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selbst Albert von Stade, obgleich er seiner Nachricht die Jahreszahl 1177, natürlich erwiesen irrig, vorsetzt. Um so grösser aber ist ihre Uneinigkeit in Angabe der Umstände des Ereignisses; einmal in Bezcichnung der nächsten Veranlassung. Ohne die Sachlage irgendwie bestimmt zu kennzeichnen, lässt Arnold den Kaiser in Italien das Waffenglück in vielen Treffen erfolglos versuchen, des Reiches Sache dem Verderben zueilen und so die Notwendigkeit entstehen, dass jener Hilfe suche. Die Lauterberger Chronik sucht den Grund davon in der Aufreibung der kaiserlichen Streitmacht bei der Belagerung Mailands. Otto betrachtet die Rüstungen der Mailänder zu neuem Kampf mit Friedrich, dessen Heer sie zusammenschmelzen gesehen, als Anlass. Albert spricht nur im allgemeinen von des Kaisers feindlicher Stellung zu den Mailändern als bewegen- der Ursache. Weiter wissen der dritte und der erste Berichterstatter nur, dass Fürsten zu einer Conferenz mit dem Kaiser zusammentraten, ohne zu bezeichnen— welche?— Dagegen nennt der zweite die sächsischen Fürsten, der letate nur den Herzog. Als Ort der Zusammenkunft gibt Otto Chiavenna an, er versetzt sie also an den Südfuss der Alpen, die Lauterberger Chronik hinwider an den Nordfuss, nach Bartenkirch ¹), während der Lübecker sie wol auch nordwärts der Alpen in deutschen Gegenden halten lässt, aber ohne einen Ort anzugeben, und Albert nicht einmal das Land, geschweige einen Ort bezeichnet. Wozu ferner der Kaiser, um Heinrichs Widerwillen zu brechen, sich verstanden habe, deutet der Blasianer bloss an:»er bat demütiger als es sich für des Kaisers Majestät geziemte«, die anderen aber lassen bestimmt ihm einen Fussfall machen und zwar so, dass nach der Lübecker Chronik der Herzog erschüttert Friedrich eiligst emporhebt, nach den beiden andern gleichgiltig ihn in seiner Lage lässt, aus der nach Alberts Versicherung glück- licher Weise die Kaiserin ihn aufrichtet. Zur Vervollständigung des Vergleiches soll auch der Ursperger noch gehört werden, der berichtet, es habe nur geschienen, der Kaiser wolle dem Herzog sich zu Füssen werfen, was aber nicht wirklich geschehen sei, da dieser Artigkeit genug besessen es zu verwehren. Während endlich nach Arnold der Herzog Geld und Mannschaft dem Kaiser anbot und nur für seine Person um Nachsicht bat, versagte er ihm nach der Chronik von Lauterberg allen und jeden Beistand und war er nach Otto gegen Belehnung mit Goslar Hilfe zu leisten bereit und trieb ihn erst Friedrichs Nichteingehen auf seinen Wunsch zur Preisgebung des Gefährdeten.
Es muss auffallen, wie über ein und dasselbe Ereigniss von nicht geringer Wichtigkeit, falls es sich wirklich zutrug, die Berichterstatter, bloss vier an der Zahl, so widersprechend und so unbestimmt sich äussern konnten. Vielleicht trägt eine Charakteristik derselben zur Aufklärung bei. Welches Gewicht ist fürs erste auf die Erzählung des Arnold zu legen? Der Umstand, dass dieser, Abbt des von Heinrich dem Löwen gestifteten Klosters zum heil. Johannes in Lübeck, als Fortsetzer der Wendenchronik Helmolds von 1170 bis 1209, die Geschichte des nördlichen Deutschlands und seines Herzogs vorzugsweise zum Gegenstand seiner Darstellung gemacht und den Kampf Heinrichs mit dem Kaiser nach dessen Rückkehr aus ltalien selber gesehen, möchte seinem Bericht über jene Zeit von vorneherein ein nicht gewöhnliches Ansehen verleihen. Zudem zeigt er sich nicht bloss unparteiisch, sondern auch vielfach von zwei Männern berichtet, deren einer dem Herzog nahe gestanden, der andere des Kaisers Kaplan gewesen und die beide zum Lübecker Bischofstuhl befördert worden. Aber trotzdem ist er, der in hohem Greisenalter seine Chronik geschrieben, von Leichtgläubigkeit nicht freizu- sprechen, leiden seine Angaben nicht selten, namentlich wenn sie sich auf zeitlich oder räumlich fernerliegende Begeben- beiten beziehen, an Ungenauigkeit und Verviertheit und tritt in seiner Darstellung bereits ein Ansatz jener Sagenbildung hervor, die späterhin so üppig den Boden auch der deutschen Geschichte überwuchert hat ²). Soviel im allgemeinen über Arnolds Geschichtschreibung; kann sie nun in Bezug auf den in Frage stehenden Vorgang als verlässlich gelten? Gegen- über dem Wortreichtum, den der Chronist in der Friedrich in den Mund gelegten Rede entfaltet, ist es einmal auffallend, dass er die Zeit und, wie bereits bemerkt wurde, die veranlassenden Umstände so mangelhaft bezeichnet. Ebenso unbe- stimmt lässt er, welche Fürsten der Kaiser für die Heerfahrt zur Niederwerfung der italienischen Opposition mit Erfolg bearbeitet hat; fast möchte man aus seinen Worten schliessen, dass kein deutscher Fürst sich weigerte, Hilfe zu leisten und doch war in dem Heere, das sich im Jahre 1176 nach ltalien begab, der Fürstenstand in Wahrheit nicht gar stark vertreten. Der Grund ferner, den Friedrich angeführt haben soll, um den Herzog zur persönlichen Theilnahme am Feldzuge zu bewegen, ist allerdings glaublich, nicht zwar sowol desshalb, weil die Lombarden nicht vergessen hätten, wie furchtbar des letzteren Arm wäre, sondern vielmehr, weil die Entfernung Heinrichs aus Deutschland seinen Gegnern daselbst die Hände freigemacht hätte zum Nutzen des Kaisers. Aber um so weniger glaubwürdig scheint es, dass der Herzog ein-
*) Partenkirch in Bayern unweit der Tirolergränze, nordwestlich von Scharnitz. ²) Wattenbach, l. c. S. 577. 378. Vgl. Abel, K. Philipp der Hohenstaufe, S. 524, wo an einem auffallenden Beispiel aus Arnolds Chronik die Sagenbildung nachgewiesen wird..


