Aufsatz 
Hat Kaiser Friedrich I. vor der Schlacht bei Legnano dem Herzog Heinrich dem Löwen sich zu Füßen geworfen? Eine historisch-kritische Untersuchung
Entstehung
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Schiller-Feier.

Im November 1859 feierte auch die Lehranstalt Schillers hundertjähriges Geburtsfest. Die Direction glaubt dieser Feierlichkeit in dem Jahresberichte erwähnen zu müssen, um sowol für jene, welche daran theilgenommen haben, eine willkommene Erinnerung, als auch für kommende Zeiten ein bleibendes Zeugnis zu bewahren, wie Lehrer und Schüler ihre Verehrung gegen den grossen Dichter des deutschen Volkes auszudrücken suchten. Am Vorabende des 10. Novembers betheiligten sich die Schüler an dem grossartigen Fackelzuge, welchen das Festcomité öffentlich veranstaltet hatte. Am 10. November hielt die Lehranstalt für sich in geschlossenen Räumen eine Feier, die zwar einfach, aber gemüthlich und erhebend war. Um 9 Uhr morgens waren Lehrer und Schüler in dem geschmückten grösseren Lehrsaale versammelt. Die Herren k. k. Statthaltereiräthe von Strobach und Fleischanderl beehrten mit ihrer Gegenwart die Versammlung. Zuerst hielt Herr Peter Riepl die Festrede; dann wurden in aufsteigender Ordnung der Klassen von den Schülern: Standfest, Fleisch- anderl Otto, Bader, Bolzmann Albert, Bolzmann Ludwig, Danninger und Sprinzl folgende Gedichte Schillers vorgetragen:

Der Alpenjäger, das Berglied, die Hoffnung, die letzten vier Strophen aus dem Kampfe mit dem Drachen, die Macht des Gesanges, die VI. Scene des I. Actes aus Maria Stuart(Mortimer) und der Graf von Habsburg. Hierauf wurden unter der Leitung des Herrn Gymnasial-Gesanglehrers Weinwurm vier Chöre mit Solo aus Schillers Glocke nach Romberg gesungen. Zum Schlusse folgte Goethe'sEpilog zu Schillers Glocke, vorgetragen von Edlbacher Moriz, Schüler der achten Klasse. Am 12. November veranstaltete Herr Kreibig, Director des ständischen Theaters, aus besonderer Getälligkeit eigens für die studierende Jugend die Aufführung vonWallensteins Tod. Endlich muss noch bemerkt werden, dass Lehrer und Schüler einen ihren Verhältnissen entsprechenden Beitrag zu einer für Oberösterreich beantragten Filial-Schillerstiftung bei der Direction erlegt haben.

Die oben erwähnte Festrede lautete:

Hochgeehrte Versammlung!

Ein festlicher Tag hat uns heute in diesen Räumen vereint, ein Tag, den das ganze weite Deutschland feiert; ja weit über seine Grenzen hinaus, an der Moskwa und Newa, an der Seine, Schelde und Themse, sogar jenseits des atlan- tischen Ozeans, fast überall, wo die deutsche Zunge klingt, erschallen mannigfaltige Lieder dem grossen Dichter, der heute vor hundert Jahren geboren wurde. Eine so seltene, so allgemeine Theilnahme drängt mit unwiderstehlicher Gewalt jeden Deutschen, in diese nationale Festfreude einzustimmen. Jedes Volk liebt und ehrt seine begeisterten Sänger und ehrt sich dadurch selbst. Bekanntlich stritten sich im Alterthume sieben Städte um die Ehre, Homers Geburtsort zu sein. Rom war stolz auf seinen Virgil und Horaz; Italien krönte seinen Dante, Petrarca, Ariost und Tasso; Spanien rühmt sich seines Cervantes und Calderon, Portugal des unsterblichen Sängers der Lusiaden, Frankreich seines Corneille, Racine und seiner Dichterschaar, England des unübertrefflichen Shakspeare und Milton; warum soll der Deutsche nicht frohlocken, wenn er die Zahl der Dichter seines Volkes überschaut? Ja mehr als jede andere Nation alter, mittlerer und neuer Zeit hat Deutsch- land Recht, auf seine Musensöhne stolz zu sein. Lange, sehr lange dauerte zwar der Entwicklungsgang unserer schönen Literatur und spät erst erschien unser goldenes Jahrhundert. Unsere hochdeutsche Sprache musste sich erst in drei deut- lich von einander geschiedenen Perioden im Verlaufe von vielen Jahrhunderten entwickeln; aber sie hat dabei auch auf jeder Stufe eine eigene ausgeprägte Literatur und zuletzt in unserer Zeit eine Weltliteratur hervorgebracht. Die erste Periode umfasst das Althochdeutsche mit einem noch vollen wolklingenden Vocalismus, vom 7. 12. Jahrhundert. Otfrieds Evangelienharmonie, auchChrist genannt, eine Art von Messiade, das erste gereimte Gedicht, aus den Zeiten der