Aufsatz 
Hat Kaiser Friedrich I. vor der Schlacht bei Legnano dem Herzog Heinrich dem Löwen sich zu Füßen geworfen? Eine historisch-kritische Untersuchung
Entstehung
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dass sie auch über den Vorgang, mit welchem die Untersuchung sich beschäftigt, nur verlässliches bieten kann. Und über diesen um so mehr, als der Sturz des sächsischen Herzogs, ein Ereigniss von der allergrössten Bedeutung für die Machtentwickelung des Cölner Erzbistums, nach der Lauterberger Chronik, dem Stadermönch, dem Repegower mit eben jenem Vorfall in ursachlichem Verbande stünde. Nun erzählt die Chronik allerdings, wie nach dem zwischen Friedrich und den Lombarden geschlossenen Waffenstillstand die letzteren wieder sich erhoben und bemerkt dann weiter:Qua necessitate cesar impulsus per omne Theutonicum regnum directis nuntiis novum ewercitum adunari precepit; gibt ferner genau an, durch wen und wann das neue Heer nach Italien geführt wurde und auf welche Art es zum Zusammen- stoss bei Legnano kam und dass darnach die Friedensunterhandlungen begannen; aber von einer Zusammenkunft Friedrichs vor der letzten Action mit dem Herzog Heinrich oder mit irgend welchen Fürsten, um die Aufbringung eines Heeres zu betreiben, weiss sie so wenig als von einem Abfall Heinrichs vor Alessandria und daher auch nichts von der bekannten Demütigung des Kaisers. Und doch lag es ihr nahe genug, davon zu sprechen. Knüpft sie ja unmittelbar an die Erwäh- nung des Reichstages, den Friedrich nach seiner Rückkehr aus Italien zu Besançon gehalten, die Nachricht von der Fehde zwischen dem Cölner und dem Herzog, die dessen Sturz einleitete, und bemerkt sie über den ihm anhängig gemachten Process zum Jahre 1179 ¹1):Imperator curiam in octava epiphanie Wormacie habuit pro predicta dissensione Colo- niensis episcopi et ducis et principum orientalium Sazonum, qui omnes justiciam de duce cesare implorabant, cum ille tamen absens esset. Curia apud Magedeburg satis celebris. Ubi querimonia omnium pene principum habita est de duce Saxonum, qui jam per annum ad audientiam vocatus venire aut noluit aut timuit. Ibique fraus eſus et perfidia primum imperatori detecta est. Nec multo post ewpedicio in Savoniam ab imperatore et principibus indicitur..... Wenn irgendwo, so wäre hier der Platz gewesen, wo von den Uebergriffen des Herzogs gegen die Fürsten die Rede war, auch seine schnöde Behandlung des Kaisers bei jener Zusammenkunft zu erwähnen. Kann man dem Gedanken Raum geben, dass die sonst so trefflich unterrichtete Chronik da nun auf einmal mangelhaft berichtet ist? Oder soll man denken, dass sie was sie gekannt nicht sagen gewollt? Etwa, um Heinrich zu schonen? Die obige Ausführung des Chronisten gestattet sicher nicht, seinem Schweigen dieses Motiv unterzulegen. Oder fürchtete er, den Kaiser blosszustellen, wenn er dessen Auftreten gegen den Herzog in der Weise erklären würde, wie die vorhin genannten Schriftsteller es versucht? Aber was benahm es Friedrichs Rufe der Gerechtigkeit zu erzühlen, dass er die Klagen der Fürsten aus dem halben Deutschland gegen den Herzog nicht wieder, wie früher, verstummen hiess, aus Rück- sicht für den, welcher ihn rücksichtslos behandelte? dass er dem Rechte freien Lauf liess auch gegen den Verwandten, nachdem dieser gegen ihn als Fremden sich bewiesen? Die Ansicht, Friedrich habe ungerecht gehandelt, als er auf den überlauten Ruf nach Ordnung den fehdelustigen Herzog vor seinen Richterstuhl geladen, findet sich von keinem Schrift- steller jener Zeit vertreten. Nicht einmal die Stedeburger Annalen, deren Verfasser für den Herzog leidenschaftlich Partei nimmt selbst da, wo er den letzten Abschnitt von dessen Leben zur Darstellung bringt, haben ein Wort des Tadels gegen den Kaiser. Also brauchte die Cölner Chronik aus Schonung gegen Friedrich nicht zu schweigen. Oder endlich war es die Besorgniss, den Cölner Erzbischof, dessen Entzweiung mit dem Herzog sie berichtet, als Werkzeug kaiserlicher Rache erscheinen zu lassen, was ihrem Mund ein Siegel aufdrückte? Aber wenn, wie gesagt, in den Augen der Mitwelt der Kaiser als Rechtsvollstrecker gegenüber dem Herzog dastand, nicht als Racheüber, was hatte denn der Kirchenfürst zu scheuen? Besser hätte die Chronik, wenn sie diesen vor irgend welchem bösen Schein bewahren wollte, seinen Streit- handel mit Heinrich verschwiegen als den kaiserlichen Fussfall; gab es doch genug andere Fürsten, die mit Heinrich zerfallen und zu nennen waren. Was hat nun ihr Stillschweigen zu bedeuten? Bedeutsam ist es, zumal der Chronist ausdrücklich bemerkt, dass, nachdem der Herzog so lange sich geweigert, einen Gerichtshof über sich anzuerkennen, dem Kaiser die Hintergedanken und die Unbotmässigkeit jenes sich zum ersten Male enthüllt hätten. Verträgt sich diese Notiz mit der Erzählung von der erbarmungslosen Härte Heinrichs gegen den auf den Knien flehenden Kaiser? Offenbar nicht. Wenn aber dies, muss man dann nicht dem Schweigen der Chronik einen, so zu sagen, positiven Gehalt zuerkennen?

Zu ähnlichen Fragen führt der Bericht der Continuatio Aquicinctina d. i. der im Kloster Anchin in der Grafschaft Artois fortgesetzten Chronik Sigeberts von Gembloux in Belgien. Da findet sich nemlich zum Jahre 1179 an-

comitis Ftandrensis de domino suo credi petebantee eine Notiz, deren Wert ans Licht tritt, wenn man sie zusammenhült mit der in

der Continuatio Aquicinctina enthaltenen Nachricht, es habe der englische König den von Francien und den Grafen von Flandern aufgefordert, für Heinrich den Löwen die Waffen zu ergreifen gegen den Kaiser.

)) Böhmer, Fontes R. G. III. pag. 449.