Aufsatz 
Hat Kaiser Friedrich I. vor der Schlacht bei Legnano dem Herzog Heinrich dem Löwen sich zu Füßen geworfen? Eine historisch-kritische Untersuchung
Entstehung
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aus dem kaiserlichen Italien flüchtig gehen und überliess es seinen Gegenpäpsten, einem Victor, einem Paschalis, die ver- ächtliche Rolle oberster geistlicher Beamten des Kaisers zu spielen und an dessen strahlenden Scepter das Papsttum anzu- heften. Aber Alexander kehrte wieder in die ewige Stadt, die gefühlt hatte, dass dort Rom sei wo der Papst, und zu ihm, seinem Lehnsherrn, stellte sich Apulien und Sicilien; so gestaltete es sich im Süden. Im Norden war der Veroneser- bund entstanden und abermals die Bürgermacht im Steigen. Friedrich gewahrte es. Er musste wieder mit Heeresmacht über die Alpen steigen. Einige Städte schienen sich zu fügen, in der That aber bereitete sich eine Gesammterhebung Oberitaliens vor; im Rücken des Kaisers, der gegen Rom stürmte, um seinen Papst auf St. Peters Stuhl zu setzen und dem Cäsaropapismus zum entscheidenden Siege zu verhelfen, constituierte sich die Lega lombarda, erhob sich Mailand wieder, wurden die Gewaltboten aus den Städten verjagt. Zwar Rom, von den Kaiserlichen mit Schwert und Brand bekämpft, musste unterhandeln und Alexander weichen, Paschal wurde feierlich eingeführt und Friedrich beging Siegesfeste; da aber brach in seinem Heere eine entsetzliche Seuche aus und trieb ihn als machtlosen Flüchtling über den Apennin, die auf- gestandne Lega ihren Aechter über die Alpen. Tief war der Kaiser gedemütigt worden, aber nichts desto weniger stand sein Sinn noch fest nach dem Ziel, das er sich gesteckt. Ernannte er doch nach Paschals Tod einen neuen Gegenpapst, Calixt, und arbeitete er in Deutschland rastlos sechs Jahre lang, einen Rachezug zu Stande zu bringen gegen die Lombar- den, die auf ihren Herrn und Kaiser gefahndet hatten und nun ein Bollwerk ihrer Freiheit aufbauten Alessandria. Allein die deutschen Fürsten waren schon nicht mehr recht willig, fort und fort ihre beste Kraft zu setzen an ein Werk, das bisher kein dauernder Erfolg gekrönt, das jüngst sogar den Glanz des deutschen Namens getrübt, des Himmels Fluch her- ausgefordert hätte und, wenn überhaupt, wer möchte sagen wann einmal, zu Ende geführt werden könnte. So kam es, dass, als der Kaiser, die entscheidenden Würfel zu werfen, im September 1174 die vierte Heerfahrt nach Italien unter- nahm, nur wenige Fürsten Deutschlands und zwar nur geistliche fast, mit geringer Macht ihn dahin begleiteten. Den Hauptstock seines Heeres bildeten geworbene Leute aus den niederrheinischen Gegenden, die furchtbaren Brabancçons, und Böhmen, die der jüngst durch Friedrich auf den Herzogstuhl erhobene und hierdurch zu Dank verpflichtete Sobéslav gestellt. Uebrigens waren die Verhältnisse Italiens so gestaltet, dass der Kaiser frohen Mutes an die Belagerung von Alessandria ging, 29. October 1174. Wenn aber der Markgraf von Montferrat ihm die Eroberung der»Strohstadt« als ein Werk darstellte, das keine besondere Mühe erfordere, so konnten sich die Belagerer bald vom Gegentheil überzeugen. Die Alessandriner hielten sich mit eben so vielem Erfolg wie die Bewohner von Ancona, das der kaiserliche Kanzler Christian, Erzbischof von Mainz, zu bezwingen versucht hatte. Und schon entfaltete auch der lombardische Bund seine Kriegsmacht zu Gunsten Alessandrias. Die Diversion, zu welcher ihn der kriegsgewandte Kanzler nötigte, war von keiner Dauer. Das ligistische Heer bezog vielmehr ein Lager bei Tortona, 6. April 1175. Priedrichs Lage ward gefährlich: sein eignes Heer durch Desertionen stark vermindert, herabgekommen, entmutigt, in nächster Nähe die frische Macht der Liga, Alessandria unbe- zwungen. Doch kam es zu keiner Schlacht, sondern zu Unterhandlungen zwischen Kaiser und Lombarden. Ein Waffen- stillstand war die Folge. Das Heer der Liga ging auseinander, das des Kaisers grösstentheils nach Deutschland, er selber nach Pavia. Es schien als sollte Friede werden. Wenigstens traten von Seite Friedrichs und der Lombarden Bevoll- mächtigte zusammen, die gegenseitigen Ansprüche und Rechte ins Gleichgewicht zu setzen. Ebenso arbeiteten Gesandte des Papstes mit kaiserlichen Commissären, Kirche und Reich wieder zu vereinbaren. Allein die Unterhandlungen zerschlu- gen sich. Weder nach der einen noch nach der anderen Seite wollte der Kaiser auf die gestellten Forderungen eingehen. Die päpstlichen Abgeordneten reiseten ab. Genua, Lucca, Pisa, Florenz waren wol dem Kaiser noch ergeben. Dagegen beschickten die Lombarden einen Hoftag, den derselbe ausschrieb, schon nicht mehr. Der Wiederausbruch der Feindselig- keiten bereitete sich vor. Also suchte Friedrich die wälschen Freunde in den unteren Pogegenden zu festigen; sehnsüch- tiger noch richteten sich seine Blicke nordwärts, nach der Heimat. Von dort musste Hilfe kommen, wollte er sein Ziel erreichen. Von dort entbot er auch die Fürsten dringend nach Italien. Fürsten kamen, doch nicht in erwünschter Zahl. Man stand im Mai 1176, als Friedrich von Pavia nach Como eilte, um mit der da angekommenen Streitmacht, der letaten, die er aus Deutschland erwarten durfte, sich zu vereinen. Es gelang, aber schon hatte die Liga ihre Schaaren aufgestellt und zwang den Gegner zum Kampf. Bei Legnano focht man, am 29. Mai. Den Lombarden blieb der Sieg; er war weder blutig noch an sich entscheidend. Erst die Ueberzeugung Friedrichs, von Deutschland weiter keine Verstärkung erlangen zu können, gab die Entscheidung. Er schloss mit Alexander Frieden und mit den Lombarden Waffenstillstand. Der Kampf war zu Ende. Die Kirche, das Reich diesseits und jenseits der Berge, die Welt musste sich darüber freuen.

Es ist von neueren Schriftstellern fast allgemein angenommen, dass dieser Ausgang des vieljährigen Kampfes her- beigeführt wurde durch Heinrich den Löwen, da er, der mächtigste deutsche Fürst, der Herzog der Bayern und Sachsen,