Hat Kaiser Friedrich I. vor der Schlacht bei Legnano dem Herzog Heinrich dem Löwen sich zu Füssen geworfen?
Eine historisch-kritische Untersuchung
von
A. Ozlberger.
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De⸗ Vorwurf der nachstehenden Zeilen dürfte manchem geringfügig scheinen. Er mag es auch sein. Doch entbehrt der Vorgang selbst, der beleuchtet werden soll, gewiss nicht alles Interesses, da er einem der anziehendsten Zeit- läufte der deutschen Geschichte angehört und mit einer bedeutungsreichen Wendung der Politik eines der gefeiertsten Kaiser in engsten Zusammenhang gebracht zu werden pflegt. Eben so wenig fehlen einer Wanderung in das Quellenge- biet der Geschichte des deutschen Mittelalters alle Reize. Und ein Blick in das Helldunkel, in welchem Geschichte und Sage, wie Tag und Nacht im Abend, in einander fliessen, mag auch nicht wertlos sein. Dieses und die Rücksicht auf den engen Rahmen eines Schulprogrammes war für die Wahl des Stoffes massgebend. Hoffentlich liegt hierin einige Recht- fertigung derselben. Der Durchführung wird es wol an manchem gebrechen. Vielleicht empfiehlt sie nur das Streben, durchwegs auf festem Grund zu stehen. Dass Wattenbach und Böhmer für nicht wenige Behauptungen, die sich auf die Wertbestimmung der Quellen im allgemeinen beziehen, als Autoritäten angerufen werden, kann sicher nur billigen wer weiss, was die beiden Namen für die deutsche Quellenkunde bedeuten. Die ausgehobenen Stellen sind etwas voll gehal- ten, doch nicht voller als nötig ist, um ein bestimmtes Bild von diesem, jenem Schriftsteller zu verschaffen und den Auf- satz auch solehen lesbar zu machen, denen die Quellenwerke selbst nicht zu Gebote stehen. Noch sei bemerkt, dass in den Citaten die Schreibweise beibehalten ist, die in den Quellenausgaben vorliegt.
Kaiser Friedrich l. Barbarossa hatte mit zwei Mächten einen Riesenkampf begonnen: mit der republikamschen Frei- heit des Bürgertums in den italienischen Städten und dem Papsttum. Die Gegner waren einander würdig; auf der einen Seite ein gewaltiger Kaiser voll des stolzesten Selbstbewusstseins und des glühendsten Verlangens ein lImperium aufzurich- ten, in dem sein Wort allgebietend wre, sein Wille schrankenlos; auf der anderen Seite ein Papst voll Charaktergrösse, voll des Gefühles an der Spitze der Kirche zu stehen, die er vor byzantinischer Knechtung zu bewahren habe, stark in dem, dessen Stelle er vertrat, und durch die Sympathien der freien katholischen Welt— ein Friedrich l. und ein Alexan- der Ill. Und auf der Seite dieses— die Gefahr war gemeinsam— eine reiche, stolze, kampfgeübte Bürgerschaft in festen Städten, welcher die Verhältnisse der Zeit selber nicht minder als eigenes Ringen eine Autonomie und Freiheit verschafft hatten, die von Kaiser und Reich nicht viel zu wissen schien, eine Bürgerschaft, der, um unüberwindlich zu sein, einzig die Einigkeit fehlte. Der Kampf war langdauernd und wechselvoll. Die Krone der wälschen Städte, Mailand, ſiel, die
übrigen beugten sich dem kaiserlichen Sieger und seine Gewaltboten wurden allenthalben aufgenommen; Alexander musste 1 4⁴


