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sich auf Friedrichs I. Zeit beziehen, nicht einmal jenen Pragmatismus aufweisen, der mit der annalistischen Form sich ver- einen lässt. Auch die ausgehobene Stelle trägt den Charakter der Abgerissenheit, und wenn Albert den pikanten Zug von der Kaiserin Anwesenheit und Sorge um ihren auf den Knien liegenden Gemahl, wovon kein anderer Schriftsteller etwas weiss, der Erzählung anfügt, so stimmt dieses mit seiner ganzen schriftstellerischen Eigentümlichkeit harmonisch zusammen. 3 Auch die Chronik von Lauterberg, einen wie hohen Wert sie auch als Hausgeschichte eines Klosters besitzt, steht als Quelle für die Reichsgeschichte keinesfalls gar hoch; die Behandlung dieser lag ja dem Verfasser ganz ausser- halb seines Zieles; nur gelegentlich streut er einige Bemerkungen ein, die darauf Bezug haben, aber, wie er selber sagt, nichts weiter als Lückenbüsser sind ¹). Soll es dann auffallen, dass im vorliegenden Falle des Kaisers Bedrängniss bei der Belagerung Mailands als Motiv seines Hilferufes, offenbar unrichtig, angegeben wird? Der Chronist war über jene Ereignisse nicht genau unterrichtet, eben weil dies nicht in seiner Aufgabe lag, und er selber deutet es an, indem er als Quelle, aus der er seine Erklärung von des Herzogs Sturz geschöpft, ein im Lande gehendes Gerücht(fertur') bezeichnet. Otto von St. Blasien endlich ist wol ein würdiger Fortsetzer der Chronik Ottos von Freising; was Auffassung und Darstellung betrifſt nimmt er anerkannt einen vorzüglichen Platz unter den Chronisten ein ²); aber den Begebenheiten
der Zeit, von der hier die Rede ist, steht er doch eben so ferne als der Lübecker, da er seine Chronik erst im letzten
Jahrzehente vor seinem Tode abfasste, der 1225 erfolgt ist. Es erklärt sich daher, wenn auch er an Verstössen gegen die Wahrheit nicht arm ist.
So gibt denn, um das gesagte zusammenzufassen, der Charakter der vier Quellen hinlänglichen Aufschluss über die Unbestimmtheit, Ungenauigkeit und die Widersprüche in ihrer Darstellung des Ereignisses, um das es sich handelt. Es enthält aber diese Aufklärung zugleich den Nachweis, dass so fernestehende, so wenig unterrichtete, so unkritische Schrift- steller gewiss eine nur höchst zweifelhafte Autorität besitzen, und dass somit die Erzählung, die auf einer derartigen Grundlage sich aufgebaut, von nicht minder zweifelhaftem Werte sein muss.
Steht also die Wahrheit auf ihrer Seite? Schon nach dem vorausgehenden dürfte man Bedenken tragen, der zweiten Darstellung vor der ersten einen Vorzug einzuräumen. Es kommt aber dazu, dass ausser den Quellen, aus welchen diese und jene geschöpft, noch andere fliessen, die, was Reinheit, Reichhaltigkeit und Gleichzeitigkeit betrifft, für den in Untersuchung gezogenen Vorgang ohne Frage von ungleich grösserer Bedeutung sind als jene und durch das, was sie über denselben enthalten, oder besser gesagt, nicht enthalten, den Glauben an die eine und die andere Art der Erzühlung nichts weniger als stärken.
Unter diesen aber verdient zuerst genannt zu werden die Chronica regia von Cöln, der man nach dem Vor- gange Trittenheims(Trithemius) den Namen Godefridus monachus vorgesetzt hat. Sie ist in Wahrbeit eine Königschronik, da sie, wie sie selber sagt, die Reichsgeschichte zum ausschliesslichen Gegenstand ihrer Darstellung gemacht. Von den Abschnitten, in welche sie nach ihrem Quellenwert zerfällt, kann hier natürlich nur der von Interesse sein, der die Ge- schichte Friedrichs I. behandelt. Ist der unmittelbar vorhergehende Abschnitt theilweise aus abgeleiteten Nachrichten zu- sammengesetzt, so ist der vom Jahre 1158 an, um mit Böhmer ³) zu sprechen, für uns Urquelle und zwar ersten Ranges und wächst seine Bedeutung für die Geschichte des Reiches und ebenmässig das Verdienst der Darstellung, man möchte sagen in der Weise, wie, seit Rainald von Dassel, der Cölner Erzbischof, die Seele der kaiserlichen Politik geworden, die politische Grösse Cölns im Wachstum ist. Dass die reichen und trefflichen Nachrichten grösstentheils auf gleichzeitigen Aufzeichnungen beruhen, ist unzweifelhaft, wie Wattenbach bemerkt 4). Wie genau nun die Chronik gerade über die Ereignisse in den siebziger Jahren unterrichtet ist, zeigt der Zusammenhalt ihres Berichtes mit anderen wertvollen Quellen, das von ihr zum Jahre 1174 gegebene ltinerar des Kaisers, das mit den erhaltenen Urkunden stimmt, die so natürliche, von der Uebertreibung anderer Schriftsteller freie Erzählung, wie es zur Schlacht bei Legnano kam und wie sie verlief, zeigen selbst einige hingeworfene Bemerkungen, die auf den ersten Blick ungehörig und unwichtig scheinen, in der That aber bei näherem Zusehen als ganz passend und bedeutsam sich erweisen ⁵). So lässt sich denn mit Grund annehmen,
1 ¹) Wattenbach, l. c. S. 585. ¹) Wattenbach, l. c. S. 555. ³) Fontes R. G. II. pag. XXXV, XXXVI. III. pag. LXI, ssq. *) l. c. S. 417. ³) So bemerkt die Chronik zum Jahre 1180:„nunciti regis Francie imperatorem Sinzeche adeunt cum litteris ejusdem regis, in quibus se devote egcusavit, nungquam sibi animo fuisse, ut causa ducis Saxonie imperatori rebettaret. 14. un nuncii 5


