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denen Heinrich den Kaiser verlassen haben soll, sondern sie hat nur„viftein hundert riddere“. Die lectio varians findet sich dagegen beim Johann Turmayer, genannt Aventinus, dem durch seine Ungenauigkeit und Leidenschaftlichkeit bekannten bayerischen Geschichtschreiber des XVI. Jahrhunderts ¹). Da die in Rede stehende Darstellung sich auf diese „Quelle« nicht weiter bezieht, so konnte deren Prüfung wol unterbleiben. Die Behauptung:»Ohne Zweifel war das lombardische Heer im Einverständnisse mit Heinrich so nahe gekommen« scheint des Urspergers forte accepta pecunia' veranlasst zu haben, aber das Bedenken desselben, ob denn wirklich der reiche Herzog, dessen Banner an der Etsch und an der Ostsee wehten, von dem wälschen Bürgervolk sich habe bestechen lassen, musste der zweifellosesten Gewissheit Platz machen wie beim Abensberger; auch die nähere Zeitbestimmung»im Frühlinge des folgenden Jahres« kann die Erzählung nicht aus ihren Quellen entlehnt haben; keine sagt etwas davon; und diess lässt sich begreifen, wie wenig auch durch einen Irrtum mehr deren Ansehen weiter Schaden litte; denn um dieselbe Zeit(Frühjahr 1176— ein anderes kann die Erzählung nicht meinen—) war Herzog Heinrich vollauf in Bayern und Oesterreich beschäftigt, wie aus dem bereits angezogenen Document hervorgeht, welches im Codex traditionum des Stiftes Reichersberg erhalten ist. Dort heisst es nemlich:„..... successit in locum(Arnonis prepositi)..... Philippus. Cuius prelationis..... anno ... secundo cum diu eæpectatus duæ ante quadragesimam redisset bawariam, prepositus dominus Philippus occurrit illi in castro purchusn in dominica secunda quadragesime...... ipse duæ multis occupatus distulit eum audien- dum Ranshouen. Vbi cum post VII. dies eæpectatus aduenisset,.... precepit...., ut presentaret se(dominus Heinricus) Ans. Ibi inter ipsum(ducem Heinricum) et ducem austrie habitum est ualde celebre colloquium..... die dominico in media quadragesima ²).“ Das Jahr, in welches die Rückkehr des Herzogs nach Bayern fällt, muss 1176 sein. Zwar schliesst das Actenstück, nachdem es die Austragung des Streites bei jener Zusammenkunft in Ens er- zählt, mit den Worten:„Acta sunt hec anno MLXXVII.“ Aber es ist beigefügt:„sub Domino Philippo...., anno prepositure eius secundo.“ Da nun Arno 30. Jäner 1175 starb, so ist das zweite Jahr der Praelatur Philipps: 1176. Zudem liesse sich im Jahre 1177 eine Zusammenkunft Heinrichs mit dem Herzog von Oesterreich nicht wol glauben. Denn der Nachfolger Heinrichs Jasomirgott(t 13. Jäner 1177), Leopold V.(VI), erscheint noch am 16. März 1177 als Zeuge in einer Urkunde ³) des Kaisers, ausgestellt„apud castellum Cucuraniꝰ, südlich von Pesaro, die Zusammenkunft in Ens aber müsste, da der Ostersonntag 1177 auf den 24. April fiel, nach dem obigen bereits am 3. April stattgefunden haben. Darum haben schon Gemeiner und neuerdings v. Meiller in der Jahreszahl des Documentes einen Schreibfehler geschen und des bayerischen Herzogs Anwesenheit in Oesterreich und Bayern 1176 angesetzt und die angegebenen Tage sind der 29. Fehruar, 7. und 14. März.
Also steht die Wahrheit auf der anderen Seite? Es scheint so. Doch wird zur Hebung der Ungewissheit ein zweiter Gang zu den Quellen von Nutzen sein. Es hat aber die zweite Darstellung aus den Berichten von vier Quellen das Materiale sich geholt und dieses, mit theilweiser Benutzung der Ursperger Chronik, mit anerkennenswertem Geschick zusammengefügt, nemlich: aus der Wendenchronik des Helmold in der Fortsetzung durch Arnold von Lübeck, aus dem Chronicon Montis sereni, aus den Stader Annalen und aus Otto von St. Blasien. Es sei gestattet, die hieher gehörigen Stellen anzuführen.
Arnold von Lübeck erzählt folgendes ⁴):„Circa tempora dierum illorum in Italia positus erat Imperdtor, nimiis proeliis oceupatus. Siquidem Langobardi unanimes rebellabant contra eum et respublica in partibus illis nimis turbata erat...... Caesar igitur fortunatis bellorum frustratus eventibus graviterque anæiatus, exiens de finibus illis, transmissis Alpibus venit in partes Teutonicas et convocatis principibus perturbationem Imperii ex-
*) J. Aventini A. B. VI. pag. 615. Leipziger Ausg. 1710. Die Stelle verdient angeführt zu werden:„Caesar sexto Italiam petit, Alexondriam oösidet„oppidum ο aequat. Henricus duæ Boiorum atgue Saxoniae, qui ibi cum 5000 equitum erat, corruptus pecunia, suasu Jordoni Truchsas, ab Imperatore deficit, cum omnibus copils suis absque commeatu eæ castris discedit in Rhaetiam. Cum Zornensibus et Veringensibus caeteris que societatem init, adversus Augustum conspi- rat. Mediolanenses ubi abiisse equitatum Henrici accipiunt, Imperatorem invadunt, ipsum cedere, obsidionem solvere cogunt. Ise aegre mutato eultu atque habitu per Burgundiam in Germaniam evasit.“ Unverkennbar war der Ursperger mittel- bare oder unmittelbare Vorlage für Aventinus; dabei aber ist interessant zu sehen, wie die Zweifel, die der Schriftsteller des XIII. Jahrhunderts in seinem Bericht wiederholt geäussert, der des XVI. völlig verbannt hat und welche Zusätze aus seiner verarbeitenden Hand geflossen sind; um so merkwürdiger aber ist daneben, dass derselbe die Scene am Comersee aus seiner Erzählung fortzulassen für gut erachtet hat!—
¹) Urkundenbuch des L. o. d. E. I. pag. 347.
²) v. Meiller, Reg. der Babenberg. S. 54.
*) Helmoldi Chronicon Slavorum, cum continuatione Arnoldi, bei Leibnitz,§S. Brunsvic. II. pag. 639 ssq.


