Aufsatz 
Hat Kaiser Friedrich I. vor der Schlacht bei Legnano dem Herzog Heinrich dem Löwen sich zu Füßen geworfen? Eine historisch-kritische Untersuchung
Entstehung
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Kampfes Friedrichs mit den Lombarden und das sieglose Treffen vom 50. Juni und die Herstellung des Friedens zwischen Kirche und Reich gesetzt. Denn so bemerkt die Chronik zum Jahre 1176:Imperator rursus impugnare coepit Lom- bardos commissumque est proelium inter eos pridie kal. Julii, de quo tamen sine victoria processum est. Eodem anno paæ reformata est inter Alexandrum et Imperatorem. Vielleicht thut man der obigen Ausführung des Urspergers noch zu viel Ehre an, wenn man sie für eine musivische Arbeit der bezeichneten Art erklärt. Keinesfalls aber wird es ein Fehlgriff sein, sie einem Schriftsteller beizumessen, der dem behandelten Zeitraum um mehr denn ein halbes Jahrhun- dert ferne stand und auch den Nachhall geräuschvoller Begebenheiten nur in seinen letzten verworrnen Ausklängen noch vernahm. Wie könnte sonst der Berichterstatter das Aufheben der Belagerung Alessandrias an Heinrichs Abfall knüpfen statt an das Anrücken des ligistischen Heeres, wie dies auf das bestimmteste die Annales Magdeburgenses thun? Von deren Wert soll später noch die Rede sein; hier sei nur soviel bemerkt, dass sie in Betreff der in Frage stehenden Vorgänge unbedingt höher stehen als der Ursperger. Dieselben erzählen nun zum Jahr 1175):Lwacta jam fere istius anni quadragesima adversarii imperatoris de diversis civitatibus validum exercitum conglomerant et quasi pugnaturi contra imperatorem acies dirigunt. Cesar haec audiens obsidionem solvit et contra adversarios imperterritus tendit. Und in Uebereinstimmung damit gibt der Annalist von Genua, Ottobonus Scriba, an ²):Hoc anno(1176) Fridericus imperator ab obsidione Alessandriae discessit..... et ivit cum ewercitu suo contra ewercitum civitatum Lombar- diae et Marchiae, quae in partibus Montisbelli castrametatae fuerant.O Wenn dann der Genuese fortfährt:Verum- tamen mediantibus viris bonis pepigit imperator cum iis et nulla ibi fuit pugna; et sic Lombardi ad domos proprias remeaurunt. Imperator pervenit Papiam et ibi moratus est und ebenso die Magdeburger Jahrbücher, nur mit stärker aufgetragenen Farben, weiter berichten:Et ecce terribilis castrorum acies, mutata repente voluntate, arma ponunt, gladios jugulis imponunt et sine conditione vestigiis imperatoris se prosternunt. Quos Cesar imperiali clementia in gratiam suscipit et se in Papiam civitatem recepit....... Imperator omnibus episcopis ceterisque principibus, qui secum intraverant Longabardiam, redeundi dat licentiam, retentis secum militibus paucis so ist von zwei von einander ganz unabhängigen Erzühlern als Ursache der Auflösung einerseits des Lombardenheeres, andererseits des kaiser- lichen die friedliche Uebereinkunft der Gegner bezeichnet. Welches Licht aber fällt hiedurch auf den Ursperger, der von alledem nichts weiss und den Kaiser durch den Trotz des Herzogs zur Entlassung seines Heeres gezwungen werden lässt? Was soll man weiter von ihm halten, wenn er vorgibt, noch im selben Jahr habe Friedrich, nach Deutschland zurück- gekehrt, Heinrich, der bis dahin noch Zeit gefunden, eine Verschwörung anzuzetteln, vor den Richterstuhl geladen, während doch unbestritten feststeht, dass die erste Vorladung zwar sogleich nach des Kaisers Ankunft, aber nicht vor dem 531. October 1178 ausgesprochen worden ist? Was aber endlich der Darstellung die Krone aufsetzt, ist, dass sie des Kaisers schmach- volle Flucht aus Italien vom Jahre 1168 in das Jahr 1175 verlegt. Denn nur auf diese, und zwar genau auf diese, passen die Umstände, die von dem Chronisten erwähnt werden: des Kaisers Not und Angst, sein Sarjandkostüm, die Hilfe der Novaresen, die damals kaiserlich, 1175 aber ligistisch waren! Man halte die Einzelheiten zusammen mit dem, was bei Otto von St. Blasien über Friedrichs Nachtlager in Susa 1168 zu lesen ist und es wird kein Zweifel übrig bleiben, dass der Ursperger eine gar arge Verwechselung sich zu Schulden kommen liess. Neben solchen Missgriffen verschwindet völlig seine Ungenauigkeit in Bezug auf das Datum der Schlacht bei Legnano, welche erpridie Kal. Julii ansetst, während nach Sire Raoul, dem zeitgenössischen Mailändergeschichtschreiber, sicher steht, dass sie am 29. Mai vorgefallen ITV. kal. Junii die Sabbati cum essent Mediolanenses juæta Legnanum...... Proelium factum est sagt derselbe ²); und kann man übersehen, dass er den welthistorischen Frieden von Venedig nicht in das Jahr einreiht, in welchem er wirklich geschlossen worden. Darf nun ein Bericht wie der vorliegende des Chronicon Urspergense, dessen Verstösse so auffallend darthun, dass sein Zusammensetzer, um nicht zu sagen Interpolator, keine Einsicht in die be- handelten Ereignisse besass, als feste Grundlage einer wahrhaft geschichtlichen Darstellung betrachtet werden? Ist man nach den vorgehenden Bemerkungen nicht berechtigt, das Hauptfactum selbst, an welches der Erzälhler seine erwiesen irrigen Behauptungen anlehnt, nemlich Heinrichs Anwesenheit in Italien 1174 und 1175, zu bezweifeln, auch wenn nicht ausserhalb des Berichtes liegende Gründe dazu rieten? Solche Gründe aber liegen vor.

¹) Pertz, M. G.§S. XVI. pag. 193. ²) Muratori, R. J. SS. VI. pag. 352. ¹) Muratori, R. J. SS. VI. pag. 1192.