Idee gehabt habe. Den hohen Wert, den Goethe der Beschäftigung mit der Natur auch für die inuere, die Bildung des Herzens und Charakters legt, wird danach niemand verkennen: er spricht es an einer Stelle ausdrücklich aus, daß auch die Natur den Weg zur Humanität eröffnet. Wer im Sinne Goethes urteilt, würde also den Schulen, die sich solches Ziel stecken, die Berechtigung ihres Wirkens nicht bestreiten können.

So hoch aber auch Goethe die Wirkung der Natur auf Sinne und Herz des Menschen anschlägt, so hat er doch keinen Zweifel darüber gelassen, daß er selbst ein anderes Gebiet für wichtiger und geeigneter hält, als Mittel- und Ausgangspunkt der Jugendbildung zu dienen. Wenn wir den reichlichen und nicht mißzuverstehenden Fingerzeigen des Meisters folgen, so erkennen wir als das Gebiet, von dem die Jugenderziehung aus- gehen und worin sie ihren Mittelpunkt finden soll, die Beschäfti- gung mit den Hervorbringungen des menschlichen Geistes, den Sprachen, der Geschichte, der Poesie. Was die Menschen ge- dacht und gelitten haben, wirkt am unmittelbarsten auf das Gemüt:Ein Lehrer, der das Gefühl an einer einzigen guten That, an einem einzigen guten Gedicht erwecken kann, leistet mehr als einer, der uns ganze Reihen untergeordneter Natur- bildungen der Gestalt und dem Namen nach überliefert: denn das ganze Resultat davon ist. was wir ohnedies wissen können. daß das Menschengebild am vorzüglichsten und einzigsten das Gleichnis der Gottheit an sich trägt.

Vor allem muß seiner Ansicht nach die Übung in den Sprachen in der Jugend mit Gründlichkeit getrieben werden.Die Schule ist die eigentliche Vorschule, sagt er an einer Stelle, »und danach muß sie ihre Einrichtungen treffen.Der Schaden, den man anrichtet, wenn man junge Leute auf Schulen zu weit führt, hat sich besonders da ergeben, wo man den Sprach- übungen und der Begründung in dem, was eigentlich