Aufsatz 
Festschrift zu der am 7. Januar 1897 stattfindenden Einweihung des Goethe-Gymnasiums in Frankfurt/M., hrsg. v. Lehrerkollegium
Entstehung
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Und ein weiteres:Die Bildung wird zwar von Einem Wege angefangen, aber auf ihm nicht vollendet. Einseitige Bildung ist keine Bildung. Man muß zwar von einem Punkte aus-, aber nach mehreren Punkten hingehen.

Man streitet in unseren Tagen viel über die Frage, auf welchem Gebiete sich vornehmlich die Ausbildung der heran- reifenden Jugend bewegen soll, welches der Mittel- und Aus- gangspunkt sein soll, um den sich alles übrige gruppiert: Sind es die Naturwissenschaften und was mit ihnen zusammenhängt, die Dinge der gegenwärtigen Welt, die uns in der Anschauung gegeben sind; oder sind es die Erzeugnisse des menschlichen Geistes: die Sprache, die Poesie, die Geschichte? Wir werden es Goethe zutrauen, daß er die Naturwissenschaften nicht gering achtete, denen er von Jugend auf seine Neigung zuwandte und in denen er von seinem reifen Mannesalter an ein Mitforscher wurde, wie wenige. So äußert er sich denn auch an manchen Stellen darüber, welch veredelnden Einfluß die Beschäftigung mit der Natur auf den Menschen ausüben kann:Ich lobe mir das Studium der Natur. Wir haben es hier mit dem unendlich und ewig Wahren zu thun, das jeden, der nicht durchaus rein und ehrlich bei Beobachtung und Behandlung seines Gegenstandes verfährt, sogleich als unzulänglich verwirft. Auch bin ich gewiß, daß mancher dialektisch Kranke im Studium der Natur eine wohlthätige Heilung finden könnte.Warum ich zuletzt am liebsten mit der Natur verkehre, ist, weil sie immer recht hat, und der Irrtum ploß auf meiner Seite sein kann.Aus einem schmerzlichen, selbstquälerischen, düstern Seelenzustande wird man sich am besten durch Naturbeschquung und herzliche Teil- nahme an der äußeren Welt retten und befreien.Es geht doch nichts über die Freude, die uns das Studium der Natur gewährt. Ihre Geheimnisse sind von unergründlicher Tiefe, aber es ist uns Menschen erlaubt und gegeben, immer weitere Blicke hineinzuthun. Und gerade, daß sie am Ende doch unergründlich pleibt, hat für uns einen ewigen Reiz, immer wieder heranzugehen und immer wieder neue Entdeckungen zu versuchen.Die Phänomene zu erhaschen, sie zu Versuchen zu fixieren, die Er- fahrungen zu ordnen und die Vorstellungsarten darüber kennen