Aufsatz 
Hat Kaiser Friedrich I. vor der Schlacht bei Legnano dem Herzog Heinrich dem Löwen sich zu Füßen geworfen? Eine historisch-kritische Untersuchung
Entstehung
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Zweifel gleichzeitig schrieb, auch für seine Gleichzeitigkeit, da, wo zwischen beiden Uebereinstimmung herrscht, die Priorität wol für die Magdeburger Annalen in Anspruch genommen werden muss. Wenn nun Wattenbach bemerkt ¹), deren Fortsetzung bis 1188 sei nicht gerade reichbaltig, so muss man mit Rücksicht auf das ganze allerdings beipflich- ten; was aber die Jahre 1175 und 1176 angeht, dürfte es schwer halten, irgendwo ausführlichere und, wie ein Vergleich mit den italienischen Berichten und denen der Cölner Chronik zeigt, verlässlichere Nachrichten über die Ereignisse von reichsgeschichtlicher Bedeutung in jener Zeit ausfindig zu machen. Die auf die ursachliche Verkettung eingehende Dar- stellung des Mönches von Bergen, wie die Belagerung Alessandrias aufgehoben, der Waffenstillstand zwischen Kaiser und Lombarden abgeschlossen und das deutsche Heer in die Heimat entlassen wurde, ist im Verlaufe der Untersuchung bereits angezogen worden. Weiterhin sagt er zum Jahre 1175 ²):Longabardi itaque intelligentes imperatorem Tèeutonico exercitu desolatum, juramentum ruperunt et subjectionem sponsionis et ad curiam imperatoris statuto die venire contempserunt. Unde imperator gravi permotus indignatione, dissimulata ira, quia eæxercitum longe remotum tam cito congregare non potuit, in Papia et in Ravenna Pluribusque aliis eivitatibus, que sibi jideles eæstiterant, reli- quum tempus anni illius in pace exegit. Als Einleitung ferner in die mit der Chronica regia übereinstimmende Erzäh- lung, wie im Frühling 1176 Wichmann und Pbilipp ein Heer über die Alpen geführt, stellt der Annalist voraus, zum Jahre 1176:Imperator misit epistolas per omnes partes regni Teutonici, archiepiscopis, episcopis et abbatihus, ducibus, marchionibus, comitibus, imperiali auctoritate mandans eos venire sibi in adjutorium. Quapropter Wich- mannus...... Auch des Streites zwischen dem Halberstädter Bischof Ulrich und dem Herzog Heinrich erwähnt er, wie der Chronist von Cöln des zwischen diesem und dem Cölner Erzbischof, und in gleicher Weise bemerkt er über Heinrichs Sturz ³):Duæ Heinricus ab imperatore ad curiam Wircibure vocatus et venire contempnens, sententia principum reus majestatis et privari beneficiis adjudicatur... Warum aber weiss der sächsische Chronograph von einer Zusammenkunft des sächsischen Herzogs mit dem Kaiser nichts zu erzählen, trotz der Ausführlichkeit und Gründlichkeit seiner Nachrichten über die Jahre 1175 und 11767 Der Vollständigkeit willen sei noch zweier Quellen gedacht, einer sächsischen und einer thüringischen, die, zum wenigsten, das Gewicht der eben besprochenen vermehren mögen. Wie bereits angedeutet wurde, hat Pertz eine neue Quelle in den Annales Palidenses eröffnet und die historische Litteratur Niedersachsens hiedurch ansehnlich bereichert 4). Bis zum Jahre 1164 stimmen diese Jahrbücher des Klosters Pöhlde am Südwestfuss des Harzes mit den Magdeburgischen wörtlich überein, so dass angenommen werden kann, sie seien nach 1164 geschrieben. Bei dem sonstigen Werte der Fortsetzung von 1164 bis 1182 ist zu bedauern, dass die Nachrichten über die Jahre 1170 bis 1177 nur ganz spärlich fliessen. Die Hauptereignisse jedoch sind angemerkt. So hat die Chronik aufgezeichnet, dass der Kaiser 1174 nach ltalien ging, Herzog Heinrich aber 1175 in Sachsen beschäftigt war. Den Zusammenstoss bei Legnano deutet sie wenigstens an, wenn sie zum Jahre 1176 bemerkt): Mediolanenses inpera- tori rebellant, multis de parte ejus captis et occisis, auch von der Aufforderung der Fürsten durch Friedrich, ihm zu Hilfe zu kommen, weiss sie:Episcopi et alii prelati ecclesiarum Teutonici regni Papiam evocantur ad inperatorem mense Novembri, eine Notiz, auf deren Formulierung die Thatsache Einfluss geübt, dass es vorzugsweise geistliche Fürsten waren, die des Kaisers Gebote nachkamen. Weiterhin nun wird sie wieder ausführlich und gibt sehr genaue Daten. So über den Streit zwischen Heinrich und dem Bischof von Halberstadt. Auch der Fehde des Cölners gegen den Herzog gedenkt sie wie des Himmelszeichens am 7. März 1179, dessen Gestalt die feindliche Stellung des Cölners, des Herzogs und des Kaisers vorbedeutet habe. Ja es wird sogar die Ursache der Fehde angegeben, die sonst nirgends zur Sprache kommt.Philippus Coloniensis episcopus pro requirenda quorundam sibi consanguineorum hereditate que a duce Heinrico fuerat ablata ſcastrum Haldesleve obsedit]). Endlich motiviert sie des Kaisers Vorgehen gegen den Herzog in folgender Weise:Dissensio inter ducem Heinricum et principes Saxonie sepe eworta et sepe sopita, rursus paulatim cepit repullulare et multe querimonie adversus ducem coram inperatore deponuntur, quem inperator multis curiis evocatum sed minime consentientem, tandem principum judicio rebus et beneficiis abjudicavit. Also auch dieser sächsischen Quelle blieb des Herzogs Reise zum Kaiser nach Chiavenna oder Partenkirch verborgen, während ihr doch

)) 1. c. S. 413.

¹) Pertz, M. G. SS. XVI. pag. 193.

*) 1. c. pag. 194.

* Wattenbach, I. c. S. 412.

) Pert, M. G. SS. XVI. pag. 94.

) L e. pag. 95. Die eingeklammerten Worte fehlen in der Handschrifl.