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dass du mich künflig zu jeglichem was du verlangst, bereit und willig ſinden wirst.« So sprach der Kaiser; aber der Herzog beharrte bei seiner Weigerung und bot endlich für grosse Abtretungen in Deutschland ärmliche Geldhilfe! Dem Kaiser erschien dies Benehmen unwürdig und eigennützig....... So gross war jedoch die Not, so viel stand auf dem Spiele, dass Friedrieh kein Mittel verschmähend. von seinem Sitze hinabstieg und flehend die Knie Heinrichs umfasste. Dieser erschrack zwar.......„ beharrte aber dennoch auf jener Weigerung und einer seiner Mannen, Jordanus Truchsess, hatte sogar die Kühnheit, ihm zuzurufen:»Herr, die Krone, die ihr zu euren Füssen gesehen habt, wird bald euer Haupt schmücken., Alle schwiegen itzt.... da nahte die Kaiserin würdevoll ihrem Gemal und sprach:»Lieber Herr, stehe auf, Gott wird dir Hülfe leisten, wenn du einst dieses Tages und dieses Hochmutes gedenkest.« Der Kaiser stand auf; der Herzog bestieg sein Pferd und ritt davon. Kaum hörten die Lombarden von dieser Spaltung, als sich mit ihrem Mute auch ihre Forderungen erhöhten; Friedrich hingegen wollte.... keineswegs verzagt nachgeben. Die Erz- bischöfe von Köln, Trier, Magdeburg, die Bischöfe von Münster und Worms, der Graf von Flandern und viele treu geblie- bene Stände nahten beim Eintritt des Jahres 1176 mit vieler Mannschaft..... Ehe die Lombarden es erwarteten, er- scholl daher die Kunde: das deutsche Heer sei...... in Como angelangt und der Kaiser habe sich.... bereits mit demselben vereinigt.«
Der berühmte Geschichtschreiber berichtet weder in der angeführten Stelle noch in dem vorausgehenden irgend etwas von Heinrichs Betheiligung an der vierten Heerfahrt nach ltalien, vielmehr stellt er eine solche aufs entschiedenste in Abrede; er weiss nichts von einem stattlichen Gefolge, womit der Herzog Alessandria belagern geholfen; es ist keine Rede von dessen plötzlichem Entschluss mit seiner Streitmacht gerade vor der Schlacht aus Wälschland fortzueilen; nach seiner Erzählung erscheint Heinrich vielmehr erst dann an der norditalienischen Grenze, und zwar bloss zum Behufe einer Besprechung mit dem Kaiser, als über dessen Haupt ein Ungewitter sich zusammenzuziehen droht, da die Friedensverhand- lungen abgebrochen worden. Zwar die Kniefallscene gewahrt man auch hier, doch hat sie eine andere Bedeutung als dort; es handelt sich dabei nicht, dass Heinrich mit seinen Mannen bleibe, sondern, dass er mit ihnen erst komme; end- lich lässt der angezogene Historiker die Schlacht bei Legnano nicht sofort entbrennen, nachdem der Herzog jede Unter- stützung verweigernd abgezogen, sondern die Lombarden aus der vernommenen Spannung erst Mut schöpfen, höhere Forderungen stellen und sie, als endlich aus Deutschland Verstärkung dem Kaiser zugekommen, hiedurch noch über- rascht werden.
Die Verschiedenheit der Darstellungen, wie Heinrich den Kaiser im Stiche gelassen, ist in die Augen springend Und dennoch beruft sich die letztere nicht minder auf Quellen als die erstere. Auf welcher Seite steht nun die Wahr- heit? Diese Frage drängt sich von selber auf. Ja die dargethane Discrepanz dürfte sogar zu der Frage berechtigen: Steht überhaupt eine der beiden Arten der Erzühlung auf festem historischen Boden? Um diese Fragen zu lösen, wird es not- wendig sein auf die Quellen zurückzugehen, auf welche die eine und die andere Darstellung sich beruft, und ibre Autorität selbst genau zu prüfen. Denn nicht alle Quellen, aus denen Historiker zu schöpfen pflegen, haben Wert, haben gleichen Wert. Gar nicht zu reden von denen, welche nachweisbar abgeleitet sind, mehr oder minder rein, können selbst die ursprüng- lichen demjenigen nicht gleich viel gelten, der Zeitalter, Aufenthalt, Bildungshöhe, Gemütsbeschaffenheit, Charakter, Stellung der Berichterstatter als Momente von hoher Bedeutung für geschichtliche Darstellungen erkennt. Eine Ausführung dessen väre überflissig.
Welehe sind nun die Quellen, die für die zuerst angeführte Darstellung bestimmendes Anschen haben mochten? Bringt man, wie sich von selbst versteht, reine Uebersetzungen oder spätere Umbildungen älterer Werke ohne wichtige Zu- sätze in Abschlag, so erübrigen nur zwei, höchstens drei Quellen: das Chronicon Urspergense, die sächsische Welt- chronik und die Kaiserchronik. Es lohnt der Mühe, die betreffenden Stellen auszuheben.
Die Chronik des Burchard von Ursperg in Schwaben hat zum Jahre 1175 folgendes ¹):„In hac obsidione (Alexandriae) Imperator non profecit;, nam Duæ Henrieus de Saæxonia, nepos suus, perfide ab eo recessit, sumpta occasione de ercommunicatione et forte aceepta pecunia. Quem, ut referunt homines, secutus est Imperator et ad ipsum veniens super lacum Cumanum cum magna humilitate postulavit, ut se non desereret? ita ut videretur pro tali petitione ad pedes ejus se velle demittere, quod Duæ discrete recusavit. Quidam autem officialis ipsius Ducis, Jordanes nomine, narratur superbe diæisse:„Sinite Domine, ut corona Imperialis veniat vobis ad pedes, quia veniet et ad caput.“ Tunc Imperator compulsus exercitum suum dimittere, cum maæimo labore, auæilio praecipue
¹) Chron. Conradi a Lichtenau, abb. Ursperg., Baseler Ausgabe vom J. 1569, pag. 296.


