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Vorliebe seine Gedanken Zugewendet; er verstand die Kindes- seele und neigte sich freundlich zur Jugend. Von allen unseren großen Dichtern und Weisen hat wohl kaum einer köstlichere Worte über die Erziehung gesprochen, als er. Sie finden sich in allen seinen Werken zerstreut. und es scheint für diesen Ort angemessen, einige Haupt- und Grundsätze herauszuheben. die uns wie Leitsterne bei unserm Thun und Wirken dienen können. ¹)
Eine der vornehmlichsten Forderungen, die Goethe stellt, ist. daß man der Natur des Kindes, des Lernenden Rechnung trage: „»Niemand begreift etwas, als was ihm gemäß ist.“ Hieraus wird man die Mahnung nehmen, den Gegenstand und die Art des Unterrichts so zu wählen. wie es der jeweiligen Stufe entspricht:„Weise Männer lassen den Knaben unter der Hand dasjenige finden, was ihm gemäß ist; sie verkürzen die Umwege, durch welche der Mensch von seiner Bestimmung nur allzu gefällig abirren mag.“„Die Erkenntnis wächst in jedem Menschen nach Graden, die ein Lehrer weder übertreiben soll noch kann, und den hielte ich für den geschicktesten Gärtner. der für jede Epoche jeder Pflanze die erforderliche Wartung verstände.“„Ein Blatt, das groß werden soll, ist voller Runzeln und Knittern, eh es sich entwickelt; wenn man nun nicht Geduld hat und es gleich so glatt haben will, wie ein Weiden- blatt, dann ists übel.“
An das Gegenwärtige und Anschauliche wird man also überall anknüpfen müssen:„Die Kinder an der Gegenwart festhalten, ihnen eine Benennung, eine Bezeichnung überliefern, ist das Beste, was man thun kann.“„Worte und Bild sind Korrelaten, die sich immerfort suchen.“„Von der Natur sollen wir nichts kennen, als was uns unmittelbar umgiebt. Mit den Bäumen, die um uns blühen, grünen, Früchte tragen, mit jeder
Staude, an der wir vorbeigehen, mit jedem Grashalm, über den
¹) Uber Goethes Pädagogik geben die Werke Adolf Langguths, besonders das Buch:„Goethes Pädagogik“, reichlichen Aufschluß. Rühm- lichst ist das unter demselben Titel schon vor Langguths Arbeiten erschienene Schriftchen des Herrn Geheimrats Dr. Eiselen, des früheren Direktors der Musterschule, zu erwähnen. Ferner:„Goethe als Erzieher“ von Philipp Merz.


