wir hinwandeln, haben wir ein wahres Verhältnis, sie sind unsere echten Kompatrioten.“
Wie die echte Bildung nicht darin besteht, von allen mög- lichen Dingen eine oberflächliche Kenntnis zu haben, so wird eine gute Erziehung in den Bildungsmitteln weise Beschränkung einhalten und nicht durch buntes Vielerlei den Sinn des Lernen- den zerstreuen:„Eines recht wissen giebt höhere Bildung, als Halbheit im Hundertfältigen.“„Der geringste Mensch kann vollkommen sein, wenn er sich innerhalb der Grenzen seiner Fähigkeiten und Fertigkeiten bewegt.“„Die gute Pädagogik ist gerade das Umgekehrte von der guten Lebens- art. In der Gesellschaft soll man auf nichts verweilen, und bei dem Unterricht wäre das höchste Gebot, gegen alle Zerstreuung zu arbeiten.“ Die Aufmerksamkeit des Lernenden auf einen Punkt zu richten, ist die Kunst des Lehrenden,„sein größter Fehler ist der, wenn er sich von den Lernenden in die Weite reißen läßt, wenn er sie nicht auf dem Punkte festzuhalten weiß, den er eben jetzt behandelt“.
Ohne bestimmten Lehrgang, ohne sicheren Weg, ohne feste Methode muß der Unterricht in planloses und ergebnisloses Irrlichtelieren ausarten; wird dagegen auf die Form aller Wert gelegt und läßt der Lehrer sich nicht vom Stoffe selbst lebhaft und innerlichst bewegen, so muß der Unterricht hohl werden und Seele und Geist verlieren. Die rechte Mitte weist uns Goethe:„Gehalt ohne Methode führt zur Schwärmerei, Methode ohne Gehalt zu leerem Klügeln; Stoff ohne Form zu beschwerlichem Wissen, Form ohne Stoff zu hohlem Wähnen.“ Mit diesem Wort des Meisters müssen wir besonders in unseren Tagen den neuen Propheten entgegen- treten, die aus lauter Furcht vor Pedanterie in Schwärmerei verfallen und wähnen, es lasse sich ohne Mühe und Verdruß, ohne gründliches Eindringen des Verstandes, durch eine Art von Anempfinden, auf„eine leichte, lustige und bequeme Art“ der Jugend alles beibringen. Aber ohne gründliche Verstandesarbeit wird kein geistiger Besitz erworben und ohne geordneten Gang ist kein Verstehen möglich:„Was man nicht versteht, besitzt man nicht“„Zu allem Verstehen ist Vorbereitung, Vorkenntnis.


