Aufsatz 
Die Vaterlandsidee in der Erziehung. Rede, gehalten bei der Schlußfeier des Schuljahres 1874/75, am Sedanstage / Aloys Denk
Entstehung
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Weihe, den Stunden ernſter, ſtiller Sammlung angehört. Im Uebrigen wird ſie ihren geſammten Unterricht, ihr ganzes Erziehungswerk der Art einzurichten wiſſen, daß ſie ihre Zöglinge am Ende der Schullaufbahn mit dem feſten Vertrauen entlaſſen kann, es werde in ihnen der Same des Guten, Schönen und Wahren im Dienſte des Vaterlandes zu erfreulichen Früchten reifen.

Welches ſind nun aber insbeſondere die Mittel, durch welche die Schule innerhalb ihrer Sphäre dieſen nationalen Zweck zu erreichen hofft? Ich glaube, es ſind hauptſächlich drei.

Es iſt vor allem erſtens die ſtrenge Gewöhnung zur Arbeit. Dieſe Seite der Erziehungs⸗ Aufgabe iſt jedoch keineswegs die leichteſte. Wohl mag es in den meiſten Fällen glücken, durch Ver⸗ tröſtung auf die künftige Nützlichkeit der zu erwerbenden Kenntniſſe oder auch durch unmittelbare Strafe und Belohnung den Schüler zu geregelter mechaniſcher Thätigkeit zu beſtimmen; vielleicht ge⸗ lingt es ſogar hin und wieder, durch eine gewiſſe methodiſche Gewandtheit dem nichts denkenden Zögling den Schein zu geben, als ob er wirklich geiſtig thätig ſei; allein durch alles das werden wir nie und nimmer den Jüngling geſchickt machen zur ſpäteren freudigen und kräftigen Mitwirkung an der Arbeit, welche das Vaterland von ſeinen Söhnen, welche die Menſchheit von den Bürgern dieſer Welt verlangen darf. Hierzu iſt vielmehr nöthig, daß wir von unten auf die unmittelbare Selbſtthätigkeit des Schülers anzuregen ſtreben, alſo daß, wie Fichte in ſeinen berühmten Reden an die deutſche Nation hervorhebt,ohne alle Rückſicht auf die Verſchiedenheit der natür⸗ lichen Anlagen und ohne alle Ausnahme jedweder Zögling, an dendieſe Erziehung gebracht wird, rein um des Lernens ſelbſt willen und aus keinem andern Grunde mit Luſt und Liebe lerne. Wie ſollte auch, wer nicht frühzeitig die Arbeit als ſolche hat ſchätzen und lieben lernen, im reiferen Alter all den ſchweren Pflichten und Mühen gewachſen ſein, denen er nicht ausweichen kann, mag er nun beim Beginn ſeines Daſeins von den Launen des Glückes gut oder ſchlimm bedacht worden ſein? Wie ſollte er werkthätigen Antheil am öffentlichen Leben nehmen? Wie ſollte er gar den Trieb in ſich fühlen, durch aufreibende Arbeit dem Vaterlande zu dienen?

Ein Zweites, worauf die Schule ihr Augenmerk richtet, um auch ihrerſeits in rechter Weiſe die Vaterlandsidee verwirklichen zu helfen: das iſt der Geiſt der Zucht. Die Wurzel aller Sitt⸗ lichkeit und darum auch der Vaterlandsliebe iſt die Selbſtbeherrſchung, die Selbſtüberwindung, die Unterordnung ſeiner ſelbſtſüchtigen Triebe unter den Begriff des Ganzen. So muß denn auch der Trieb zur Thätigkeit, die Arbeitsluſt, damit nicht geiſtiges und moraliſches Unkraut aufwuchere, ge⸗ regelt werden durch die Erziehung des Geiſtes und Willens zum fügſamen Anſchluß an die Ordnung, welche die nothwendige Rückſicht auf die Geſammtheit erheiſcht. Immerdar wird deshalb, wie wieder⸗ holt von dieſer Stätte aus hervorgehoben worden, immerdar wird dem Schüler, der ein berechtigtes Glied des Ganzen ſein und bleiben will, geſagt werden:

Willſt du, daß wir mit hinein In das Haus dich bauen,

Laß es dir gefallen, Stein, Daß wir dich behauen.

Hierbei reden wir natürlich nicht entfernt einer Pädagogik das Wort, welche etwa den Maß⸗ ſtab ihres Werthes in der möglichſt zuverläſſigen Gefügigkeit des Zöglings ſucht und findet. Im Gegentheil! Die Disciplin, wie ſie oben gemeint iſt, ſchließt in keiner Weiſe aus, daß dem reichen Spiel der jugendlichen Kräfte ein wohlgemeſſener Raum zur Bethätigung gewährt ſei; für's Leben, für die hohen Aufgaben des Vaterlandes will ja die Schule vorbereiten, auch wenn ſie disciplinirt, und da gilt's wahrhaftig heute mehr als jemals, daß die Jugend heranreife nicht zu ſtummer Reſig⸗